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Kleine Dinge mit großer Wirkung
Für Joachim Wambsganß ist die Absolventenbetreuung ein „Langstreckenlauf"

Developing of an alumni programme is, according to Joachim Wambsganß who is professor for particle astrophysics at the University of Potsdam, a long-distance run. American universities with their long tradition of alumni activities serve as an example. Although fundamental conditions are missing in German universities, like a strong sense of community and pride, there are still some aspects of American alumni concepts that could be adopted in Germany. Wambsganß emphasises the importance of homecoming events for alumni and the aspect that alumni donations can help a university one day. Often activities on a small scale have already a binding effect, like keeping the alumni informed on recent developments at the university, inviting them to give talks or to welcome new students.


Begrüßt das Engagement der Uni in Sachen Absolventenbetreuung: Prof. Joachim Wambsganß.
Foto: Fritze

Angesicht der Tatsache, dass die Universität Potsdam erst vor gut zehn Jahren gegründet wurde, die Zahl der Absolventen also noch überschaubar ist, habe die Hochschule sehr früh damit angefangen, sich um ihre Ehemaligen zu kümmern. Dieser Meinung ist der Astrophysiker Professor Joachim Wambsganß. Der Wissenschaftler begrüßt die Aktivitäten der Uni, ein Alumni-Programm aufzulegen.

„Natürlich ist das ein Langstreckenlauf", sagt der Professor für Astroteilchenphysik. Er ist davon überzeugt, dass das Programm der Ehemaligen-Betreuung viele Jahre braucht, um richtig in Gang zu kommen. Aus eigener Erfahrung mit amerikanischen Universitäten kann er bestätigen, dass Erfolge in der Arbeit mit den Ehemaligen wachsen müssen. In den USA beispielsweise gibt es diese Aktivitäten an allen Unis seit Jahrzehnten. Die Ehemaligen werden richtiggehend „gepflegt". Allerdings unterscheiden sich die Bedingungen von denen in Deutschland gravierend. Alumni-Betreuung wird dort in erster Linie für College-Absolventen betrieben. Anders als bei uns - es wird in festen Jahrgangsstufen studiert - kann sich das Gemeinschaftsgefühl viel stärker ausprägen und nach dem Studium „weiterleben". Und Amerikaner sind stolz auf ihre Universitäten. Dies rührt nicht zuletzt daher, dass sich die Hochschulen ihre Studierenden nach strengen Auswahlkriterien aussuchen können. Wenn sich in Deutschland die zukünftigen Studierenden „ihre" Universität nicht nach Qualitätskriterien, sondern nach der Nähe zu Eltern und Freunden auswählen, kann sehr schwer Stolz entwickelt werden, ist sich der Wissenschaftler sicher.

Zwei Aspekte der amerikanischen Alumni-Programme hebt Joachim Wambsganß hervor, über die es sich lohne, auch an der Uni Potsdam nachzudenken. In Princeton beispielsweise treffen sich die Ehemaligen jedes Jahr im Frühjahr für drei Tage zu einem großen Fest. Diese „Klassentreffen" dienen dazu, den Kontakt untereinander, zur Uni und zu den Lehrkräften aufrecht zu erhalten. So etwas kann sich Joachim Wambsganß auch für die Zukunft in Potsdam vorstellen, vielleicht zunächst alle drei oder fünf Jahre. Da sich viele amerikanische Universitäten privat finanzieren, sind sie auf Spenden angewiesen. Diese finanziellen Mittel werden, teilweise auch bei öffentlichen Universitäten, zum großen Teil von Ehemaligen erbracht. Das Stiftungswesen ist dort sehr viel ausgeprägter als bei uns. Eine dahin gehende Veränderung der Situation an deutschen Hochschulen erfordere ein Umdenken, so der Physiker. Weil in Deutschland beispielsweise Hochschulen oder Bibliotheken vom Staat gefördert werden, kommt kaum jemand auf die Idee, den Einrichtungen finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Großzügige Spenden wie die von Hasso Plattner sind die absolute Ausnahme und können als gute Beispiele dienen.

Diese Finanzierungsquelle muss im deutschen Hochschulsystem noch entwickelt werden. Joachim Wambsganß sieht an der Uni Potsdam dennoch Möglichkeiten, die Alumni stärker in das Hochschulgeschehen einzubeziehen. Oft sind es kleine Dinge, die eine große Wirkung haben können. So ist es nach seiner Meinung sinnvoll, Alumni regelmäßig über aktuelle Entwicklungen an der Uni zu informieren, bei größeren Entscheidungen vielleicht sogar zu befragen. Es biete sich ebenso an, Ehemalige einzuladen, um Vorträge zu halten oder bei der Erstsemesterbegrüßung auftreten zu lassen. So könne man den heute Studierenden zeigen, welche Berufswege die „Alten" eingeschlagen" haben und so den Stolz auf ihre Einrichtung entwickeln. Ehemalige können den Absolventen auch beim Berufseinstieg behilflich sein. Bedenkenswert sei weiter, dass es an amerikanischen Universitäten eigene Abteilungen mit vielen hauptamtlichen Mitarbeitern gibt, die sich um Fundraising kümmern.

Joachim Wambsganß, seit 1999 an der Uni Potsdam, hat selbst Kontakte zu jenen Ehemaligen, die bei ihm promoviert haben. Diese Beziehungen ergeben sich teilweise auch durch gemeinsame Forschungsprojekte. In seiner Arbeitsgruppe trifft man sich ein Mal in der Woche, um über wissenschaftliche, aber auch persönliche Themen zu sprechen. Dadurch entstehen mitunter auch private Kontakte. Da viele Absolventen der Astronomie zumindest für einige Jahre in der Wissenschaft bleiben, bestehen auch nach dem Studium berufliche Bindungen weiter. „Diese Kontakte finde ich sehr gut und wichtig."

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Kontakt: Prof. Dr Joachim Wambsganß, Tel.: 977-1841, E-Mail: jkw@astro.physik.uni-potsdam.de.

 

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[Letzte Aktualisierung 25.01.2004, Knappe]