
Biodiversität, das ist die Vielfalt der Arten - aber nicht nur. Genauso gehören dazu die genetische Vielfalt und die Vielfalt der Artengemeinschaften, also beispielsweise das Nebeneinander von Wald, Wiesen und Feldern. Und diese drei hierarchischen Ebenen der Vielfalt sind eng miteinander verzahnt. Eingriffe auf einer Ebene ziehen deshalb immer auch Änderungen auf den anderen Ebenen nach sich. Das war die Botschaft, die Prof. Dr. Markus Fischer vom Institut für Biochemie und Biologie am 24. Juni in seiner Antrittsvorlesung "Pflanzenbiodiversitätsforschung in der heterogenen Kulturlandschaft" seinen Zuhörern übermitteln wollte.
Kulturlandschaft ist nicht nur durch den Menschen geformt, sonder auch ständig in besonderem Maß durch sein Eingreifen Veränderungen unterworfen. Wie der Mensch das komplizierte Zusammenspiel von Genen, Arten und Artengemeinschaften beeinflusst, belegte er mit einer Vielzahl von Beispielen aus der Forschung.
Werden etwa durch das Anlegen von Feldern bestehende Lebensräume verkleinert, verringert sich auf dem verbleibenden Areal die Anzahl der Varianten, die von jedem Gen existieren, weil es insgesamt weniger Pflanzen einer Art gibt. Damit gibt es auch weniger Varianten von Genen, die Pflanzen resistent gegen Parasiten wie beispielsweise den Mehltau sind. Das kann letztlich zum Aussterben einer Pflanzenart in dem Gebiet führen. Und nicht nur das, denn jede Art steht in vielfältigen Beziehungen zu anderen Tier- und Pflanzenarten in ihrem Lebensraum. Wenn beispielsweise der Kreuzenzian in einem Gebiet ausstirbt, dann verschwindet mit ihm auch der Enzianbläuling. Der Schmetterling ist für seine Vermehrung auf die Pflanze angewiesen. Durch den Eingriff in die Landschaft verändert sich also zunächst die genetische Vielfalt, den Lebewesen geht es dadurch schlechter und schließlich verringert sich auch die Artenvielfalt.

Den Einfluss der Artenvielfalt auf ein Ökosystem haben Wissenschaftler in acht europäischen Ländern in einem über vier Jahre angelegten Experiment untersucht. Auf Versuchsfeldern ermittelten sie das Wachstum von Kulturen mit zwei, vier, acht oder 32 verschiedenen Pflanzenarten. Wie sich herausstellte, erzeugten die Felder die meiste Biomasse, auf denen die größte Artenvielfalt herrschte. Offenbar profitiert jede der Pflanzenarten vom Vorhandensein möglichst vieler weiterer. Die Mischung verhindert nicht nur, dass sich auf bestimmte Pflanzen spezialisierte Parasiten und Krankheiten ausbreiten können. Es werden auch verschiedenste Arten von Insekten als Bestäuber angelockt, was wiederum allen zugute kommt.
Vielfalt macht Ökosysteme aber nicht nur stabiler und produktiver. Sie verhindert auch Bodenerosion und Bodenauszehrung, die insbesondere bei Monokulturen oft zum Problem werden. Biodiversität bringt also ökologischen und ökonomischen Nutzen. Doch die Frage, warum wir biologische Vielfalt brauchen, beantwortete Markus Fischer nicht nur mit höherem ökologischen und ökonomischen Wert. Er sieht in deren Erhalt auch ein ethisches Bedürfnis beziehungsweise eine Verpflichtung. Und nicht zuletzt trägt für ihn Vielfalt auch einen wesentlichen Teil zur Ästhetik in der Natur bei.
Biodiversität ist also in vielerlei Hinsicht etwas Wertvolles, Schützenswertes. Die Verantwortung dafür trägt der Mensch, der er nur durch behutsames und umsichtiges Eingreifen gerecht werden kann. Biodiversitätsforschung kann dazu ein wichtigen theoretischen Beitrag leisten.