Juli 2006
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Klassische Kooperation

Gastwisssenschaftler am Uni-Institut für Germanistik

Fast alle bedeutenden Leistungen in Kultur und Wissenschaft erscheinen ohne einen Faktor so gut wie undenkbar: die kreative Zusammenarbeit und kongeniale Kooperation zwischen individuellen Geistern.

Folglich sind bedeutende Vorhaben der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung der wissenschaftlichen Aufarbeitung solch kollaborativer Symbiosen und überindividueller Kulturleistungen gewidmet. Dazu zählt zum Beispiel die Ausgabe der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels oder die (Neu-)Bearbeitung des einzigartigen Deutschen Wörterbuchs der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die unter anderem an der Berliner Wissenschaftsakademie erarbeitet werden.
Im Jahre 1700 von Universaldenker Gottfried Wilhelm Leibniz begründet, erlangte die spätere Preußische Akademie der Wissenschaften Weltruhm und konstituierte sich nach der Wende neu als Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW). Die Berliner Wissenschaftsakademie ist die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit geisteswissenschaftlicher Ausrichtung in der Region Berlin und Brandenburg. Ihre Bedeutung bemisst sich allerdings nicht allein an der wissenschaftlichen Beschäftigung mit bedeutenden Kooperativleistungen, die über die Kapazitäten eines einzelnen oder die Dauer einer Generation hinausgehen. Vielmehr fließen die Früchte dieser Forschungen ganz unmittelbar in die fachwissenschaftliche Lehre an der Universität Potsdam ein.
Eine "klassische" Kooperation schlechthin wurde so zum Thema einer Lehrveranstaltung am Institut für Germanistik: die literarische Zusammenarbeit zwischen Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller von 1794 bis 1805. Neben der kommunikativen Kongenialität bedeutender bürgerlicher Intellektueller wie Wieland oder Herder mit hohen Adeligen wie Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar bildete die literarische Kooperation zwischen Goethe und Schiller die wichtigste produktive und rezeptive Diskursform in der Entstehung der Weimarer Klassik. So konnte Dr. Robert Charlier, Literaturwissenschaftler an der BBAW, unmittelbar aus der Forschungsarbeit am bedeutendsten deutschen Klassikerwortschatz schöpfen (www.goethe-wortschatz.de), um die Studierenden im Seminar mit forschungsrelevanten Fragestellungen aus der Praxis der lexikographischen Arbeit vertraut zu machen. Die Bedeutung kollaborativer Autorschaft im Zeitalter des Internets und der neuen Medien erwies sich im Rahmen der Lehrveranstaltung anhand eines kleinen, gemeinschaftlich von allen Studierenden erarbeiteten Glossars zur Literaturwissenschaft.

Red.
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[Letzte Aktualisierung 15.07.2006, Schroeter]