Juni - August 2004
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Frösi, Atze und die Staatsmacht

Die Botschaften von Kinderzeitschriften analysiert



Kindgerecht Verpackt: Sozialistische Agitation.
Foto: Fritze

"Der Zeitzeuge ist der natürliche Feind des Historikers." Mit diesem Bonmot traf ein Tagungsteilnehmer genau die Befindlichkeiten der Beteiligten an einer Kontroverse, die entstanden war, eben weil Zeitzeugen mit der im Abstand der Jahre "nachträglichen" Darstellung ihrer Arbeit auf die kritisch-distanzierte Betrachtung der Wissenschaftler getroffen waren. Gerade diese Begegnung beider aber war einer der reizvollen Aspekte der Tagung "Kinderzeitschriften in der DDR", die am 14. Mai 2004 am Campus Golm stattgefunden hat. Dort trafen sich Erziehungswissenschaftler sowie Literaturwissenschaftler und ehemals an der Produktion dieser Kinderzeitschriften Beteiligte. Und so waren Frösi, Atze, Mosaik, Trommel und ABC-Zeitung repräsentativ vertreten.
An einer analytischen Betrachtung dieser Zeitschriften kann sichtbar gemacht werden, auf welche Weise der Staat Vorgaben und Angebote erzeugte, um seine Erziehungsabsichten in subjektive und alltagspraktische Verarbeitungsmuster der kindlichen Leser umsetzen zu können. Insofern stellen die Kinderzeitschriften ein für Sozialisation und Erziehung in der DDR-Kindheit charakteristisches kulturelles Muster dar. Gerade in der Erziehungswissenschaft ist dieser Gegenstand bislang aber nur in kleinen Ausschnitten wahrgenommen.
Eine Analyse der Jahrgänge 1946 bis 1948 der Zeitschrift Schulpost konnte zeigen, wie mit der Aufforderung eines Volksbildungsministers an die Schüler, in der Schule so gut zu arbeiten wie die Werktätigen bei der Erfüllung des Planes, mit Erzählungen "wie Schule früher war", mit Berichten aus dem gegenwärtigen Schulleben, Leserbriefkasten und Schüler-Reportern, der Versuch unternommen wurde, Kinder für die Durchsetzung der Schulreform politisch zu mobilisieren. An verschiedenen Beispielen kann darüber hinaus die Absicht nachgewiesen werden, Märtyrerlegenden und Heldenverehrung oder die Ausprägung eines sozialistischen Heimatbegriffs zu erzeugen.

Dr. Klaus Pecher, Institut für Pädagogik
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[Letzte Aktualisierung 15.07.2004, Queck]