Portal. Die Potsdamer Universitätszeitung
Durch die Hintertür nach Afrika
Öffentlichkeitsarbeit für den Deutschen Entwicklungsdienst am Indischen Ozean

The backdoor to Africa opened suddenly to Kai Walter, student of British and American Studies and German Linguistics at the University of Potsdam, as his girl-friend was offered a job by the German Development Service (ded) in Tanzania. Having fulfilled the conditions on which only he could accompany her: completing his studies, quitting the job and marry, they arrived in Tanzania in April 2001. His dream of vacancies was blown away by an excellent offer by the ded to work for their information and educational service. Since 2002, he has mainly been working on developing information leaflets, content management for the website and on co-operating with the Tanzanian media in order to raise awareness among the civilian population for the development work.


Eröffnung einer Kunsthandwerkerkooperative
im zentralen Tansania.
Fotos: privat

Drei Dinge waren für Kai Walter nötig, um ins Ausland zu kommen: Studium abschließen, Job kündigen und heiraten. Der Zufall lieferte dann die neue Stelle. Heute arbeitet der Absolvent der Uni Potsdam als Entwicklungshelfer für Informations- und Bildungsarbeit in Tansania.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Gerade noch hatte ich im August 2000 meine Magisterarbeit an der Uni abgegeben, da flatterte ein Brief vom ded, dem Deutschen Entwicklungsdienst, ins Haus. Adressiert war er nicht an mich sondern an meine Partnerin Jana. Sie hatte sich vor längerer Zeit blind beworben und wurde nun zu einem Auswahlgespräch geladen. Als Ergebnis bekam sie eine Stelle als Entwicklungshelferin in Tansania angeboten. Tansania: Deutsch-Ost-Afrika, Kilimanjaro, Serengeti und die Strände von Sansibar. Um gemeinsam dorthin gehen zu können, musste ich drei wesentliche Dinge erledigen: Studium abschließen, Job kündigen und heiraten. Ja heiraten. Denn wer als so genannter „mitreisender Partner" mit dem ded ins Ausland gehen will, muss verheiratet sein, um Unterhaltsleistungen in Anspruch nehmen zu können.


Einsatz im Rahmen des Nachwuchsförderprogramms: ded-
Mitarbeiterin bei der Verarbeitung von Cashewnüssen.
Fotos: privat

Die Prüfungen gingen trotz Dreifachbelastung glatt. Im März 2001 konnte ich mir die Urkunde für meinen Magistertitel in Anglistik-Amerikanistik und Germanistischer Linguistik abholen. Geheiratet hatten wir kurz vorher, und das war gut so. Der Reiz nach Tansania zu gehen, obwohl erst mal ohne klare Aussicht auf Arbeit, war groß genug, um den Job als Redakteur und Chef vom Dienst nicht zu schweren Herzens aufzugeben. Mein Redaktionsleiter in der Fernsehnachrichtenagentur war erstaunt über meinen Entschluss und wünschte mir viel Glück. In Tansania, dachte ich mir, würde ich viel Zeit zum Lesen haben und eventuell auch nebenbei journalistisch arbeiten können.

In der Vorbereitungsstätte des ded wurden wir auf das Leben und Arbeiten in unserem Gastland eingestimmt. Auch bei der logistischen Planung half uns die Erfahrung des ded. Mit rund 300 Kilogramm Frachtgut und einer Menge Neugier kamen wir Ende April 2001 in Dar es Salaam an. Der Zufall wollte es, dass ich am Abend der Einreise mit dem ded-Landesdirektor ins Gespräch kam. Mein beruflicher Werdegang weckte sein Interesse, und schnell hatte er mir von einer neuen Idee des ded erzählt. Um das Engagement des ded sowohl in den Partnerländern als auch in Deutschland verstärkt in der Öffentlichkeit zu präsentieren, habe man begonnen, so genannte IBA-EH einzustellen, Entwicklungshelfer für Informations- und Bildungsarbeit. Das klang sehr interessant, und so hatte ich vom ersten Tag in Tansania eine Perspektive – Hängemattenträume ade.


Oberstufenschülerinnen informieren sich über den ded.
Fotos: privat

Das offizielle Bewerbungsprozedere und die Genehmigung durch die tansanischen Behörden gaben mir noch ausreichend Zeit, um meine Frau in der Eingewöhnungsphase zu unterstützen. Ihre Arbeit als Beraterin in der Vermessungsabteilung des Ministeriums für Wasser, Bau, Energie und Land auf der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar forderte einiges an Einfühlungs- und Durchsetzungsvermögen über fachliche Aufgaben hinaus. Für eine Frau Anfang Dreißig ist es durchaus nicht selbstverständlich in einem zu 99 Prozent muslimisch geprägten Arbeitsumfeld anerkannt zu werden. Der erfreulich hohe Anteil an Frauen im Kollegenkreis und die eher entspannte Ausprägung des sansibarischen Islam erleichterten jedoch das Einleben. Mir gab diese Zeit Gelegenheit, Informationen zu sammeln und mich mit meinem künftigen Thema Entwicklungshilfe anzufreunden.

