Der Merapi ist einer der aktivsten Vulkane auf der Welt. Deswegen ist er für Geowissenschaftler prädestiniert, nach geeigneten Parametern zu suchen, die die Vorhersage eines Ausbruchs ermöglichen. Gudrun Richter vom Institut für Geowissenschaften erforscht im Rahmen ihrer Doktorarbeit, welche Vorhersagekraft speziell Temperaturänderungen von Gasen aus Erdspalten in der Nähe des Vulkanschlotes haben.

Der Merapi liegt auf der indonesischen Insel Java, unweit der Stadt Yogyakarta. Umgeben von
üppigem Dschungel und Reisfeldern überragt der Vulkan malerisch das Grün. Meist steigt eine
weiße Gaswolke aus seiner Mitte. Doch die Schönheit trügt. Tief im Inneren des fast 3000
Meter hohen Merapi brodelt Magma und bedroht das Leben tausender Menschen, die an seinen
Hängen leben. Nicht ohne Grund bedeutet sein indonesicher Name Gunung Merapi "Feuerberg".
Seit Menschengedenken bricht der Vulkan immer wieder aus. Wegen seiner ständigen Aktivität
steht der Merapi schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts unter durchgängiger Beobachtung. Der
letzte große Ausbruch war im Jahre 1961. Danach gab es viele weitere kleinere Eruptionen, und
auch derzeit rumort es in dem Vulkan wieder bedenklich. Deshalb haben die Behörden
vorübergehend einen Teil der Bevölkerung evakuiert.
Für die Forschung ist der Merapi eigentlich ein Glücksfall, da sich wegen der Daueraktivität der Zusammenhang zwischen Messdaten und einem Ausbruch optimal untersuchen lässt. Einen Hinweis darauf, was im Inneren des Berges vorgeht und ob in näherer Zukunft mit einem größeren Ausbruch zu rechnen ist, könnte die Temperatur der Gase an so genannten Fumarolen geben. Fumarolen sind Erdspalten, die an der Oberfläche als kleine Löcher im Boden sichtbar werden. Aus diesen steigt Gas vom Magma an die Oberfläche. Wenn Fumarolen in einigen Regionen des Vulkans gehäuft auftreten, spricht man auch von Fumarolenfeldern. Gudrun Richter vom Institut für Geowissenschaften beschäftigte sich schon in ihrer Diplomarbeit mit ihnen. "Ziel meiner Dissertation, ist es nun, eine Methode zu entwickeln, mit der die Temperaturdaten von den Fumarolen so aufbereitet werden, dass sie als eines von mehreren Kriterien für die Bewertung der Ausbruchswahrscheinlichkeit herangezogen werden können", erläutert die Doktorandin.
Das Gas von den Fumarolen besteht zum größten Teil aus Wasserdampf und Kohlendioxid. Dazu kommen in geringeren Mengen gasförmige Salzsäure und Schwefeldioxid sowie Schwefelwasserstoff, der für einen typischen Geruch nach faulen Eiern sorgt. Die Gase entweichen dem Magma mit rund 1000 Grad Celsius. Je dichter das Magma an die Erdoberfläche kommt, desto höher steigt auch die an der Oberfläche gemessene Temperatur des Gases, die bei circa 400 Grad Celsius liegt. "Die Temperaturschwankungen sagen also etwas über die Bewegung des Magmas aus und sind somit ein Indiz für einen bevorstehenden Ausbruch", erläutert Gudrun Richter. Vor dem Ausbruch im Februar 2001 konnte sie mehrfach Temperaturanstiege von bis zu acht Grad innerhalb von 20 Minuten in den Daten finden. Im Herbst 2004 stieg die Fumarolentemperatur an einer Messstation über mehrere Wochen deutlich an, während in den vier Jahren zuvor kein so deutlicher Anstieg zu verzeichnen war. "Damit kündigte sich offenbar die gegenwärtig verstärkte Aktivität an", resümiert die Vulkanforscherin.
Probleme bei der Bewertung der Messergebnisse bereiten derzeit noch die Niederschläge. Das Regenwasser läuft in die Fumarolen und kann dadurch die Messwerte verfälschen. Hier muss sie noch eine Methode finden, den Einfluss des Wetters aus den Daten "herauszurechnen". Aber bald schon, ist sich Gudrun Richter sicher, wird die Fumarolentemperatur ein wichtiges Puzzelteil sein, dass sich mit Daten zur seismischen Aktivität und weiteren Parametern zu einem Gesamtbild zusammenfügt, welches die aktuelle Ausbruchsgefahr des Vulkans wiedergibt. Im September wird sie ihre Forschungsergebnisse auf einem Merapi-Workshop in Yogyakarta präsentieren.