Kunst im
Brandenburger Tor
Uni-Studenten konzipierten Meditationsraum neu

Carmen Winter vom Studiengang
Kunst der Uni schuf diese Stele, die
im Raum der Stille im Brandenburger
Tor zu bewundern ist.
Foto: zg. |
Seit dem 27. Oktober 1994 befindet sich im Brandenburger Tor ein für alle
Menschen, gleich welcher Herkunft, Hautfarbe oder Weltanschauung, offener Raum, der seine
Besucher zum gemeinschaftlichen Schweigen und Beten sowie zur inneren Besinnung einlädt.
Für die Studierenden des Studienganges Kunst der Universität Potsdam stellte dieser Raum
in seiner derzeit sterilen Ausstrahlung eine Herausforderung dar. In Kooperation mit dem
Berliner Förderverein Raum der Stille", insbesondere der Vorstandsvorsitzenden
Dr. Maria Diefenbach und dem Studiengang
Kunst der Universität Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Maike Aissen-Crewett
wurde über zwei Semester an diesem Projekt gearbeitet. Die erstellten Konzepte wurden in
Modellen und Zeichnungen vom 16. Dezember 2001 bis 22. Januar 2002 im Brandenburger Tor
präsentiert und zur Diskussion gestellt. So beschäftigte sich zum Beispiel Isabel
Fischer mit dem Entwurf von unterschiedlichen Sitzgelegenheiten in Quaderform in
verschiedenen Höhen, die, in kleinen Gruppen angeordnet, dem Besucher die Wahl
ermöglichen, in wie weit er sich allein durch die Ausrichtung seiner Blickrichtung in die
Gemeinschaft der Schweigenden integriert oder abwendet, um so besser zur Ruhe zu finden.
Das Konzept von Joris Göritz sah in der kreisförmigen Anordnung von einheitlichen
Sitzgelegenheiten in der Mitte des Raumes eine ideale Lösung, um Gleichheit und
Demokratie darzustellen. Er ersetzte die schweren Vorhänge, die drei Wände des Raumes
fast ganz bedecken, durch mit hellem Stoff bespannte Rahmen, die, von hinten beleuchtet,
eine Illusion von Weite und Leichtigkeit und durch das diffuse Licht eine harmonische
Atmosphäre schaffen sollten.
Algis Klemm arbeitete an Fotocollagen, die einen Eindruck vermittelten, wie das Spiel
von einfallendem Tageslicht und Schattenwirkung den Raum veränderte. Dieses Licht musste
nach den Vorstellungen von Fredrik Gremmel durch blaue Folie vor den Fenstern gefiltert
werden, so dass der Raum der Stille" von der Straßenkulisse abgesetzt und für
eine eigene, innere Welt Platz geschaffen wurde, deren Hauptelement eine im Zentrum des
Raumes stehende, hohe Lichtsäule, die ein weiches, oranges Licht abgab, war. Um das
untere Ende gruppierte sich eine kreisrunde Sitzbank; nach oben hin ging die Säule in
eine Kuppel über, an deren Kante Vorhänge angebracht werden sollten, die dazu dienen,
den Außenraum erneut abzugrenzen, ein Kleinod zu schaffen, in das der Besucher eintauchen
kann. Dort könnte er loslassen, Ruhe finden.
Um die Gemeinschaft zu versinnbildlichen, kam die Idee auf, den Raum mit einem flachen
Podest auszubauen. Diesen Vorschlag griffen Isabel Fischer und Joris Göritz in ihren
Konzepten auf. Markus Pabst gebrauchte das Podest als Medium, das Schritte und Bewegungen
der Gäste an eine beleuchtete Wasserschale weitergab, die dann durch Lichtreflexion und
Spiegelung feine Strukturen an die Wand und in den Raum zeichnete.
Der Aufgabe, den Besuchern den Raum im wahrsten Sinne des Wortes begreiflich zu machen,
stellte sich Carmen Winter. Sie schuf eine Stele aus Pappelholz in Anlehnung an die in
römischen Eingangshallen oft zu findenden Gebälkträger. Ihre Skulptur bietet den
Eintretenden handgerechte Kieselsteine an und gibt ihnen die Möglichkeit, sich auf etwas
zu konzentrieren, Sorgen und Ängste zu projizieren und, wenn sie es wünschen, ein
kostenloses Andenken an diesen Ort mit nach Hause zu nehmen. Dieses Werk fand bei
Besuchern und Betreuern so großen Anklang, dass es nun als fester Bestandteil des
Raumes der Stille" übernommen wurde. Aber auch die anderen Ideen und Konzepte
wurden honoriert und werden bei der anstehenden Renovierung in die Überlegung mit
einbezogen. Die Studenten bedanken sich für die Offenheit, den Respekt und die
Flexibilität, mit der ihnen die meisten Mitglieder des Förderkreises gegenübertraten.
Markus Pabst,
Studiengang Kunst
Titelthema
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Potsdam, Glaesmer, Knappe
[Letzte Aktualisierung 16.04..2001 Steffi
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