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Nachgefragt: Prof. Dr. Hummel über die Bedeutung des Euros für die internationale Finanzwelt    

Die Einführung des Euro steht unmittelbar bevor. In den europäischen Banken herrscht Hochbetrieb. Portal-Redakteurin Petra Görlich fragte bei Detlev Hummel, Inhaber der Professur für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Finanzen und Banken, nach der Bedeutung der neuen Währung für die internationale Finanzwelt.

Die dritte Stufe der Europäischen Währungsunion (EWU) ist angelaufen. Was bedeutet dies für die zwölf Teilnehmerländer?

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Prof. Dr. Hummel ist sich sicher: Der Euro wird die D-Mark als eine der wichtigsten Handelswährungen der Welt mit noch größerem Gewicht ersetzen.
Foto: Fritze

Hummel: Es entfielen beispielsweise die Wechselkursrisiken für Finanztransaktionen gänzlich. Die Zinsdifferenzen der nationalen Bankenmärkte bis hin zu den Anleihemärkten der EWU-Länder sind kaum noch vorhanden. Die neuen Möglichkeiten für Investoren des In- und Auslandes und der starke Wettbewerb zwischen den europäischen Anbietern von Finanzdienstleistern werden erheblich forciert. Für Professionelle ist der Euro bei Finanztransaktionen und Investments aber schon längst Realität.

Was bedeutet die Währungsumstellung konkret für den Einzelnen?

Hummel: Die Bürger der „Zwölf-Länder-Eurozone" empfinden die größte Währungsumstellung in der Geschichte Europas bisher als ziemlich abstrakte Angelegenheit. Die Münzen und Scheine der neuen Währung kommen bekanntlich erst ab 1. Januar 2002 in Umlauf. Ihre Einführung ist nun vor allem für die Zentralbankstellen, Kreditinstitute, Transportunternehmen sowie die Automatenindustrie eine gewaltige logistische Herausforderung. Wie die institutionellen Finanzmarktakteure der Welt können auch Privatpersonen im nächsten Jahr den Euro als wichtige Alternative zum US-Dollar, als Handels-, Finanzierungs-, Vermögensanlage und nicht zuletzt als Reisewährung schätzen lernen.

Jede Medaille hat immer zwei Seiten. Wie sehen diese bezüglich der neuen Gemeinschaftswährung aus?

Hummel: Neben den vielen positiven Effekten, wie Preistransparenz, Wettbewerb, Finanzinnovationen und mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit vom US-Dollar beinhaltet der europäische Kapitalmarkt mit der Gemeinschaftswährung selbstverständlich auch Unsicherheiten. Beispielsweise stellt die künftige Osterweiterung große Herausforderungen an die Stabilitätspolitik der Europäischen Zentralbank. Aber auch die Banken- und Börsenaufsicht muss europäisiert werden. Die Rechtssysteme im Banken- und Wertpapierbereich sind - bis hin zur Steuerpolitik - besser als bisher abzustimmen. Das bedeutet auch: Insidergeschäfte, Geldwäsche und grauer Kapitalmarkt müssen wirkungsvoller im globalen Maßstab bekämpft werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Union

Die Euroeinführung ist eine Währungsunion, keine Währungsreform. In Deutschland gab es im 20. Jahrhundert drei Währungsreformen: 1923/24 nach der Inflation, 1948 als Folge des Zweiten Weltkrieges und 1990 im Zuge der Wiedervereinigung. Hier wurde zwar auch die alte Währung durch eine neue ersetzt, die Menschen verloren dabei aber einen Teil ihrer Ersparnisse. Bei der jetzigen Prozedur dagegen erfolgt eine Umrechnung der Geldvermögen. Es ändert sich also nicht der Wert des Geldes. In Deutschland beträgt der festgelegte Kurs 1 Euro :1,95583 DM.

Red.

 

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[Letzte Aktualisierung 09.12.2001 Steffi Knappe]