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Wo ein Wille ist...
Als Deutschlehrerin in Uruguay

Kristin Bartram, graduate from the University of Potsdam, works as a German teacher at Goethe-Institut in Montevideo, Uruguay. It was love that took her there, but she also used the opportunity of repeated visits for her professional development. After doing a practical training and carrying out empirical studies for her theses she was finally offered a job by the Goethe-Institut. Being a German teacher means for her primarily to impart knowledge of the German language in a creative and playful way, but also to develop a permanent dialogue and intercultural exchange in the class. Kristin has also been teaching German in summer courses in Germany, which is a great occasion for her to spend some time in her homeland. Meanwhile she also teaches also literature at a private grammar school in Montevideo.


Mit dem Fahrrad durch Montevideo: Kristin Bartram.
Foto: privat

Wo ein Wille ist, findet sich auch ein Arbeitsplatz, sagt Kristin Bartram. Die Absolventin der Uni Potsdam von 2000 arbeitet heute als Deutschlehrerin in Uruguay, einem Land, welches aufgrund der jahrzehntelangen politischen und wirtschaftlichen Stabilität und der hohen Sicherheit einst die „Schweiz Südamerikas" genannt wurde. Nicht der Beruf, sondern die Liebe war es, die sie zunächst dorthin brachte. 1999 besuchte sie ihren jetzigen Mann, den sie auf einer Reise nach Frankreich kennen gelernt hatte, in Montevideo. Dort verliebte sie sich ein zweites Mal: in das südamerikanische Land mit seinen weiten Hügellandschaften und Stränden, mit Seelöwen, Sternenhimmel und Lagerfeuern, Wein und Geschichten...


Deutsch lernen im Ausland: 
Das Goethe-Institut in Montevideo.
Foto: privat

Schon während meines ersten Besuches habe ich im Goethe-Institut in Montevideo angefragt, ob ich mein im DaF-Studium (Deutsch als Fremdsprache) vorgesehenes Praktikum hier absolvieren kann und wurde mit offenen Händen empfangen. So flog ich kurz darauf zum zweiten Mal nach Uruguay und blieb mit einem Stipendium des DAAD immerhin für drei Monate. Im Goethe-Institut wurden mir alle Türen geöffnet – ich konnte hospitieren, eigene Unterrichtsversuche durchführen und habe an einer parallel laufenden Lehrerausbildung teilgenommen. Vollbepackt mit Energie und Ideen kam ich nach Potsdam zurück und konnte während des letzten Studienjahres schon viel gezielter die Theorien erlernen, die mir für die Unterrichtspraxis hilfreich sein würden. Zum dritten Mal kehrte ich zurück, um Unterrichtsversuche für meine Magisterarbeit durchzuführen, die sich mit dem Einsatz von Musik im Fremdsprachenunterricht beschäftigten. Jeder Aufenthalt wurde länger. Kurz vor meiner Rückreise nach Deutschland bot mir das Goethe-Institut an, als Honorarkraft anzufangen. Für mich stand damit fest, dass ich nach Uruguay zurückkommen würde.


Im Zentrum von Montevideo, der
Hauptstadt der "Schweiz Südamerikas".
Foto: privat

Heute sind es etwa drei Jahre, dass ich als Honorarkraft am Goethe-Institut Montevideo angestellt bin. Die Hauptstadt Uruguays liegt im Süden des Landes und hat etwa eineinhalb Millionen Einwohner, das ist etwa die Hälfte der Bevölkerung. Der Tango kommt aus dieser Region und Rindfleisch ist so wichtig, wie bei uns das tägliche Brot. Die Stadt liegt direkt am Rio de la Plata. Die Uferstraße entlang fahre ich nun jeden Tag zur Arbeit.

Im Institut arbeiten im Sprachbereich derzeit zwei fest angestellte Lehrer und drei Honorarkräfte. Deutschkurse werden auf allen Niveaus angeboten und finden meist am Abend statt, da die Kursteilnehmer einem normalen Arbeitsleben nachgehen. Etwa 120 Schüler lernen hier aus verschiedenen Gründen Deutsch. Oft sind es berufliche Kontakte mit deutschen Firmen, das Interesse an der deutschen Kultur oder ein familiärer Hintergrund wie deutschsprechende Großeltern. Das große Interesse der Kursteilnehmer erleichtert meine Arbeit, da ich mich um die Motivation im Unterricht kaum kümmern muss. Trotzdem ist der Unterricht so spielerisch und kreativ wie möglich, denn wichtig ist die Kommunikation in der Fremdsprache. Das Interesse an landeskundlichen Themen ist sehr groß, so dass oft Dialoge zustande kommen, in denen ich über meine Heimat ausgefragt werde und die Gelegenheit nutze, viel über die uruguayische Gesellschaft zu erfahren. Dass ich in Spanisch einen recht starken Akzent habe, hilft im Unterricht. Meine Schüler hören, dass auch ich eine Sprache lerne, wodurch ihre Angst, selbst in der Fremdsprache zu sprechen, reduziert wird.


Wie die Gauchos: 
Unterwegs im Landesinnern von Uruguay.
Foto: privat

Bisher hatte ich jedes Jahr die Möglichkeit, für zwei bis drei Monate in Deutschland Sommervertretungen im Goethe-Institut Dresden zu übernehmen. Dieser Aufenthalt in der alten Heimat ist mir sowohl aus beruflichen als auch aus privaten Gründen sehr wichtig. In Dresden reisen die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern an, um an einem intensiven Sprachkurs mit fünf bis sechs Unterrichtsstunden täglich teilzunehmen und auch tagsüber den Kontakt mit der Sprache zu pflegen. In Uruguay sind die Gruppen homogen: Alle haben die gleiche Muttersprache, so dass man komparativ arbeiten kann. Der Lernfortschritt ist natürlich bei drei Wochenstunden nicht mit dem eines Intensivkurses in Deutschland zu vergleichen.

Mittlerweile unterrichte ich außer Deutsch als Fremdsprache auch Literatur an einem privaten Gymnasium in Montevideo, um Schüler auf das Internationale Abitur vorzubereiten. Beide Arbeiten machen sehr viel Spaß, da ich einerseits viel Kontakt mit Uruguayern und Deutschen habe und andererseits selbst viel dabei lerne.

Kristin Bartram

Kontakt: Kristin Bartram, Tel.: ++598 2 712 4745 oder E-mail: kristin.willner@gmx.de.
Weitere Informationen: Goethe-Institut, Dachauer Straße 122, 80637 München, Tel.: +89 159 210, www.goethe.de und Goethe-Institut in Montevideo: www.goethe.de/montevideo 

 

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[Letzte Aktualisierung 25.01.2004, Knappe]