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7. Ausgabe: Dezember 2009
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Mit politischem Blick auf Mobilität

Sebastian Rüter arbeitet als Politikwissenschaftler für eine Gewerkschaft

The path to Sebastian Rüter’s current job was paved by qualifications that he attained through various activities during his studies of political science. Especially important for him was his work for a member of the German parliament. It was here as well where he began his journey to ‘his’ topic, transport policy. After a short detour in the advertisement industry, which ended in for him a cul-de-sac, he was hired about a year after graduation as a union secretary for ‘Transnet’, a trade union for transport, service, and networks.

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Hauptberuflich aktiv für die Rechte der Arbeitnehmer:
Sebastian Rüter.
Foto: privat

Den Weg in seinen jetzigen Job hat sich der studierte Politologe Sebastian Rüter über Qualifikationen geebnet, die er in verschiedenen Tätigkeiten während des Studiums erwarb. Ganz besonders wichtig war für ihn dabei die Arbeit für einen Bundestagsabgeordneten. Auch zu „seinem“ Thema, der Verkehrspolitik, kam er auf diesem Weg. Nach einem Abstecher in die Werbebranche, der sich für ihn als Sackgasse erwies, trat er rund ein Jahr nach Studienabschluss seinen derzeitigen Job als Gewerkschaftssekretär bei der „Transnet“ an, der Gewerkschaft für den Transportsektor, Service und Netze.

Seit März 2009 bin ich als Gewerkschaftssekretär bei der „Transnet“ angestellt. Meine Arbeit im Vorstandsbereich des Vorsitzenden Alexander Kirchner umfasst die Verkehrspolitik, die internationalen Kontakte und Gremienarbeit der Gewerkschaft. Ein sehr spannendes Arbeitsfeld zwischen EU-Verordnungen im Schienenverkehrsbereich und internationalen Gremien, in denen die „Transnet“ Mitglied ist.

Zwischen meiner letzten Prüfung in Potsdam und meinem „richtigen“ Berufseinstieg lagen genau elf Monate. Gearbeitet habe ich allerdings schon während meines gesamten Studiums, die letzten Jahre für Bundestagsmitglied Sören Bartol, sozialdemokratischer Verkehrspolitiker und Abgeordneter aus Marburg-Biedenkopf (Hessen). Die Arbeit dort hat sicherlich zu meiner Affinität zur Verkehrspolitik beigetragen. Mein Politik-Studium habe ich dann auch mit einer Arbeit über die Liberalisierung, Reregulierung und Privatisierung von Dienstleistungen des Öffentlichen Personennahverkehrs in Deutschland und Frankreich abgeschlossen.

Auf Umwegen zum Ziel


Zur „Transnet“ bin ich allerdings nicht direkt vom Abgeordnetenbüro sondern erst über einen kleineren Umweg gekommen. Meine Bewerbungen am Ende des Studiums und kurz danach waren zunächst nicht besonders erfolgreich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Stellenausschreibungen im Politikbereich meist sehr speziell sind und es immer jemand gibt, der noch besser zum Anforderungsprofil passt. Und einige Stellen sind nur pro forma ausgeschrieben; eigentlich steht schon fest, wer am Ende den Job bekommt. Das ist zwar sicherlich nichts Spezielles für meinen Berufsstand, aber in jedem Fall sehr ärgerlich, wenn man es nach Bewerbung und Vorstellungsgespräch erfährt.

Ein Stellenangebot in der Potsdamer Politik habe ich ausgeschlagen und mich danach oft geärgert. Stattdessen habe ich das Angebot einer Werbeagentur angenommen, die Politologen zum Aufbau einer Abteilung für Political Affairs suchten. Dort sollte ich nach einem dreimonatigen Praktikum ein 18-monatiges Volontariat absolvieren. Zwar war die Bezahlung „unterirdisch“, die Aufgaben habe ich mir aber spannend und zukunftsorientiert vorgestellt. Umgeben von Werbeleuten, die schnell ihre Produkte verkaufen und von Politik nichts hören wollten, habe ich mich dort jedoch leider nie wohl gefühlt. Nach dem Ende des Praktikums bin ich deshalb nicht dort geblieben. Immerhin habe ich aber so einiges über den Alltag in einer Werbeagentur gelernt.


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Zug um Zug: Auf dem Gebiet der Verkehrspolitik war
Sebastian Rüter schon während des Studiums aktiv.
Foto: Transnet

Die Stellenausschreibung der „Transnet“ folgte bald darauf und diesmal passte das Anforderungsprofil sehr gut zu mir und ich zum Profil. In der Bewerbungsphase haben mir sicherlich meine Arbeit für einen Verkehrspolitiker, die jahrelange Erfahrung im parlamentarischen Bereich sowie die damit verbundenen Kontakte geholfen. Mit einigen meiner jetzigen Kolleginnen und Kollegen habe ich bereits vom Abgeordnetenbüro aus zusammengearbeitet. Die persönlichen Kontakte in das Parlament und zu politischen Akteuren aus meiner Zeit im Bundestag helfen mir heute bei meiner Arbeit für die „Transnet“.

Praxis ist wichtig


Viele „Skills“ habe ich nicht in der Uni sondern nebenbei während der Arbeit für verschiedene politische Akteure erworben. Ein Pflichtpraktikum von mindestens einem Semester, in einem Stück zu absolvieren, halte ich deshalb für sinnvoll. Wenn irgendwie möglich sollte man als angehender Politologe auch studienbegleitend im politischen Umfeld arbeiten – angestellt oder auch ehrenamtlich. Die Einblicke über einen längeren Zeitraum sind sehr wichtig, denn damit lernt man, wie Menschen in der Politik arbeiten und „ticken“. Problematisch kann dabei jedoch der finanzielle Aspekt sein. Praktika sind eher schlecht oder gar nicht bezahlt. Gleichzeitig lässt ein Vollzeitpraktikum keine Zeit für einen Nebenjob. Wer sich damit seinen Lebensunterhalt verdienen muss, hat dann ein Problem.

Den Eindruck, dass es Geisteswissenschaftler beim Berufseinstieg schwerer haben als andere Absolventen, hatte ich nicht. Es gibt nur kein so definiertes Berufsfeld wie für andere Fachrichtungen. Wir sind da breiter aufgestellt. Das heißt aber auch, dass wir im Rahmen unserer Ausbildung ein größeres Betätigungsfeld und somit viel mehr berufliche Möglichkeiten haben als andere.

Sebastian Rüter



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[Letzte Aktualisierung 28.11.2009, Räder]