Januar - März 2007
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"Ich fühl mich so…"

Erstes Potsdamer Kurzfilmfestival im Filmmuseum

Der Vorführsaal des Filmmuseums ist bis zum letzten Platz gefüllt. In den gespannten Gesichtern der Zuschauer ist sowohl Vorfreude als auch Skepsis zu sehen. Acht ausgewählte Kurzfilme sind im Programmheft angekündigt. Fünfzehn weitere flimmern im benachbarten Club Spartacus über die Leinwand, in dem auch die Aftershowparty des neuen Studentenfilmfestes der brandenburgischen Landeshauptstadt gefeiert wird.


Filmförderung einmal anders:
Jurymitglied Prof. Dr. Peter Drexler (r.)
und Preisträger Ugur Kurkut.
Foto: Fritze

Fünf Studierende der Universität Potsdam, Anja Grigoleit, Antje Driesel, Andreas Schröder, Claus-Bernhardt Johst und Roy Kreutzer, mit unterschiedlichsten Studienfächern haben sich zusammengetan und ein Kurzfilmfestival gegründet, das sich an ihre Kommilitonen an den drei Potsdamer Hochschulen wendet. Die Veranstalter wollen keine Konkurrenz zum internationalen Studentenfilmfestival "sehsüchte" sein. Das kreative Potential der Medienstadt Potsdam bietet jedoch ausreichend Raum für eine weitere Plattform studentischer Filmkultur. Dass dies nicht nur Wunschdenken ist, zeigte die hohe Zahl an eingereichten Wettbewerbsbeiträgen. 26 Kurzfilme wetteiferten um die Gunst der Jury. Begehrter Hauptpreis war die Teilnahme an einem Kurzfilm-Workshop der Drehbuchschule Wolfgang Pfeiffer in Berlin.
Bevor der Vorhang sich erstmals hob, eröffnete die neue Präsidentin der Universität Potsdam, Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, und der soeben gewählte Vizepräsident Prof. Dr. Dieter Wagner, gleichzeitig einer der Schirmherren der Veranstaltung, das Kurzfilmfestival. Beide lobten die studentische Initiative und die hohe Qualität der eingereichten Beiträge. Bereits der erste Film konnte die nun großen Erwartungen der Zuschauer erfüllen. "Scraper" von Wolf Marcus Göppner, Student der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam, zeigte eine aufwendig inszenierte Fahrstuhlfahrt in das höchste Stockwerk eines Wolkenkratzers. Die Bandbreite der technisch sehr unterschiedlichen Filme reichte von HipHop-Dokumentationen über Experimentalfilme bis zu kleinen Geschichten über die absonderlichen Auswirkungen von Prüfungsstress.
Die Jury belohnte den Film "Stella" von Andrea Hentschel (HFF), eine Geschichte über ein kleines Mädchen, das aus Liebe ihren betrunkenen Vater verteidigt, mit dem Hauptpreis. Verena Postweiler von der Universität Potsdam erhielt für ihren selbst choreographierten Tanzfilm "2.FEL" den von der Universitätsgesellschaft gestifteten zweiten Preis und Ugur Kurkut, ebenfalls von der Universität Potsdam, konnte sich für "Ich fühl mich so…" über den dritten Platz freuen. Seine überraschende Geschichte über einen jungen Schauspieler, der zwar seinen Traumberuf gefunden, seine Zweifel jedoch nicht verloren hat, erntete die meisten Lacher des Abends. Um einem Gefühl des Kontrollverlustes nicht zu erliegen, bedient sich die Hauptfigur eines "simplen", aber wirksamen Tricks: "Ich kann nämlich die Zeit zurückdrehen", sagt der junge Mann begeistert und ergänzt, "dann kann ich beispielsweise länger schlafen".
Viele im Publikum wünschen sich dagegen, dass sie die Uhr vorstellen können, um so die Zeit bis zum nächsten studentischen Kurzfilmfestival zu verkürzen.

Andy Räder
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[Letzte Aktualisierung 30.01.2007, Schroeter]