Keine andere Region der Erde ist so stark von Wasserknappheit gekennzeichnet wie der Nahe Osten: Nur noch einem Rinnsal gleicht der legendäre Jordan zwischen See Genezareth und Totem Meer. Seit Jahren wird im Einzugsgebiet des Jordans weit mehr Wasser verbraucht als langfristig zur Verfügung steht. In den kommenden Jahren wird sich diese dramatische Situation noch verschärfen, wenn der Klimawandel zu verringertem Angebot, das dramatische Bevölkerungswachstum aber zu erhöhter Nachfrage nach Wasser führt.

Angesichts dieser Lage besteht ein erheblicher Bedarf an der Entwicklung von nachhaltigen Konzepten für das Wassermanagement der Region. Vor diesem Hintergrund wurde im Mai 2001 das internationale Verbundprojekt "GLOWA Jordan River" ins Leben gerufen, das am Lehrstuhl für Vegetationsökologie der Universität Potsdam angesiedelt ist.
Das Projektleitungsteam mit Dr. Katja Tielbörger als Projektleiterin und den beiden Koordinatoren Dr. Heike Küchmeister sowie Holger Hoff, hat hierbei nicht nur administrative Tätigkeiten, wie die Verwaltung des Finanzvolumens von rund fünf Millionen Euro, davon 3,2 Millionen Euro an der Universität Potsdam, sondern in hohem Maße auch integrative Aufgaben zu bewältigen. Da sich das Projekt aus über 50 interdisziplinären Forschergruppen aus Israel, den palästinensischen Autonomiegebieten, Jordanien und Deutschland zusammensetzt, erfordert dies in der stark konfliktbeladenen Region ein hohes Maß an politischem Fingerspitzengefühl.
Das Projekt ist Teil des vom BMBF initiierten Programms "Globaler Wandel des Wasserkreislaufs" (GLOWA), das sich im Hinblick auf Prozesse des globalen Wandels mit der Entwicklung von Nachhaltigkeitskonzepten für das Management von Flusseinzugsgebieten auseinandersetzt.
GLOWA Jordan River ist das jüngste in einer Reihe von fünf weiteren GLOWA-Projekten, die an der Elbe und Donau sowie verschiedenen Einzugsgebieten in Afrika angesiedelt sind. Wie bei den anderen GLOWA-Projekten steht der interdisziplinäre und integrative Ansatz im Vordergrund, der so unterschiedliche Themen wie klimatische Veränderungen, sozioökonomische Randbedingungen, Wassersparmaßnahmen oder die Funktion von Ökosystemen zusammenführt.
Das Projekt setzt sich aus fünf Teilen zusammen: Der erste entwickelt Szenarien des Globalen Wandels. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die meisten anderen Gruppen, die sich mit dem Einfluss dieser Szenarien auf die Wasserressourcen befassen. Im zweiten Teil werden hydrologische Modelle entwickelt sowie Prognosen zur Entwicklung der Wasserqualität und Wassermenge unter verschiedenen Klima- und Landnutzungsszenarien erstellt. Im dritten Teil steht der Wasserbedarf natürlicher Ökosysteme im Mittelpunkt sowie die Frage, welcher Wertverlust mit den Veränderungen im Ökosystem einhergeht. Mit der Landwirtschaft als dem größten Wasserverbraucher der Region befasst sich der vierte Teil. Hier wird untersucht, inwieweit sich die Wasserproduktivität unter verschiedenen Szenarien, wie beispielsweise klimatischem Wandel oder der zunehmend wichtig gewordenen Wiedernutzung des Abwassers steigern lässt. Andere Inhalte sind die Evaluierung von traditionsreichen und teilweise aus Urzeiten stammenden Techniken, Regenwasser zu sammeln und für die in der Region typische Bewässerungslandwirtschaft zu verwenden. Ein fünfter Teil widmet sich der Integration und dem Dialog zwischen Wissenschaft und Anwendern der Region.
Erste Ergebnisse aus dem Gesamtprojekt sind im Rahmen der jüngsten Statuskonferenz, im April 2004 in Potsdam vorgestellt worden, bei der es erstmals gelang, alle Projektteilnehmer an einem Ort zu versammeln. So konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass in Zukunft extreme Klimaereignisse, wie etwa Dürrejahre, voraussichtlich häufiger auftreten werden. Dies kann zum einen zu erheblichen Ernteausfällen und zum anderen zum Aussterben von vielen Tier- und Pflanzenarten führen. Diese Erfolge auf wissenschaftlicher und politischer Ebene wurden honoriert, indem die Projektleitung dazu aufgefordert wurde, einen Antrag auf Fortführung des Projekts um weitere drei Jahre zu stellen.