Der neuen Währung vertrauen
Die Bedeutung des Euros für die Wirtschaft Europas Die
Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung ist eine entscheidende Stufe in der
über 40-jährigen Integrationsgeschichte Europas. Traditionelle Gemeinsamkeiten wie auch
sich überschneidende Interessen, vor allem aber die ähnlichen Wertvorstellungen und
wirtschaftlichen Prioritäten finden letztlich auch in den neuen Münzen und Banknoten
ihren Ausdruck.

Mit der D-Mark aus dem Automaten ist es demnächst vorbei. Rund 2,4 Millionen
Automaten werden in Deutschland ab dem 1. Januar Stück für Stück auf Euro umgestellt.
Foto: Fritze |
Für die europäischen Finanzmärkte, die Sparkassen, Banken, Versicherungen und
sonstigen Dienstleistungsbetriebe des Gewerbes ist die Einheitswährung bereits seit dem
1.1.1999, dem Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion Realität. Auch
die Öffentlichkeit hat sich längst daran gewöhnt, dass die Wechselkurse der nationalen
Währungen der Mitgliedsländer seit geraumer Zeit unveränderlich sind und die
Geldpolitik von der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/M. gemacht wird. Die Deutsche
Bundesbank, bis Ende 1998 für die Stabilität der Deutschen Mark verantwortlich, ist nur
noch Teil eines Systems der Zentralbanken. Die vertrauten DM-Geldzeichen wurden dabei zu
Repräsentanten des Euros.
Auch wenn sich vor allem die Kreditinstitute bereits in den 90-er Jahren intensiv auf
den europäischen Markt und die neue Währung vorbereitet haben, liegt der Vorteil der
neuen Währung keineswegs zuerst im Interesse der Banken, sondern auf Seiten der
Wirtschaft und der Bürger. Finanzdienstleister und Handel haben zunächst die enormen
Kosten der Umstellung zu tragen. Banken müssen auf lukrative Einnahmequellen verzichten
und sich neu orientieren.

Detlev Hummel bekleidet an der Uni Potsdam die Profes- sur für BWL mit dem
Schwerpunkt Finan- zierung und Banken.
Foto: privat |
Für die stark verflochtene europäische Realwirtschaft, den freien Verkehr von
Gütern, Leistungen sowie Personen innerhalb Europas bringt die neue Währung
entscheidende Vorteile. Die Transaktionskosten werden drastisch reduziert, die Preise für
Waren, für Kapital und für Dienstleistungen aller Art wirklich transparent. Der
einheitliche Wirtschaftsraum wird angesichts der gewonnenen Stabilität und Transparenz
enorme Kräfte und Synergien freisetzen. Die Märkte und Investitionsmöglichkeiten in
Europa erhalten eine neue Dimension. Die Vorteile fallen dem Verbraucher in Form von
größerer Auswahl, besserer Qualität und günstigeren Preisen zu. Aber auch neue
Arbeitsplätze können entstehen. Andererseits wächst die Konkurrenz in vielen Branchen,
was eine zusätzliche große Herausforderung für viele Betriebe, letztlich auch für die
regionalen Sparkassen und Genossenschaftsbanken bedeutet. Auch die Finanzierungslösungen
für den Mittelstand und Geldanlagen der Bürger werden damit zunehmend durch den
europäischen Binnenmarkt bestimmt.
Wie die Bürger, die Unternehmen der Wirtschaft in Deutschland, muss auch das Ausland
lernen, der neuen Währung zu vertrauen. Investoren aus Übersee beobachten Europa
aufgrund des Wandels und der Erweiterungen noch skeptisch. Doch Signale für eine
wachsende Akzeptanz des Euros an den internationalen Devisenmärkten sind vorhanden. Dazu
gehören die jüngsten Eurokäufe asiatischer Zentralbanken für eine Umstrukturierung
ihrer Währungsreserven, die bisher vornehmlich in US-Dollar gehalten wurden.
Prof. Dr. Detlev Hummel,
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
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[Letzte Aktualisierung 09.12.2001 Steffi Knappe] |