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7. Ausgabe: Dezember 2009
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Auf unbekanntem Terrain

Diplompsychologin Muriel Helbig hat sich zur Wissenschaftsmanagerin entwickelt

After her doctoral studies in psychology, Muriel Helbig worked in a profession about which she had heard nothing prior. She was a science manager at the University of Jena. She saw her position there as an opportunity to further her qualifications, develop expertise, and network. Recently, she took on a position at the Bauhaus University in Weimar as the head of its International Office.

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Bildungsmesse in Boston: Auch Werbung für die eigene Uni
gehörte zum Job der Wissenschaftsmanagerin.
Foto: privat

Muriel Helbig arbeitete nach ihrer Promotion zunächst in einem Beruf, von dem sie vorher noch nie gehört hatte. Sie wurde Wissenschaftsmanagerin an der Universität Jena. Die Diplompsychologin sah diese Position als Möglichkeit, sich weiterzubilden, Expertise zu entwickeln und Kontakte zu knüpfen. Seit Kurzem leitet sie nun das Dezernat Internationale Beziehungen an der Bauhaus-Universität Weimar.

Im Jahr 2002 beendete ich mein Studium der Psychologie an der Universität Potsdam. Unmittelbar darauf begann ich mit einer Promotion an der Universität Jena. War das mein Berufseinstieg? Jein. Nein, denn ich bezog ein Stipendium und war weiterhin als Studentin eingeschrieben. Nein, denn eine Promotion ist eine Weiterqualifikation. Ja, denn die während der Promotion gesammelte Erfahrung ist für mich Berufserfahrung. Und letztlich ja: Wäre ich für die gleiche Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin eingestellt und aus Drittmitteln oder Hausmitteln finanziert worden, hätte dies selbstverständlich als Berufstätigkeit gezählt. Nehmen wir die Promotion also als Berufseinstieg. Warum wollte ich überhaupt promovieren? Erstens: Ich hatte Spaß an meiner Diplomarbeit und wollte gerne weiter forschen. Zweitens: Ich wollte in die USA.

Die Betreuerin meiner Diplomarbeit, Frau Prof. Barbara Krahé, leitete mir eine Ausschreibung aus Jena weiter. Jena liegt zwar nicht in den USA, aber das Graduiertenkolleg dort versprach Internationalität, ausgezeichnete Forschung und Betreuung im Verbund. Einziges Problem: Ich war mit dem Studium noch nicht fertig und meine Noten waren gut, aber nicht überragend. Ich schrieb eine flammende E-Mail und wurde aufgefordert, mich trotzdem zu bewerben.

Dass es mit dem Promotionsstipendium tatsächlich geklappt hat, lag vermutlich an mehreren Dingen. Zum Ersten fügte ich mich gut in das Programm: Mein Diplomarbeitsthema passte, ich hatte am richtigen Lehrstuhl als studentische Hilfskraft gearbeitet, ich brachte internationale Erfahrung mit und spreche fließend Englisch. Zum Zweiten hatte ich Unterstützung durch meine Professorin: Dass sie telefonisch Auskunft über mich gab, war für meine Zulassung enorm wichtig. Und zum Dritten, so fürchte ich, gab es erstaunlich wenige Bewerber. Aber auch ich war bereit, einige Kompromisse einzugehen. Ich stimmte einem anderen Betreuer zu, als ursprünglich gewünscht, und einem völlig anderen Thema. Dafür verschob man in Jena den Aufnahmetermin, bis ich mein Studium beendet hatte.

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Bauhaus-Universität Weimar:
Die neue Wirkungsstätte von Muriel Helbig.
Foto: Nathalie Mohadjer

Drei Jahre später stand mit Abgabe der Dissertationsschrift der nächste Schritt bereits fest: Mein Professor übernahm mich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für sechs Monate auf einer halben Stelle. In der Zeit bewarb ich mich auf drei Stellen. Tatsächlich wechselte ich aber auf eine Position, die mir angetragen wurde. Ich wurde Koordinatorin des Graduiertenkollegs, in dem ich zuvor promoviert hatte, und einer Graduiertenschule, die im Rahmen der Exzellenzinitiative aufgebaut wurde (und den Zuschlag dann zwar nicht erhielt, heute aber dennoch existiert). Ein Jahr später wechselte ich als Referentin an die neu gegründete Graduierten-Akademie der Uni Jena. Mit einem Schlag war ich – Wissenschaftsmanagerin. Mein Berufsziel war das nicht. Ich hatte ja zuvor nicht einmal eine Ahnung davon, dass es diesen Beruf überhaupt gibt. Und das, obwohl Wissenschaftsmanager seit meinem Studium ständig um mich herum waren.

Wissenschaftsmanager arbeiten an Universitäten, zum Beispiel in Graduiertenkollegs, im akademischen Auslandsamt, im Forschungstransfer, in Bologna-Büros, in Alumni-Einrichtungen. Sie arbeiten in nationalen und internationalen Wissenschaftsorganisationen oder in Kultur- und Wissenschaftsministerien. Kurz: Sie sind unter uns, überall, und ihre Tätigkeit wird europaweit mehr und mehr anerkannt.

Ich war als Wissenschaftsmanagerin im Bereich der (Post-)Doktorandenqualifizierung unter anderem mit Veranstaltungsorganisation, Öffentlichkeitsarbeit, Internationalisierung, Beratung, Gleichstellungs- und Familienfragen betraut, beschäftigte mich mit Promotionsordnungen, Stipendienanträgen, Rekrutierung, Bewerbungsverfahren, Umfragen, Finanzen, Corporate Design, Betreuungsvereinbarungen, Doppelabschlüssen. Das habe ich nicht gelernt. Das lernte ich „on the job“, in Weiterbildungsveranstaltungen, durch den Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten.

Wenn ich so zurück denke, war es einfach, Wissenschaftsmanagerin zu werden und mein Berufseinstieg ergab sich aus eigenem Einsatz, externer Unterstützung und Zufall. Es ist aber gar nicht der Berufseinstieg, den ich als Knackpunkt in meinem Lebenslauf ansehe. Mit dem Berufseinstieg habe ich es nicht „geschafft“: Die Verträge sind befristet, die Bezahlung ist –im Vergleich zur freien Wirtschaft – nur „in Ordnung“, das Aufgabenspektrum auf Dauer nicht befriedigend. In Führungspositionen sitzen meist Professoren mit einer beeindruckenden wissenschaftlichen Vita. Ich denke, in diesem Bereich geht es darum, Expertise zu entwickeln, Kontakte zu knüpfen, Mentoren zu finden und sich durch Projekte auszuzeichnen. Keinesfalls sollte man im Alltagsgeschäft hängen bleiben.

Im Oktober 2009 bin ich einen weiteren Schritt in meiner beruflichen Entwicklung gegangen. Ich leite nun das Dezernat Internationale Beziehungen an der Bauhaus-Universität Weimar. Für mich ist es eine völlig neue Aufgabe und große Herausforderung. Mein erster Eindruck vom neuen Job: Er macht unheimlich viel Spaß.

Muriel Helbig



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[Letzte Aktualisierung 28.11.2009, Räder]