Juni - August 2004
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Romanische Sprache - ein europäisches Projekt

Andalusischer Gastwissenschaftler an der Uni Potsdam

Als ich in Potsdam ankam, war ich als erstes angenehm überrascht vom Wetter: Es war besser als in Granada, das ich verlassen hatte, als die Sierra Nevada bis zum Fuß der Berge schneebedeckt war und als in der Stadt Regengüsse den Alltag bestimmten. Was will jemand aus Granada, ein Andalusier, in Potsdam? Es gibt eigentlich zwei Gründe dafür: Einen historischen und einen, der neuer ist, und mit dem zu tun hat, was ich "europäischer Raum der Hochschulbildung" nennen würde.


Antonio Martínez González
Foto: privat

Doch zunächst zum historischen Grund. Die Romanistik war eine Schöpfung deutscher Sprachwissenschaftler vor etwa 150 Jahren. Ihre Gründungsväter bemühten sich, die Gesetze zu beweisen, die die historische Grammatik aufgestellt hatte. Sie benötigten dazu Sprachen, deren Texte in ausreichendem Umfang überliefert sind. Dazu eignete sich nicht das Deutsche, dessen Texte keinen ausreichend geschlossenen historischen Weg repräsentieren, und auch nicht das Indoeuropäische, eine Sprache mit wenig Dokumentation, die viele Verzweigungen aufweist. Mit dem Lateinischen fand sich eine Sprache, die als solche und in ihren romanischen Ableitungen über zwei Jahrtausende Textzeugnisse aufweist. Auf diese Weise entstand in den deutschen Universitäten die Romanistik und ihre verschiedenen Zweige wie die französische, spanische oder italienische Philologie.
Fast 150 Jahre später, genau 1995 - und dies ist der Grund aus der neueren Geschichte - hat die Europäische Union die Schaffung eines interuniversitären Kooperationsprogramms gefördert, in dem sich unter der Koordination der Universität Granada, die mir die Leitung übertragen hat, Universitäten aus Deutschland, Dänemark, Frankreich, Irland, Portugal, Großbritannien und Spanien zusammenfanden. Sie waren daran interessiert, ihren Studierenden ein Studium an anderen Hochschulen Europas und ihren Professoren den Austausch von Forschungsergebnissen und Erfahrungen zu ermöglichen.


Berühmt wie Sanssouci: Die Alhambra in Grenada.
Foto: Beckmann

Unter den Universitäten, die in dem Netzwerk zusammen arbeiteten, ist auch die Universität Potsdam, deren Institut für Romanistik anerkannte Studien zur Historiographie der spanischen Sprachwissenschaft entwickelt hat. Da die Universität Granada zwei Fächer in ihrem Studienprogramm hat, die damit verbunden sind (Geschichte der spanischen Grammatik und spanische Sprachwissenschaft im Goldenen Zeitalter), entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Universitäten in Forschung und Lehre, die 2002 zur Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages geführt hat.
Während zu Beginn der Beziehungen im Rahmen des Netzwerks die gegenseitigen Besuche von Professoren sich auf einzelne Vorlesungen beschränkten, gab der Kooperationsvertrag die Möglichkeit zu einer engeren Zusammenarbeit. Dank der finanziellen Unterstützung der Universität Granada und des spanischen Hochschulministeriums kann ich im Sommersemester 2004 am Institut für Romanistik der Universität Potsdam an laufenden Forschungsarbeiten, darunter einem DFG geförderten Projekt, mitarbeiten.
Während meines Aufenthalts, der sich in die Aktivitäten der Forschungsgruppe für angewandte Linguistik der Universität Granada, deren Gründungsmitglied ich bin, einreiht, möchte ich das gemeinsame Forschungsfeld beider Universitäten weiter entwickeln. Insbesondere werde ich einen Teil des anspruchsvollen Forschungsprojekts "Spanische Sprachwissenschaft des 18. und 19. Jahrhunderts" abschließen. Ziel ist die gemeinsame Redaktion von Publikationen zu diesem Forschungsfeld. Ich möchte es nicht versäumen, dem Institut für Romanistik für den herzlichen Empfang und die Bemühungen seiner Mitglieder um die Unterstützung meines Aufenthalts zu danken.

Prof. Dr. Antonio Martínez González, Universität Granada
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Glaesmer
[Letzte Aktualisierung 15.07.2004, Queck]