01/2011
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Quantenforscher und „Brückenbauer“

Markus Aspelmeyer aus Wien zu Gast in Potsdam

Der Experimentalphysiker Markus Aspelmeyer ist durch Forschungsprojekte eng mit Fachkollegen der Universität Potsdam verbunden. Der Professor für Quantum Information on the Nanoscale an der Wiener Universität erhielt kürzlich den Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt Stiftung. Nominiert dafür hatte ihn der Potsdamer Physiker Prof. Dr. Jens Eisert. Jetzt arbeiten beide auch in Potsdam zusammen.

Von Dr. Barbara Eckardt
Aspelmeyer
Prof. Dr. Markus Aspelmeyer zu Gast
in Potsdam. - Foto: Fritze

Der Bessel-Preis geht an exzellente Wissenschaftler aus dem Ausland, die in ihrem Fach bereits internationale Anerkennung erfahren haben. Er beinhaltet die Einladung, ein selbst gewähltes Forschungsprojekt in Deutschland gemeinsam mit Forscherkollegen zu bearbeiten. Markus Aspelmeyer wurde für seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen Quantenoptik und Quanteninformation, insbesondere für seine Pionierarbeiten zur Quanten-Opto- Mechanik geehrt. „Wissenschaftlich eröffnen sich mir mit dem Preis neue Möglichkeiten zur internationalen Zusammenarbeit“, sagt Markus Aspelmeyer. Deshalb ist er zeitweise in Potsdam und Berlin tätig, um mit „zwei hervorragenden Forschungsgruppen rund um Jens Eisert von der Uni Potsdam und Achim Peters von der Berliner Humboldt-Universität an gemeinsamen Projekten zu arbeiten“.
Der 1974 geborene Aspelmeyer studierte in München zunächst Physik, später auch Philosophie, die nach wie vor seine Leidenschaft ist. „In dem heute verschulten Bachelor- und Masterphysikstudium hätte ich die Verbindung von Physik und Philosophie nie herstellen können“, ist er sich sicher. Nach der Promotion auf dem Gebiet der Festkörperphysik im Jahre 2002 erhielt er die Möglichkeit, völlig neu in der Forschung anzufangen. „Es war faszinierend und eine tolle Herausforderung, in die Quantenoptik und die Grundlagen der Quantenphysik einsteigen zu können“. Damit ist er ein Risiko eingegangen, aber letztlich stellte sich diese Entscheidung für ihn als „absoluten Glücksfall“ heraus. Seit 2009 ist der Physiker an der Universität Wien tätig. Dass er mit seinen Forschungen auf den Gebieten der Quantenphysik, Quantenoptik und Quanteninformation erfolgreich ist, belegen nicht zuletzt verschiedene Preise. So erhielt er unter anderem den Ignaz-L.-Lieben-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, den Fresnel Preis der Europäischen Physikalischen Gesellschaft und den ERC Grant des Europäischen Forschungsrates.
Was interessiert mich am meisten? Worüber weiß ich am wenigsten? Diese Fragen stellte sich Markus Aspelmeyer bevor er sich der Quantenphysik zuwandte. „Mit der Quantenphysik existiert eine Theorie, die sehr gut funktioniert, über deren konzeptionelle Grundlagen wir aber bisher sehr wenig erforscht haben. Wir wissen nicht, was uns die Quantenphysik über die Welt sagt.“ Das fasziniert ihn bis heute. Der Wissenschaftler ist davon überzeugt, dass Physik mehr ist als das erfolgreiche Anwenden einer existierenden Theorie. Deshalb stellt die Verbindung zur Philosophie für ihn ein wichtiges Denkmuster dar. Es gelte die physikalische Theorie zu hinterfragen, zu erforschen, ,,auf welchem Weltbild sie steht“. Der Wissenschaftler wünscht sich mehr „Brückenbauer“: Sehr viel mehr Physiker müssten sich mit philosophischen Fragen beschäftigen und diese stärker in die Ausbildung einfließen lassen.
Bisher habe die Quantenphysik gezeigt, dass es experimentell beobachtete Phänomene gibt, die im krassen Widerspruch zu unserem naiven Weltbild stehen. Dazu zähle das bekannte Doppelspaltexperiment, bei dem Teilchen die Möglichkeit gegeben wird, durch zwei Spalte zu gehen. Es gebe Experimente, deren Ausgang im Widerspruch zu der Annahme stünde, dass die Teilchen entweder den einen oder den anderen Spalt passieren.
Aspelmeyer und sein Team beschäftigen sich mit der quantenoptischen Kontrolle mikro- und nanomechanischer Systeme. Die Quantenoptomechanik hat sich in den letzten fünf Jahren zu einem großen Forschungsfeld entwickelt. Neben dem Grundlagenaspekt, gibt es eine Palette von möglichen Anwendungen, zum Beispiel in der Messtechnik, in der angewandten Quantenphysik und der Quanteninformation. „Die mechanischen Systeme sind hervorragend geeignet, um Quanteninformation zu speichern“, erläutert Aspelmeyer. Letztlich gehe es um die Frage, inwieweit die Quantenphysik verwendet werden könne, um Informationen effizienter zu verarbeiten. Und das ist das Feld, auf dem er mit Jens Eisert, „einer weltweit anerkannten Kapazität auf dem Gebiet der Quanteninformation“, zusammenarbeitet.

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[Letzte Aktualisierung 03.02.2011, Voigt]