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7. Ausgabe: Dezember 2009
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Von der Hand in den Mund

Martin Scholz erlebt beruflich unsichere Zeiten

It has been a number of years since he finished his degree in German studies, sport science, and political science. Since then, though, Martin Scholz has not succeeded in planting firm professional roots. Beginning in 2002, he worked for many years in the press and public relations department of the economically-precarious football club FC Sachsen. This job was interesting on a professional level, but financially it was an adventure. In the meantime, Scholz is looking for work and is active as a volunteer. He sees the lack of specialization in his studies as a handicap.

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Strebt mehr nach Spaß am Job als nach
hochdotierter Stelle: Martin Scholz.
Foto: privat

Sein Studium der Germanistik, Sportwissenschaft und Politikwissenschaft liegt für Martin Scholz schon einige Jahre zurück. Feste berufliche Wurzeln konnte er seither aber jedoch noch nicht schlagen. Sein 2002 angetretener Job als Mitarbeiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim kontinuierlich in wirtschaftlich schwieriger Situation befindlichen FC Sachsen gestaltete sich zwar fachlich interessant, finanztechnisch gesehen aber eher als Abenteuer. Inzwischen ist Scholz auf Arbeitssuche, nicht jedoch ohne sich weiter ehrenamtlich zu engagieren. Seine fehlende Spezialisierung im Studium erlebt er als Handicap.

Kurz vor dem Abitur kristallisierte sich bei mir der Wunsch heraus, einen beruflichen Weg im Bereich des Sportjournalismus einzuschlagen. Wie jedoch einen Beruf ergreifen, der keinen zwingend vorgegebenen Ausbildungsweg vorsieht? Ein Hochschulstudium absolvieren, nebenher Praxis-Erfahrungen sammeln und anschließend ein Volontariat absolvieren - so lautete die nahezu einhellige Empfehlung aller Befragten für den „klassischen“ Einstieg.

Die Wahl eines Magisterstudiums lag nahe, da ich Germanistik und Sportwissenschaften kombinieren wollte. Weil es Letzteres nur als Nebenfach gab, musste ein weiteres Nebenfach gewählt werden. Ich entschied mich für Politikwissenschaften, um gewissermaßen ein zweites Standbein zu besitzen und in journalistischer Hinsicht nicht nur auf Sport festgelegt zu sein. Und doch schien sich alles wie gewünscht in diese Richtung zu entwickeln: Parallel zum Studium war ich drei Jahre lang Pressesprecher bei einem Handball-Verein, absolvierte drei einschlägige Praktika und war als freier Mitarbeiter für diverse Zeitungen und Zeitschriften tätig. Bei Erlangung des Magister-Grades im Frühjahr 2002 standen bereits über 700 honorierte Artikel-Veröffentlichungen zu Buche. Mit dem erhofften Volontariat wollte es aber trotzdem nicht klappen. Lediglich bei einem Verlag in Sindelfingen hätte ich eine solche Stelle antreten können. Dass ich absagte, lag nicht in der großen räumlichen Entfernung von meiner Heimatstadt Berlin begründet, sondern vielmehr in der Tatsache, dass die Stelle zeitnah besetzt werden musste und ich so nur ein Vierteljahr Zeit gehabt hätte, die zum damaligen Zeitpunkt noch ausstehende Magister-Arbeit zu schreiben. Statt eines „Schnellschusses“ erstellte ich die Arbeit mit umfangreichen Recherchen über einen Zeitraum von neun Monaten, was sich zweifellos positiv auf die Qualität derselben (Note 1,0), nicht jedoch auf die Verwirklichung meines Berufsziels auswirkte.

Mangels anderer Alternativen folgte ich nach dem Studium der Bitte meines Cousins, der kurz zuvor beim Fußballclub Sachsen Leipzig das Vorstandsamt übernommen hatte, ihn im organisatorischen Bereich zu unterstützen. Mein Aufgabengebiet, von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zu Marketing, Buchhaltung und Spielbetriebsorganisation, war abwechslungsreich und interessant, so dass ich die nicht gerade üppige Bezahlung in Kauf nahm. Darüber hinaus baute ich als Trainer und Abteilungsleiter den zuvor nicht existierenden Bereich des Frauen- und Mädchenfußballs auf. Dabei kam mir zugute, dass ich im Rahmen des Studiums eine Trainerlizenz hatte erwerben können. Binnen fünf Jahren wuchs die Abteilung auf über 100 Aktive in sieben Mannschaften und wurde auf Grund ihrer Erfolge zum sächsischen Leistungszentrum ernannt. Im Jahr 2008 gelang den B-Juniorinnen sogar der Sprung unter die besten vier Teams in Deutschland. Die große Identifikation mit diesem maßgeblich von mir initiierten Projekt führte dazu, dass ich die Teams auch dann nicht im Stich lassen wollte, als die wirtschaftliche Situation des Vereins dies geboten erscheinen ließ.

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Fühlt sich wohl in der Halle und auf dem Platz:
Martin Scholz mit seinen Handballerinnen.
Foto: privat

Auf die Frage von Bekannten, was ich mit meinen Studienfächern beruflich alles machen könne, hatte ich mir mit der Zeit die Standardantwort „Alles und nichts“ angewöhnt. Das Arbeitsamt schien dies genauso zu sehen, denn in den über zwei Jahren, die ich beim Verein nur geringfügig beschäftigt und im Übrigen arbeitssuchend war, erhielt ich keinen einzigen Vermittlungsvorschlag. Die Kombination mehrerer Fächer im Magisterstudium versprach zwar eine größere Breite in der Ausbildung. Zugleich erlebte ich die mangelnde Spezialisierung auf ein Gebiet aber auch als Handicap, da man nicht wie nach bestandenem Diplom ein vergleichsweise klar umrissenes Berufsbild vorweisen konnte. Nachdem ich ab Januar 2007 wieder einen festen Arbeitsvertrag beim FC Sachsen erhalten hatte, musste der Verein im März 2009 einen Insolvenzantrag stellen. Einmal mehr rückte daher die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz in den Vordergrund. Der zuständige Vermittler ließ schon im ersten Gespräch keinen Zweifel daran, dass er kaum Chancen für eingehende Stellenangebote in den Bereichen Journalismus, Sportverwaltung und -management sieht. Die von mir versandten Initiativbewerbungen waren bislang ebenso erfolglos wie die auf Stellenangebote Bezug nehmenden Schreiben. Wiederholt machte ich die Erfahrung: Die Vergabe der ohnehin raren Stellen erfolgte zumeist über persönliche Netzwerke - um die ich mich bislang zugegebenermaßen nicht mit größtmöglicher Intensität bemüht hatte. Denn meine vor wenigen Monaten beendete Tätigkeit bereitete mir viel Freude, was eine höhere Priorität besaß als das Streben nach der höchstdotierten Stelle. Das ist auch der Grund dafür, dass ich mich zumindest noch ehrenamtlich weiter engagiere.

Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. Beim ständig von der Hand in den Mund lebenden FC Sachsen habe ich gelernt, in kurzen Zeitabschnitten zu planen, weil sich die Situation schnell ändert. Genau das macht die Aufgabe aber nach wie vor so reizvoll.

Martin Scholz



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[Letzte Aktualisierung 28.11.2009, Räder]