Im September 2002 ging es dann richtig los. Eine aussagekräftige Palette von Informationsmaterialien sollte erarbeitet werden. Gemeinsam mit der Deutschen Botschaft, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit und der Kreditanstalt für Wiederaufbau habe ich kürzlich eine umfangreiche Broschüre fertiggestellt, die einen Überblick über die staatliche Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Tansania gibt. Es gilt die Webseite zu pflegen und durch Kontakte zu den tansanischen Medien eine Sensibilisierung der Bevölkerung für entwicklungspolitische Themen und Prozesse zu erreichen.

Dass in Afrika vieles langsamer geht, bewahrheitet sich oft. An der Langsamkeit der Leute liegt dies jedoch meist nicht. Obwohl es in Tansania mittlerweile von Mobiltelefonen wimmelt und auch Internetverbindungen existieren, kommt es doch oft zu Verzögerungen. Was nutzt die Internetverbindung, wenn es stundenlang keinen Strom gibt und was nutzt das Handy, wenn die Prepaid-Karte abgelaufen und das Geld knapp ist. Da die Projektplätze überwiegend weit von der De-facto-Hauptstadt Dar es Salaam entfernt liegen, ist die Kommunikation mit den Kollegen im Lande gar nicht so einfach. Eine Mail an die ded-Zentrale in Bonn ist meist schneller beantwortet, als dass ein Telefongespräch in ein 800 Kilometer entferntes tansanisches Dorf zustande kommt.


Am Fuße des Kilimandscharo: Kai Walter.
Fotos: privat

Als „Öffentlichkeitsarbeiter" bin ich natürlich Diener eines Herrn und nicht so frei wie als Journalist. Für den ded zu arbeiten bedeutet für mich jedoch, für eine Organisation zu arbeiten, deren Leitbild und dessen Umsetzung in tägliches Tun ich sehr gerne vertrete und vermittle. Der Ansatz des ded unterscheidet sich wohltuend von anderen Akteuren auf dem Spielfeld der internationalen Entwicklungshilfe. Der oft fragwürdige Einsatz riesiger Geldsummen macht beim ded einer professionellen Beratung Platz, die vor Ort stattfindet. In diesem Sinne arbeiten derzeit fast 1 000 Entwicklungshelfer weltweit. Der ded ist rein finanziell sicher nicht so interessant wie andere Organisationen oder Consulting Firmen, die wie Pilze aus dem Boden schießen.

Der Unterhalt ist jedoch gesichert und gerade für Familien bietet der ded eine ansprechende Absicherung. Den Schritt ins Ausland zu gehen, so unverhofft er kam, würde ich jederzeit wieder tun. Eine weitere Tätigkeit beim ded, nach Beendigung meines jetzigen Vertrages, kann ich mir sehr gut vorstellen.

Kai Walter

Kontakt: Kai Walter, E-Mail: walterkai@web.de 

Weitere Informationen: www.ded.de; Die Webseite informiert unter anderem über das aktuelle Jobangebot. Auch Blindbewerbungen sind sinnvoll, da potentiell interessante Bewerber in einen Personalpool aufgenommen werden. Die Bindung an die Entwicklungspolitik der Bundesregierung führt im ded zu einer relativen Einschränkung bezüglich der Arbeitsfelder. Zur Zeit konzentriert sich die Regierung auf die Bereiche Wasser, Ressourcenmanagement und Gesundheit. Es bieten sich aber je nach Land und Projekt oft Einstiegsmöglichkeiten für Interessenten aus anderen Richtungen. Die im ded als so genannte Querschnittsaufgaben verankerten Themen HIV/Aids und Gender bieten ebenso Arbeitsmöglichkeiten wie die gerade anlaufenden Bemühungen in Richtung Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Besonders attraktiv für Hochschulabsolventen ist das Nachwuchsförderungsprogramm des ded. Dieses bietet die Möglichkeit, ohne die sonst nötige mehrjährige Berufserfahrung für ein Jahr als Entwicklungsstipendiat in ein Partnerland des ded zu gehen und Erfahrungen in der Entwicklungshilfe zu sammeln. Eine weitere Bindung an den ded wird dabei durchaus angestrebt.

 

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[Letzte Aktualisierung 25.01.2004, Knappe]