Keine politische Institution in der Bundesrepublik spiegelte in den Jahren der staatlichen Teilung das facettenreiche, von besonderer menschlicher Tragik, von Irrationalität und Widersprüchlichkeiten geprägte innerdeutsche Verhältnis so wider wie das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (BMG). Dr. Stefan Creuzberger, Mitarbeiter an der Professur für Neuere Geschichte am Historischen Institut der Universität Potsdam, widmet ihm ein ganzes Buch. Unter dem Titel "Kampf für die Einheit. Das gesamtdeutsche Ministerium und die politische Kultur des Kalten Krieges 1949-1969" zeichnet er anhand der Geschichte des Ministeriums die geradezu exemplarische und wechselvolle Entwicklung der deutsch-deutschen Beziehungen nach. Das gilt etwa für die zahlreichen, auf Destabilisierung der DDR zielenden "Undercover-Aktivitäten" des BMG, aber auch für dessen nach innen gerichteten kommunistischen Abwehrkampf. Das gesamtdeutsche Ministerium steht aber nicht nur stellvertretend für die Geschichte des Antikommunismus im Nachkriegsdeutschland. Es symbolisiert auch den politischen Wandel, der sich spätestens seit den ausgehenden 1960er Jahren in den Anfängen einer "Neuen Ostpolitik" manifestiert. Gerade in diesem Zusammenhang war es das gesamtdeutsche Ressort, von dem wichtige Impulse ausgingen, die dann nach 1969 einen innerdeutschen Entspannungsprozess einleiteten. Creuzbergers Studie bietet tiefe Einblicke in die politische Alltagspraxis und die speziellen Mechanismen des Kalten Krieges und liefert Erklärungen für die sich wandelnden Mentalitäten und für die politische Kultur der frühen Bundesrepublik.
Stefan Creuzberger: Kampf für die Einheit. Das gesamtdeutsche Ministerium und die
politische Kultur des Kalten Krieges 1949-1969 (= Schriften des Bundesarchivs, Bd. 69).
Droste Verlag Düsseldorf 2008. ISBN 978-3-7700-1625-9
Wer an das historische Berlin denkt, verbindet damit in erster Linie den preußischen Obrigkeitsstaat der Hohenzollern und die nationalsozialistische Diktatur Hitlers. Der Beitrag Berlins zur Herausbildung von Parlamentarismus und Demokratie in Deutschland wird dagegen oft übersehen. Der Band "Orte der Demokratie in Berlin" von Professor Manfred Görtemaker, Mitarbeiter des Historischen Instituts, wirkt dem entgegen und schildert die Entwicklung demokratischer Bewegungen und Institutionen von der Aufklärung des 18. Jahrhunderts bis zur "Berliner Republik" der Gegenwart anhand von Gebäuden, Straßen und Plätzen. Der Band ist Stadtführer und Nachschlagewerk zugleich - ein Ratgeber bei der Erkundung der historisch-politischen Geographie der alten und neuen deutschen Hauptstadt, die nicht nur von den Schattenseiten der deutschen Geschichte geprägt wurde, sondern auch dazu verhalf, der Demokratie in Deutschland den Weg zu bahnen.
Manfred Görtemaker in Zusammenarbeit mit Michael Bienert und Marko Leps: Orte der Demokratie in Berlin. Ein historisch-politischer Wegweiser. Schriftenreihe Band 461. Berlin: Bundeszentrale für Politische Bildung, 2004. be.bra verlag GmbH Berlin. ISBN 3-89331-573-X

Der historisch-politische Stadtplan "Weg der Demokratie" dient dazu, anhand von 20 Stationen- davon 13 im Bereich des historischen Zentrums von Berlin- chronologisch die Entwicklung der parlamentarischen Demokratie in Deutschland zu verdeutlichen. Die Stationen sind jeweils gekennzeichnet. Eine durchgehende Verbindungslinie zwischen den Stationen markiert die empfohlene Wegstrecke. Auf sieben Orte, die außerhalb des Plans liegen, wird auf der Vorderseite lediglich durch Fotos hingewiesen. Auf der Rückseite des Planes finden sich dazu ergänzende Erläuterungen.
Der Plan basiert auf dem Buch "Orte der Demokratie in Berlin - Ein historisch-politischer Wegweiser".
Weg der Demokratie. Berlin - Ein historisch-politischer Stadtplan. Berlin: Landeszentrale für politische Bildungsarbeit 2007. be.bra verlag GmbH Berlin