
Dr. Markus Abel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Physik der Universität Potsdam, erhielt am 14. Mai den diesjährigen Karl-Scheel-Preis der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin. Mit der Auszeichnung, die mit 5000 Euro dotiert ist, würdigt die Gesellschaft Abels Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Nichtlinearen Dynamik. Markus Abel beschäftigt sich vor allem mit Fragestellungen aus der Turbulenzforschung. Er nutzt Methoden der Nichtlinearen Dynamik und der statistischen Physik, um die Ausbreitung turbulenter Strömungen und den Stofftransport darin zu verstehen und zu analysieren. Turbulente Systeme finden sich in vielen Bereichen, sei es bei der Sternentstehung oder in den Magnetfeldern von Erde und Sonne, bei der Klimaforschung oder der Ozeanographie, aber auch in der Fahrzeugtechnik oder bei der Bildung von Wellenmustern am Sandstrand. An diesem Beispiel konnte Abel zeigen, wie aus experimentellen Daten eine so genannte Ordnungsparametergleichung zur Beschreibung von Strukturbildungsprozessen bestimmt werden kann. Sandkastenspiele sind das keineswegs. Ähnliche Verfahren sollen nun eingesetzt werden, um Verbrennungsprozesse in Motoren zu optimieren oder Prozesse des Algenwachstums zu verstehen. Letzteres dient nicht nur einer Ertragssteigerung bei Aquakulturen, sondern trägt auch zu einem detaillierten Verständnis der Kohlendioxid-Aufnahme in den Ozeanen bei.
Daneben entwickelte Markus Abel eine neue Methode zur Beschreibung und Charakterisierung von turbulenten Feldern, die so genannte "exit-time" Statistik. In seinen aktuellen Forschungsprojekten werden die theoretischen Ansätze weiterentwickelt und angewandt. Gemeinsam mit Ingenieuren arbeitet Abel an der Optimierung von Strömungen im Bereich des Fahrzeugbaus. Allein im Flugzeugbau könnten mit optimaler Ausrichtung der Tragflächen schätzungsweise bis zu 20 Prozent Treibstoff eingespart werden.
Mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Plasmaforschung in Garching untersucht er Energie- und Stofftransport in so genannten Fusionsplasmen. Das sind extrem heiße Gase, in denen durch Kernverschmelzung riesige Energiemengen kontrolliert freigesetzt werden können. Sie sollen das Herzstück von Fusionsreaktoren bilden, die als zukünftige Energiequellen dienen könnten. Diese würden ohne Kohlendioxid-Erzeugung und mit geringerer Freisetzung von Radioaktivität als heutige Kernkraftwerke arbeiten.
Markus Abel, 1968 in St. Ingbert geboren, studierte Physik und Mathematik an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken und an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Seine Promotion, die er 1999 beendete, führte er im Rahmen eines Stipendiums der Max-Planck-Gesellschaft an der Universität Potsdam durch. Nach einem zweijährigen Aufenthalt an der Universität "La Sapienza" in Rom/Italien kehrte Abel nach Potsdam zurück, wo er nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Physik tätig ist, unter anderem als Projektleiter im Rahmen der Turbulenzinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft.