
Unter Federführung der Universität Potsdam werden erstmals in Deutschland drei großskalige, langfristige Forschungsplattformen zur biologischen Vielfalt, so genannte Biodiversitätsexploratorien aufgebaut. Ziel ist es, die Beziehungen zwischen den Veränderungen in der biologischen Vielfalt und der Intensität der Landnutzung sowie die Folgen dieser Veränderungen auf Ökosystemprozesse zu untersuchen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird das Projekt mit rund acht Millionen Euro, von denen mehr als die Hälfte an die Universität Potsdam geht, für eine Laufzeit von zunächst drei Jahren fördern.

In letzter Zeit mehren sich die Hinweise aus der ökologischen Forschung, dass die Bewahrung
der Biodiversität, also der Vielfalt von Lebensgemeinschaften, Arten und Genen, nicht nur
aus ethischen, ästhetischen und kulturellen Gründen wichtig ist. Auch ökonomische Gründe
sprechen dafür, denn die derzeitige Abnahme der Vielfalt wirkt sich auch negativ auf viele
Ökosystemprozesse aus. Darunter sind viele für den Menschen wichtige und wertvolle
"Dienstleistungen" der Natur, von der Wasserreinhaltung bis hin zum Erhalt der Fruchtbarkeit
der Böden.
Hauptursache für die Abnahme der Biodiversität sind Änderungen der Art und Intensität
der Landnutzung. Bisher wurden entsprechende Zusammenhänge meist für verschiedene Organismen
isoliert betrachtet, oft ohne deren Folgen für Ökosystemprozesse zu ergründen, und überdies
im kleinen räumlichen und zeitlichen Maßstab von Einzeluntersuchungen. Hier setzt das neue
Großprojekt unter Leitung und Koordination von Prof. Dr. Markus Fischer, Professor für
Spezielle Botanik und Biozönoseforschung im Institut für Biochemie und Biologie und Direktor
des Botanischen Gartens der Universität Potsdam, an. Weitere Initiatoren kommen aus Jena,
Würzburg und Ulm.
Die Biodiversitätsexploratorien werden im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin
(Brandenburg), im und um den Nationalpark Hainich (Thüringen) und im Biosphärengebiet
Schwäbische Alb (Baden-Württemberg) eingerichtet. Sie sollen die Forschungsaktivitäten
unterschiedlicher ökologischer Fachrichtungen bündeln und Erkenntnisse aus Modellexperimenten
auf dem Landschaftsmaßstab überprüfen und erweitern. Die Exploratorien in Deutschland stehen
im inhaltlichen Zusammenhang mit aktuellen Projektentwicklungen in den USA und in anderen
europäischen Ländern, heben sich jedoch durch ihre starke experimentelle Komponente
von diesen ab. Jedes Exploratorium wird aus 1000 Untersuchungsflächen auf einer
Gesamtfläche von 100 Quadratkilometern bestehen. Von diesen 1000 Flächen werden pro
Exploratorium je 100 Flächen für eine intensivere Forschung ausgewählt und durch
Experimentierflächen ergänzt. Im Wald haben diese Flächen eine Größe von mindestens
30 mal 30 Metern, im Grünland sind sie mindestens vier mal vier Meter groß. Die Flächen
werden mit verschiedenen Messinstrumenten ausgestattet. Sie werden so über Grünland und
Wald verteilt sein, dass sie für beide Lebensräume ein möglichst vielfältiges Spektrum der
Landnutzung von halbnatürlichen bis hin zu intensiv genutzten Flächen umfassen.