Juli 2006
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Klotzen statt kleckern: Großprojekt zur biologischen Vielfalt

Acht Millionen Euro für Forschungsprojekt unter Federführung der Uni Potsdam

Unter Federführung der Universität Potsdam werden erstmals in Deutschland drei großskalige, langfristige Forschungsplattformen zur biologischen Vielfalt, so genannte Biodiversitätsexploratorien aufgebaut. Ziel ist es, die Beziehungen zwischen den Veränderungen in der biologischen Vielfalt und der Intensität der Landnutzung sowie die Folgen dieser Veränderungen auf Ökosystemprozesse zu untersuchen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird das Projekt mit rund acht Millionen Euro, von denen mehr als die Hälfte an die Universität Potsdam geht, für eine Laufzeit von zunächst drei Jahren fördern.


Datenaufzeichnung rund um die Uhr:
Messstation im Laubwald.
Foto: Dr. Jens Schumacher, MPI für Biochemie

In letzter Zeit mehren sich die Hinweise aus der ökologischen Forschung, dass die Bewahrung der Biodiversität, also der Vielfalt von Lebensgemeinschaften, Arten und Genen, nicht nur aus ethischen, ästhetischen und kulturellen Gründen wichtig ist. Auch ökonomische Gründe sprechen dafür, denn die derzeitige Abnahme der Vielfalt wirkt sich auch negativ auf viele Ökosystemprozesse aus. Darunter sind viele für den Menschen wichtige und wertvolle "Dienstleistungen" der Natur, von der Wasserreinhaltung bis hin zum Erhalt der Fruchtbarkeit der Böden.
Hauptursache für die Abnahme der Biodiversität sind Änderungen der Art und Intensität der Landnutzung. Bisher wurden entsprechende Zusammenhänge meist für verschiedene Organismen isoliert betrachtet, oft ohne deren Folgen für Ökosystemprozesse zu ergründen, und überdies im kleinen räumlichen und zeitlichen Maßstab von Einzeluntersuchungen. Hier setzt das neue Großprojekt unter Leitung und Koordination von Prof. Dr. Markus Fischer, Professor für Spezielle Botanik und Biozönoseforschung im Institut für Biochemie und Biologie und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Potsdam, an. Weitere Initiatoren kommen aus Jena, Würzburg und Ulm.
Die Biodiversitätsexploratorien werden im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg), im und um den Nationalpark Hainich (Thüringen) und im Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Baden-Württemberg) eingerichtet. Sie sollen die Forschungsaktivitäten unterschiedlicher ökologischer Fachrichtungen bündeln und Erkenntnisse aus Modellexperimenten auf dem Landschaftsmaßstab überprüfen und erweitern. Die Exploratorien in Deutschland stehen im inhaltlichen Zusammenhang mit aktuellen Projektentwicklungen in den USA und in anderen europäischen Ländern, heben sich jedoch durch ihre starke experimentelle Komponente von diesen ab. Jedes Exploratorium wird aus 1000 Untersuchungsflächen auf einer Gesamtfläche von 100 Quadratkilometern bestehen. Von diesen 1000 Flächen werden pro Exploratorium je 100 Flächen für eine intensivere Forschung ausgewählt und durch Experimentierflächen ergänzt. Im Wald haben diese Flächen eine Größe von mindestens 30 mal 30 Metern, im Grünland sind sie mindestens vier mal vier Meter groß. Die Flächen werden mit verschiedenen Messinstrumenten ausgestattet. Sie werden so über Grünland und Wald verteilt sein, dass sie für beide Lebensräume ein möglichst vielfältiges Spektrum der Landnutzung von halbnatürlichen bis hin zu intensiv genutzten Flächen umfassen.

Red.
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[Letzte Aktualisierung 15.07.2006, Schroeter]