Einfach
praktisch oder die totale Kontrolle?
An der Uni Potsdam soll eine Chipkarte eingeführt werden
Jeder von uns besitzt wohl einige Chipkarten, sei es für den Arztbesuch, eine oder
zwei Geldkarten, den Führerschein und viele mehr. Wie wäre es mit einer Karte mit
Funktionen für Studierende: Ausweis, Semesterticket, Benutzerkarte für die
Universitätsbibliothek, Speicherung von Prüfungsleistungen, Rückmeldung, Geldkarte,
Zugangskontrolle beispielsweise zur Zentralen Einrichtung für Informationsverarbeitung
und Kommunikation (ZEIK)?

Foto: Fritze |
Seit einiger Zeit gibt es an der Universität Potsdam ein bei den Studierenden
zum Teil umstrittenes Projekt namens Chipkarte. Gerade in letzter Zeit sind immer wieder
Meinungen dazu laut geworden und sorgten für Verwirrungen unter den Studierenden. Anfang
Dezember rief der AStA zu einer Vollversammlung und Urabstimmung zur Einführung einer
Chipkarte an der Universität Potsdam auf. Einige Studierende haben zu diesem Zeitpunkt
sicherlich zum ersten Mal von einer solchen Karte gehört, es gibt aber schon seit einigen
Jahren Planungen und Konzepte. Die Chipkarte scheint auf den ersten Blick sehr praktisch
zu sein und Vorteile für die Studierenden zu bieten. Man bräuchte nicht mehr so viele
Karten mit sich rumzuschleppen und die Öffnungszeiten der ZEIK könnten vielleicht auch
verlängert werden. Auch das Rückmelden an den Terminals und der bargeldlose Umgang auf
dem Campus scheinen bequem zu sein.
Bei näherer Betrachtung stellen sich jedoch Fragen wie zum Beispiel: Was passiert,
wenn man die Chipkarte verliert? Welche Möglichkeiten bleiben offen, wenn ein Terminal
ausfällt? Wird man zum gläsernen Studierenden, da Daten abgefragt werden können? Wie
sieht die Finanzierung eines solchen Projektes aus? Der AStA befürchtet, dass zum
Beispiel die Kosten auf die Studierenden abgewälzt werden und die Chipkarte eventuell zum
Kontrollinstrument wird. Laut Olaf Löhmer vom Studierendenparlament (Stupa) sind
Einzelheiten jedoch noch nicht geklärt. Der AStA forderte aber vorsorglich das
Mitspracherecht in Form eines Vertrags zwischen dem AStA und der Universität Potsdam.
Diesem Vertrag stimmten etwa 77 Prozent der Studierenden bei der Urabstimmung im Dezember
vergangenen Jahres zu.
Es stellt sich jedoch die Frage, was die Studierenden, die ja eigentlich betroffen
sind, zu diesem Projekt sagen. Da ist auf der einen Seite große Skepsis gegenüber den
Kosten und die Sorge, man könnte diese wichtige Karte mit all den Informationen
verlieren. Andererseits besteht Begeisterung für dieses moderne Chipkarten-Projekt, was
ja auch Verbesserungen bringen würde. Wären mehr Informationen für die Studierenden
vorhanden, etwa in Form von Infoblättern an den einzelnen Standorten der Universität,
wäre es zum Beispiel für alle einfacher, sich eine eigene Meinung zu bilden. So jedoch
sind die meisten auf die wenigen, nicht gerade positiven und meist kritischen Ideen und
Gedanken in Bezug auf die Chipkarte angewiesen. Man sollte die Ohren offen halten, denn
gesunde Kritik ist angebracht, aber gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, Neuem
gegenüber aufgeschlossen zu sein.
Saskia Grott,
Studentin der Fachrichtungen Amerikanistik und Anglistik,
Medienwissenschaften und Anthropogeographie
| Das Chipkartenprojekt Im November 2002 hat das Rektorat einer
Ausschreibung zugestimmt, die die Einführung einer Chipkarte für die Studierenden
vorsieht. Die Grundlage für die Ausschreibung bildet ein von der Firma ArDiCon GmbH im
Auftrag der Kanzlerin erstelltes Pflichtenheft, welches die Funktionen der Chipkarte
definiert. Zu deren Aufgaben gehören das Semesterticket, der Studierendenausweis, der
Bibliotheksausweis, möglicherweise die Kopierkarte und eventuell eine
Geldbörsenfunktion. Als Sicherheitsmerkmal soll eine persönliche Identifikationsnummer
zur Legitimation des Inhabers für die Benutzung von Diensten dienen. Vorgesehen ist
weiterhin, dass mit dem System die Prüfungsverwaltung vorgenommen werden kann.
Red. |
Stellungnahme des AStAs
Die Stellungnahme des AStAs zum Chipkartenprojekt ist in der AStA-zeitung vom Dezember
2002 nachzulesen. Sie ist erhältlich im AstA-Büro am Uni-Komplex Neues Palais, Haus 6,
Tel. 0331/977-1225. Nachzulesen ist die Stellungnahme auch unter: www.asta.uni-potsdam.de/veroff/presse.php3.
Titelthema
| Uni Aktuell | Forschung | Studiosi | Personalia | Vermischtes
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[Letzte Aktualisierung 27.01.2003, Knappe] |