Sechs kroatische Studierende weilten im Mai im Rahmen des Projektes TEMPUS-Leprim/Langues an der Professur für Fremdsprachendidaktik der Uni. Bei dem von Kroatien in Zusammenarbeit mit verschiedenen Bildungs-Institutionen beantragten Projekt handelt es sich um ein Vorhaben, in dessen Mittelpunkt die Fremdsprachenvermittlung in der Grundschule steht. So erhielten die jungen Gäste während ihres Besuches einen Einblick in die Ausbildung zum Fremdsprachenlehrer in der Primarstufe. Insbesondere bei den Unterrichtshospitationen entdeckten sie so manches, was in ihrem Heimatland noch nicht zum Standard gehört. Über Erkenntnisse und Eindrücke sprach Petra Görlich mit Mirjana Grbavec und Nenad Karlovcec.

Sie wollen später Deutsch in der Grundschule unterrichten. Werden Lehrkräfte gebraucht?
Grbavec: Ja. Das Fach wird erst seit zwei Jahren in den Grundschulen unterrichtet. Daher der Mangel
Was war für sie hier in Potsdam besonders wertvoll?
Grbavec: Wir haben natürlich Vorlesungen besucht, aber wir durften auch Praxiserfahrungen sammeln. Dazu hospitierte unsere Gruppe in der Golmer Grundschule "Ludwig Renn". Es war sogar möglich, die Lehrer etwas zu unterstützen und mit den Kindern zu arbeiten. Dabei haben wir wichtige Erfahrungen gewonnen und Unterschiede zwischen deutschen und kroatischen Schulen festgestellt.
Welche zum Beispiel?
Karlovcec: Die Sozialformen. Es gibt keinen Frontalunterricht, wie er bei uns fast immer üblich ist. Die Kinder hier sitzen im Kreis. Es wird in Gruppen gearbeitet. Ich habe den Eindruck, dass die Lehrer so individueller auf die Schüler eingehen können. Wir haben übrigens annähernd die gleichen Klassengrößen, aber viel kleinere und in der Regel nicht so moderne Räume.
Sie lernten hier in Potsdam auch den Studienalltag kennen. Sind Ihnen Unterschiede aufgefallen?
Karlovcec: Ja. Bei uns gleicht das Ganze mehr einem Schulalltag. Der Studientag ist streng festgelegt. Die Vorlesungen sind Pflicht, und Wahlfächer gibt es kaum. So haben unsere Kommilitonen zu Hause auch keine Zeit, nebenher zu arbeiten und Geld zu verdienen. Hier bei Ihnen geht es irgendwie relaxter zu. Auch der Campus in Golm hat mir gut gefallen. Dort scheint noch viel Neues zu entstehen.
Welchen Kontakt hatten Sie zu Lehrenden und Studierenden?
Grbavec: Wir hatten mit den Mitarbeiterinnen der Professur für Fremdsprachendidaktik gute Gespräche in einer angenehmen Atmosphäre. Was den Kontakt zu den Studierenden angeht, war es etwas schwieriger. Die Vorlesungen sind zu überfüllt, um Kommilitonen wirklich kennen zu lernen. Wir haben auch beobachtet, dass sich die Deutschen untereinander wenig kennen. Sie sitzen zwar in den gleichen Lehrveranstaltungen, gehen dann aber wieder auseinander. Bei uns ist das anders.
Konnten Sie sich auch konkret in den Studienalltag einbringen, etwas selbst ausprobieren?
Karlovcec: Wir haben ein Seminar "Einführung in die kroatische Sprache" durchgeführt. Die erste Lektion Kroatisch sozusagen. Das war locker und unterhaltsam. Es hat, denke ich, allen Spaß gemacht.
Sind Ihre Erwartungen erfüllt worden?
Karlovcec: Vor der Reise nach Deutschland wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich wollte das deutsche Schulsystem kennen lernen und auch mehr über den Studienalltag erfahren. Beides ist erfüllt worden. Noch schöner wäre es gewesen, wenn wir in der Grundschule eine richtige Stunde hätten halten können.
Wie geht es bei Ihnen zu Hause nun weiter?
Grbavec: Nach den Prüfungen endet jetzt unser viertes Studienjahr, in dem wir einmal in der Woche einen ganzen Tag lang in der Schule waren. Im nächsten Jahr schreiben wir die Diplomarbeit. Danach folgt eine Probezeit, ähnlich Ihrer Referendarzeit. Am Ende muss das Staatsexamen bestanden werden. Erst dann ist man Lehrer.
Vielen Dank für das Gespräch.