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7. Ausgabe: Dezember 2009
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Experimentieren und Studieren

Slawist Darius Polok hat sich seinen Job bei einer Stiftung praktisch selbst geschaffen

Darius Polok, born in Psykowice in Poland, came to the Federal Republic in 1978. He studied Slavonic studies, philosophy, and German studies in Bochum, Breslau, and Potsdam. Already during his studies, he worked as an editor for the Robert Bosch Foundation in Bydgoszcz, Poland and as a contributor for the Friedrich Ebert Foundation in Potsdam. As a co-founder of the association MitOst e.V., Polok first organised volunteer projects and then founded and led its Theodor-Heuss-Kolleg. Since 2004, he has been heading a programme funded by the Robert Bosch Foundation “Cultural managers in Central and Eastern Europe”.

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Darius Polok war schon als Student für die Robert
Bosch Stiftung als Lektor tätig.
Foto: privat

Darius Polok, im polnischen Pyskowice geboren, kam 1978 in die Bundesrepublik. Er studierte in Bochum, Breslau und Potsdam Slawistik, Philosophie und Germanistik. Schon während des Studiums war er Lektor der Robert Bosch Stiftung in Bydgoszcz (Polen) und Referent bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Potsdam. Als Mitbegründer des MitOst e.V. organisierte er zunächst ehrenamtliche Projekte und leitete das im Jahre 2000 von ihm gegründete Theodor-Heuss-Kolleg. Seit 2004 leitet er das von der Robert Bosch Stiftung geförderte Programm „Kulturmanager aus Mittel- und Osteuropa“.

Zwischen meiner Immatrikulation und dem Studienabschluss 2003 in Potsdam vergingen zehn Jahre. Durch die lange Studienzeit war es mir aber möglich, gleichzeitig Erfahrungen als Taxifahrer, Sprachlehrer und Reiseleiter zu sammeln und mich ehrenamtlich in der internationalen Bildungsarbeit zu engagieren. Die Universität gab mir somit auch indirekt gute Grundlagen für meinen heutigen Beruf. Zunächst jedoch stellte ich ernüchtert fest, dass die Studieninhalte nicht nach ihrer Relevanz für Gegenwart und Zukunft der Slawistik ausgewählt waren, ebenso wenig wie nach den späteren Arbeitsfeldern für die Absolventen dieses Faches.

Um Praxiserfahrung zu gewinnen, habe ich das ordentliche Studium für ein Auslandssemester in Polen, einen Sprachkurs in Russland und zwei Semester Unterrichtspraxis als Lektor der Robert Bosch Stiftung in Polen unterbrochen. Nach dem Lektorat und parallel zum Hauptstudium war ich an der Gründung des MitOst e.V. beteiligt, einem Verein für Mittel- und Osteuropabegeisterte und ein Experimentierfeld für innovative Projektideen im Bereich des Sprach- und Kulturaustauschs. In ehrenamtlichen Projekten habe ich in den folgenden Jahren dort nonformale Bildungsprojekte für Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen und Lerntraditionen entwickelt. Noch während des Studiums erhielt ich die Möglichkeit, eines dieser Projekte zu einem jährlichen Stiftungsprogramm auszubauen. Der Einsteig in meinen jetzigen Beruf war also ein langjähriger, kontinuierlicher Übergang vom Studium beziehungsweise ehrenamtlicher Arbeit, basierend auf Eigeninitiative und der damit verbundenen Lust, neue Wege auszuprobieren.

Die Gründung einer Non-Profit-Organisation weist zwar einige Parallelen zur Gründung eines Unternehmens auf. Allerdings gibt es auch Unterschiede, die den Start für Non-Profit-Organisationen schwerer machen: Für Existenzgründer gibt es Beratungsagenturen und Checklisten – die Gründer von nichtstaatlichen und Non-Profit-Organisationen müssen ohne diese Wegweiser auskommen und sind auf ein mühseliges Trial-and-Error-Verfahren angewiesen. Das Grundkapital bekommen Startups bei Vorlage eines Businessplans und entsprechend hoher Renditeerwartung von einer Bank. Das „Grundkapital“ im Non-Profit-Sektor sind dagegen zunächst nur die Erfahrungen der Beteiligten und ihre Kontakte zu Zielgruppen und potentiellen Förderern.

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Im Verein MitOst e.V. kommen Mittel- und Osteuropabegeisterte
zusammen. Darius Polok ist einer der Gründer.
Foto: privat

Hätte ich an der Universität zusätzlich zur Qualifikation im wissenschaftlichen Arbeiten Grundlagen im Projektmanagement, im Fundraising, in der Durchführung von Kampagnen oder in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erwerben können, hätte dies meinen Berufsstart sicher erleichtert. In meiner Studienzeit hatte es sich aber an den Unis noch nicht herumgesprochen, dass der Non-Profit-Bereich und das Stiftungswesen ein wichtiger beruflicher „Landeplatz“ für Geisteswissenschaftler sind und auch künftig sein werden.

Die vielen Unverbindlichkeiten des Uni-Systems gaben mir aber die Chance, mich parallel zum Studium für meinen heutigen Beruf zu qualifizieren. Von den während des Studiums erworbenen Kompetenzen, welche mir in meiner Tätigkeit als Projektleiter hilfreich sind, fallen mir spontan ein: Durchhaltevermögen in unklaren Situationen, Orientierungssinn in einer grenzenlosen Menge von Informationen und das termingerechte Verfassen von Berichten. Aber selbst diese Fertigkeiten habe ich nur erwerben können, weil ich mir stets Experimentierbühnen gesucht und geschaffen habe, auf denen ich weitgehend eigenverantwortlich agieren konnte. Wesentliche Kompetenzen für das Management im Non-Profit-Bereich, die heute von Hochschulabsolventen erwartet werden, sind Erfahrung in der Entwicklung und Leitung von Projekten, ein verbindlicher Leitungsstil und Teamgeist oder die Souveränität im Umgang mit und in Krisen. Diese können nur außerhalb der Seminare entweder im Nebenjob, im Praktikum oder in der ehrenamtlichen Projektarbeit erworben werden. Für diese Persönlichkeitsbildung braucht es auch in Zukunft Freiräume im Curriculum und Studierende, die diese zu nutzen wissen.

Darius Polok



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[Letzte Aktualisierung 28.11.2009, Räder]