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Insekten ins Gehirn geschaut 


Modellsystem: An Insekten erforschte biologische Vorgänge
sind auch für die Humanphysiologie von Bedeutung.
Foto: Tiersch

Am 1. April 2003 startete das Graduiertenkolleg "Functional Insect Science". Die beteiligten Arbeitsgruppen gehen der Frage nach, wie einzelne biologische Prozesse im Körper der Insekten ablaufen. Dazu untersuchen sie verschiedene zelluläre und physiologische Mechanismen und das Verhalten der Tiere. Ziel des Kollegs ist zum einen, das Verständnis über die Physiologie der Insekten zu erweitern. Darüber hinaus dienen die Tiere auch als Modellsysteme, um biowissenschaftlich grundlegende Funktionsmechanismen zu erforschen. Viele Organe der Insekten, darunter auch das Gehirn, sind wesentlich einfacher strukturiert und enthalten weniger Zellen, als die höher entwickelter Lebewesen. Verschiedene Funktionsmechanismen laufen in diesen Organen aber ganz ähnlich ab, wie in den komplizierteren Organen höherer Lebewesen. Deshalb können an Insekten grundlegende biologische Vorgänge erforscht werden, die für weitere Teilgebiete der Physiologie, auch der Humanphysiologie, von Bedeutung sind. "Wenn wir nur untersuchen würden, wie Schaben oder Fliegen Spucke machen, würde das nicht so viele Leute interessieren", erklärt Bernd Walz, Professor am Institut für Biochemie und Biologie der Uni Potsdam und Sprecher des Kollegs, am Beispiel seines Teilprojekts. Doch die Untersuchungen lehren die Wissenschaftler auch etwas darüber, wie der Flüssigkeitstransport bei anderen Lebewesen funktioniert. Auch für die Neurophysiologie sind Insekten als Modellsystem von großer Bedeutung. So konnten bei Insekten und Wirbeltieren überraschende Parallelen beobachtet werden, zum Beispiel welche Prozesse im Gehirn beim Lernen oder Erinnern ablaufen. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Graduiertenkolleg wird gemeinsam von der Universität Potsdam, der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin durchgeführt. Insgesamt sind 12 Arbeitsgruppen aus den Bereichen der Molekular- und Zellbiologie, der Genetik, der Zell-, System-, Sinnes- und der Neurophysiologie sowie Ökologie darin zusammengeschlossen. 

Weitere Informationen: www.bio.uni-potsdam.de/grkins/index.htm 

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[Letzte Aktualisierung 25.01.2004, Knappe]