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Leserbrief:
Kein Weltanschauungsfach

Zum Portal-Thema Unterrichtsfach „Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde" schrieb Prof. em. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Edelstein, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats LER und Mitglied des Gründungssenates der Universität Potsdam:

In Portal, 2002 (1-2), S. 39 erwähnen Sie die "geplante Einführung des Unterrichtsfaches Lebensgestaltung-Ethik-Religion". Wieso „geplant"? LER wurde vor Jahren aufgrund entsprechender Gesetze beziehungsweise Verordnungen „eingeführt".... Anstoß nehme ich indessen vor allem an dem von Ihnen in der zitierten Textstelle verwendeten Begriff „weltanschauliches Pflichtfach". Ein weltanschauliches Pflichtfach kann es im Rahmen der Verfassungsordnung und der geltenden Schulgesetze nicht geben. Der Vorschlag des Bundesverfassungsgerichts impliziert, dass LER kein Weltanschauungsfach ist, sonst könnte es – trotz der offensichtlich als Konzession zur Befriedung entsprechender Interessen gemeinten Befreiungsmöglichkeit – nicht im Prinzip als Pflichtfach für alle geltend gemacht werden. Wie man unschwer dem vom Wissenschaftlichen Beirat veröffentlichten Gutachten (W. Edelstein u.a.: Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde. Zur Grundlegung eines neuen Schulfachs. Weinheim: Beltz 2001) entnehmen kann, ist LER nicht „weltanschaulicher" als etwa Geschichte, Politische Bildung oder Biologie. Wie bei diesen handelt es sich um ein wissenschaftsbezogenes Unterrichtsfach, das – explizit und formell zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet – einen Beitrag zur Bildung von Wertbewusstsein und Urteilsfähigkeit leisten soll.

 

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Copyright© 2001 Universität Potsdam, Glaesmer, Knappe
[Letzte Aktualisierung 16.04..2001 Steffi Knappe]