Juni - August 2004
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Mit Blick von außen

Beeindruckt von Potsdamer Lehrerbildung

Mitte Mai weilte Prof. Dr. Viktor Jakupec von der University of Technology Sydney/Australien am Institut für Arbeitslehre/Technik. Er arbeitet mit Wissenschaftlern der Universität Potsdam an einem Lehrerbildungsprojekt in Vietnam sowie an einem Modellversuch zur Qualifizierung von Seiteneinsteigern für das Berufsbildende Schulwesen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen. Portal befragte ihn zu seinen Eindrücken von der Potsdamer Lehrerbildung.


Mit internationaler Biografie:
Prof. Dr. Viktor Jakupec.
Foto: privat

Woraus erwächst das Interesse eines australischen Hochschullehrers an der Reform der Lehrerbildung in Deutschland?

Jakupec: Forschungsarbeit auch im Bildungswesen schließt vergleichende Untersuchungen unterschiedlicher Bildungskonzepte zwingend ein. Darüber hinaus bin ich ein Mensch mit internationaler Biografie. Nach dem Studium in Wien wanderte ich nach Australien aus, wo ich das Diploma of Teaching, später den Bachelor und Master of Education erwarb. An der Fernuniversität Hagen promovierte ich. Meinen Arbeitsschwerpunkt bildet die Gestaltung von Fernstudiengängen. Durch diese Arbeit wurde ich mit der Leitung verschiedener internationaler Projekte, vor allem im asiatischen Raum, betraut.

Was interessiert Sie speziell an der Lehrerbildung in Potsdam?

Jakupec: In den Jahren 2000/2001 leitete ich ein Lehrerbildungsprojekt der Asiatischen Entwicklungsbank in Hanoi. Die vietnamesische Regierung hatte zugleich ein weiteres Lehrerbildungsprojekt international ausgeschrieben, an dem die Universität Potsdam beteiligt ist. Meine Kollegen in Australien und ich sind der Meinung, dass das Potsdamer Modell der Lehrerbildung einen der wichtigsten Beiträge zu den verschiedenen Projekten leistet. Abgesehen davon haben die Universität Potsdam und die TU Sydney eine über Jahre hinweg bestehende Kooperation, die wir weiter fördern möchten. Am Potsdamer Modell der Lehrerbildung beeindruckt mich zum Beispiel die frühzeitige und durchgängige Theorie-Praxis-Verschränkung, aber auch die relativ umfassende erziehungswissenschaftliche Fundierung mit einem breiten psychologischen Anteil. Darüber hinaus finde ich den Ansatz des forschenden Lehrens in den Fach- und Erziehungswissenschaften sowie die Festlegung von Mindeststandards in den Fachdidaktiken interessant.

Sie möchten bei weiteren Bildungsprojekten mit der Universität Potsdam kooperieren. An welche Projekte denken Sie?

Jakupec: Wir wollen uns gemeinsam um weitere Projekte der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank bewerben. Den Schwerpunkt wird hier die Bildungsreform in Vietnam, eventuell auch in China, Sri Lanka und den Malediven bilden.

Die Universität Potsdam wird die Lehrerausbildung umgestalten und Bachelor- und Masterstudiengänge einführen. Wie bewerten Sie die aktuellen Reformbemühungen?

Jakupec: Die Universität ist gut beraten, zügig an der Einführung konsekutiver Studiengänge zu arbeiten. Die Frage der Gleichsetzung mit Ländern, welche traditionell Bachelor- und Masterstudiengänge anbieten, müsste jedoch genauer betrachtet werden, damit die hohe Qualität der Bildung nicht unter der vereinfachten Gleichstellung der Potsdamer Qualifikation leidet. Die Umstellung der Lehramtsstudiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse ist eine konsequente Reaktion auf die starke Lehrerbildung in Potsdam. Das Rahmenmodell bietet die Chance, die Innovationen des Potsdamer Modells zu konsolidieren. Fraglich bleibt für mich, inwieweit eine zweite Phase der Lehrerbildung notwendig sein wird. Hier gehen die Deutschen nach wie vor einen Sonderweg. Wenn Studienzeiten verkürzt werden sollen, bieten sich hier klare Potenziale. Die Integration der personellen Ressourcen der zweiten Phase in den Masterstudiengängen würde Synergien erschließen und vor allem die Praktikumsbetreuung intensivieren können.

Wie sehen Sie die internationale Anerkennung der Potsdamer Bachelor- und Masterstudiengänge?

Jakupec: Die Regelungen liegen im Rahmen der internationalen Vergleichbarkeit. Die starke Fokussierung der Studiengänge auf das Berufsfeld Schule erfordert Regelungen, die es ermöglichen, dass die Studierenden, die es wünschen und die die Voraussetzungen erfüllen, auch den Mastergrad erreichen können. Ansonsten wird die Anerkennung der Anschlüsse durch den Arbeitsmarkt geregelt. Die internationalen Qualitätsrahmen sind auch weiterhin unterschiedlich. Dadurch steht die Qualität im Mittelpunk der internationalen Anerkennung. Da die Universität Potsdam international anerkannt ist, kann ich keine Schwierigkeiten bei der Anerkennung der Potsdamer Studienabschlüsse in der Zukunft erkennen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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[Letzte Aktualisierung 15.07.2004, Queck]