Aus Respekt
vor der Tradition der Wissenschaft
Juniorprofessor Jens Eisert leistet Bahnbrechendes auf dem Gebiet der
QuanteninformationsverarbeitungNur
Anfänger schlafen." Ganz ernst meint Dr. Jens Eisert diesen Satz natürlich nicht.
Schaut man sich allerdings seinen Lebenslauf, seine Karriereschritte und die dazu
gehörigen Zeitabschnitte an, betrachtet man dazu seine Interessen und Hobbys, kommt einem
schon die Frage in den Sinn: Wie und wann bewältigt er das alles? Seit Mitte Dezember des
vergangenen Jahres ist der 32-Jährige nun Juniorprofessor für Theoretische
Physik/Quanteninformation" an der Universität Potsdam.

Juniorprofessor Dr. Jens Eisert (l.) und Prof. Dr.
Martin Wilkens: Wer lernt von wem?
Foto: Fritze |
Jens Eisert reizt an der Herausforderung
Juniorprofessor, unter einer anderen Modalität als der klassischen Habilitation die
wissenschaftliche Laufbahn voranzutreiben". Er könne nun relativ frühzeitig sein
Forschungsfeld selbst definieren und Mitarbeiter einstellen. Nach Potsdam kam er aus eher
formalen Gründen. Von hier erreichte ihn das schnellste Angebot auf seinem
Forschungsgebiet, der Quanteninformation. Er studierte Physik in Freiburg und Connecticut,
USA. Anschließend promovierte er bei Prof. Dr. Martin Wilkens im Institut für Physik der
Uni Potsdam. In Freiburg wollte er nach dem Studium nicht bleiben, sondern zu anderen
Ufern aufbrechen und sich einem neuen Gebiet, der Quanteninformatik, zuwenden. Ich
habe weltweit gesucht und dann in Potsdam den Ort gefunden, wo die mich interessierende
wissenschaftliche Arbeit möglich wurde." Martin Wilkens bescheinigt ihm, in
vergleichsweise kurzer Zeit eine exzellente Dissertation in einem schwierigen Bereich der
mathematischen Physik geschrieben zu haben". Auf diesem jungen Gebiet der Physik geht
es um die quantenmechanischen Besonderheiten für die nächste Generation von Computern
und Kommunikationsprotokollen. An der Schnittstelle von Informationsverarbeitung und
Physik habe Jens Eisert bereits Bahnbrechendes geleistet, was sich unter anderem mit zehn
Beiträgen in der international renommierten Fachzeitschrift Physical Review
Letters" niederschlägt. Durchaus nicht selbstverständlich für einen Professor, hat
Martin Wilkens keinerlei Probleme damit, einzugestehen, dass er mehr von Jens Eisert
gelernt hat als umgekehrt. Auf dem Gebiet der Quanteninformationsverarbeitung, auf
dem Eisert inzwischen Experte ist, war ich blutiger Laie."
Der Reiz an der Naturforschung motiviert den
Juniorprofessor. Mich fasziniert das kreative Element, dazu beizutragen, Strukturen
offen zu legen." Außerdem habe er großen Respekt vor der Tradition der
Wissenschaften. Ich bin mir bewusst, dass mein Beitrag im großen Bild der Zeit
nicht so wichtig sein wird, dass man in 800 Jahren immer noch von mir liest, aber unter
dieser Flagge zu segeln, erfüllt mich mit Respekt und mit Freude, die ich anderswo so
nicht hätte", sagt der Physiker. Der Wissenschaftler ist davon überzeugt, dass er
in Potsdam gut arbeiten kann. Wenn er sich Sorgen macht, betrifft es die Zeit nach der
Juniorprofessur. Die jetzige Konstruktion der Juniorprofessuren hat nach Überzeugung von
Martin Wilkens einen entscheidenden Mangel. Zur Zeit wird den jungen
Wissenschaftlern mit hervorragenden Leistungen keine Option für eine Professur
gegeben." Deshalb richtet sich sein dringender Appell an alle Verantwortlichen in der
Hochschule und darüber hinaus, sich für diese Option stark zu machen. Wenn das nicht
gelänge, könne das Konzept gleich aufgegeben werden. Wir würden dann die mutigste
Generation verraten", meint Wilkens.
Zunächst aber will Jens Eisert herausfinden, was
die physikalischen Grundlagen der Informationsverarbeitung sind und wie die Quantenphysik
dazu beitragen kann, bestimmte Aufgaben, also Berechnungsaufgaben, Kryptographieaufgaben
pfiffiger zu lösen als bisher. Es gehe unter anderem darum, Daten sicher von A nach B zu
bringen, einen gemeinsamen Schlüssel zu verteilen, der benutzt werden kann, um die Daten
sicher zu verschlüsseln und hinterher wieder zu entschlüsseln. Ihn interessiert auch, ob
die Methoden der Quanteninformation und Quantenoptik in der Biophysik anwendbar sind. Er
geht der Frage nach, was Kohärenz in der Quantenmechanik bedeutet, wozu sie verwendet
werden kann und welche technischen Anwendungen möglich sind.
Physiker zu werden, ist Jens Eisert nicht
unbedingt in die Wiege gelegt worden. Aufgrund seiner vielseitigen Interessen hätte seine
berufliche Entwicklung auch ganz anders verlaufen können. Trotz seiner schon im
Schulalter vorhandenen Begeisterung für die Naturwissenschaften wollte er zunächst Kunst
studieren. Malen und Zeichnen gehören neben anderen Steckenpferden noch heute zu seinen
Hobbys. Übrigens verwendet Martin Wilkens Comicstrips von ihm in seinen Vorlesungen.
be
Titelthema
| Uni Aktuell | Forschung | Studiosi | Personalia | Vermischtes
Copyright© 2001 Universität
Potsdam, Glaesmer, Knappe
[Letzte Aktualisierung 02.04.2003]
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