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Anti-Stress-Programm statt Autoritätsgehabe   
Mehr soziale Kompetenzen und weniger Stress für Lehrer

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Es geht auch ohne Nervenpille. In einem Trainingsprogramm an der Uni Potsdam erlernen
künftige Lehrerinnen und Lehrer den produktiven
Umgang mit Stress.
Foto: Fritze

Nicht erst seit PISA kennen alle den Schuldigen: den deutschen Lehrer. Anstatt dem Schüler beizubringen, wie man Probleme löst, trichtert er ihm Wissen ein, das er nicht lange behält. Anstatt ihm vernetztes Denken zu vermitteln, wird Faktenhuberei betrieben. Vom Lehrer und der Lehrerin wird heute viel erwartet, nicht nur von den Eltern der Schüler, auch von deren späteren Arbeitgebern, die fordern, dass Schulabgänger berufsfähig sein sollen. Dazu gehören unter anderem die vielgepriesenen Schlüsselqualifikationen wie Kommunikations-, Konflikt- und Teamfähigkeit. Was aber ist, wenn den Lehrern selbst diese Fähigkeiten fehlen? Wer bringt sie ihnen bei?

Mit dem innovativen Trainingsprogramm "COPE" sollen angehende Lehrerinnen und Lehrer an der Uni Potsdam lernen, mit Konflikten besser umzugehen und Stress produktiver zu verarbeiten. Denn: "Eine Qualitätsverbesserung im Unterricht erreicht man nur mit gesunden und zufriedenen Lehrern!", davon ist Projektmitarbeiterin Dr. Helga Arold überzeugt. COPE ist ein "Coaching-Programm zum Erwerb sozialer und selbstregulatorischer Kompetenzen für den LehrerInnen-Beruf" und wurde an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam unter der Leitung der beiden Psychologie-Professoren Prof. Dr. Joachim C. Brunstein und Prof. Dr. Uwe Schaarschmidt entwickelt. Seit dem Beginn des Projekts vor zwei Jahren, das vom Innovationsfonds der Uni Potsdam und mit Mitteln des Hochschulsonderprogramms gefördert wurde, haben fast 600 Lehramts-Studierende aller Fachrichtungen an den Kursen teilgenommen.

 

Studierende als Coaches

"Wir möchten, dass alle Lehramtskandidaten im Rahmen ihrer erziehungswissenschaftlichen Ausbildung einen solchen Kurs belegen können", betonen die Psychologieprofessoren. Ähnliche Seminare gab es schon einmal an der Uni Potsdam, diese mussten aus Geldmangel eingestellt werden. COPE sei wesentlich effizienter und ökonomischer, da man fortgeschrittene Psychologie-Studierende als Coaches einsetzt. Diese werden in einem mehrstufigen Prozess ausgebildet und erhalten damit eine zusätzliche Qualifikation. Deswegen ist Brunstein optimistisch, dass die Geldgeber das Projekt weiter finanzieren.

Wie die Evaluation zeigt, sind die Seminare sehr erfolgreich: Rund 62 Prozent aller Teilnehmer der Kommunikations-Seminare "ProKom" hatten hinterher höhere soziale Kompetenzen. Wer das "ContraStress"-Programm durchlaufen hat, zeigte eine "signifikante Steigerung der Distanzierungsfähigkeit" vom Stress, war ausgeglichener und zufriedener. "Natürlich kann man in einem dreitägigen Blockseminar nicht die gesamte Persönlichkeit verändern", sagt Projektmitarbeiterin Dr. Gisela Mallwitz, "aber wir können wichtige Anregungen geben. In Rollenspielen kann man sich ausprobieren und wir schulen die Selbstbeobachtung und Selbstreflexion der Teilnehmer."

 

Gemeinsam Konflikte lösen

Eine wichtige Fähigkeit gerade bei Konflikten mit Schülern sei es, umzuschalten und statt weiterer Konfrontation wieder zuhören zu können. Brunstein und dessen Kollegen wünschen sich, dass Konflikte in der Schule von Lehrern und Schülern gemeinsam kommunikativ gelöst werden und nicht durch autoritäres Verhalten der Lehrer. Vorbild seien kooperative Führungsstile aus der Wirtschaft. Die Praxis zeige, dass die Schüler sich darauf einließen, wenn sie sich ernst genommen fühlten. Und sie können in solchen Prozessen tatsächlich etwas lernen: Konfliktfähigkeit und echte Kommunikation .

Martina Kretschmann

 

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[Letzte Aktualisierung 16.04.2002 Steffi Knappe]