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7. Ausgabe: Dezember 2009
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Zahlen, bitte!

Fachliche Spezialisierung, Eigeninitiative und frühzeitige Stellensuche förderten Kay Engelhardts Berufseinstieg

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Als Berater international tätig: Kay Engelhardt.
Foto: privat

Kay Engelhardts Abschluss der Politikwissenschaften an der Uni Potsdam liegt gut elf Jahre zurück. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er bei der Sozialforschungsstelle Dortmund und später als Projektleiter beim Bonner Sozialforschungsinstitut infas. Später arbeitete er in New York für Unicef, in Ekuador für das Meinungsfoschungsinstitut Cedatos-Gallup und war Bereichsleiter der Abteilung Sozialforschung für TNS in Vietnam. Derzeit ist er in Osttimor als freiberuflicher Berater für Statistik, Umfragen und Evaluierungen tätig und berät bilaterale oder internationale Organisationen, wie beispielsweise Unicef oder die GTZ.

Als ich anfing zu studieren, hieß es, dass Politikwissenschaftler im Grunde auf "Diplom-Taxifahrer" studieren würden. Sie könnten von allem ein bißchen, aber nichts richtig. Das ist natürlich nicht wahr, da man kann sich, entgegen der Vorurteile, durchaus spezialisieren kann. Wie sich herausstellte, galt mein Interesse genau dem, womit andere möglichst wenig zu tun haben wollen: Statistik. Zum Glück gab zu dieser Zeit an der Uni Potsdam eine Menge Kurse, die um das Thema "Zahlen" (meistens im Bereich "Wahlen") kreisten. Entsprechend verließ ich im September 1998 mit einer empirischen Diplomarbeit in der Hand und einer Menge Theorien im Kopf den Uni-Standort Griebnitzsee.

Da klar war, dass die Jobsuche nicht einfach sein würde, fing ich deshalb damit auch etwa ein Semester vor der Diplomarbeit damit an. Wie sich schnell herausstellte, war an dem oben erwähnten düsteren Ausblick durchaus etwas dran. In Zeitungen oder im Internet gab es kaum Ausschreibungen für Sozialwissenschaftler, für Politikwissenschaftler mit einem Hang zu Statistik ganz zu schweigen. Also recherchierte ich bundesweit nach Markt- und Sozialforschungsfirmen und sendete, neben der einen oder anderen Bewerbung auf Stellenausschreibungen, Initiativbewerbungen.

Eine Menge dieser Initiativbewerbungen verliefen im Sande: Immerhin sendet man seinen Lebenslauf auf gut Glück an Firmen, die einen interessieren, die aber nicht unbedingt Personalbedarf haben: Manchmal wurde mir mitgeteilt, dass eine entsprechende Stelle gerade neulich erst besetzt wurde, keine Stelle geplant sei oder man war gerade dabei war, Stellen abzubauen. Hier und da jedoch, wenn Personalbedarf und mein Profil eine günstige Konstellation eingingen, wurde ich für ein Interview eingeladen. So unterschrieb ich nach ein paar Monaten Suche und kurz nach meinem Abschluss meinen ersten Arbeitsvertrag in Dortmund.

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Jobsuche als Lernprozess: Erlebnis von immer
neuen Erfahrungen.
Foto: privat

Obwohl die Jobsuche - und insbesondere die erste - über weite Strecken frustrierend sein kann, ist sie aber auch ein wichtiger Lernprozess: Dadurch, dass man konstantes Feedback bekommt, weiß man, was man beim nächsten Anschreiben oder beim nächsten Interview besser machen sollte und wird daher immer besser.

Ich bin mir nicht sicher, ob man als Sozialwissenschaftler einen schwereren Berufseinstieg hat als andere Absolventen. Die meisten Leute, die ich kenne, unabhängig vom Studiengang, berichten mehr oder weniger von ähnlichen Erfahrungen. Auf der einen Seite hat man per se kein klares Jobprofil, wie zum Beispiel ein Mediziner oder ein Jurist. Das wird oft als Nachteil dargestellt. Auf der anderen Seite ist man flexibel, sein Studium selbst zu gestalten und die Bereiche zu belegen, die einen am meisten interessieren und in denen man vielleicht sogar einmal arbeiten möchte. Das empfinde ich als enormen Vorteil. Der kommt aber bei der Jobsuche nur zum Tragen, wenn man sich schon während des Studiums einen klaren Schwerpunkt zulegt, etwa durch Praktika, Kurse und durch eine entsprechende Diplom- oder Magisterarbeit.

Zu meiner Zeit an der Uni Potsdam war die akademische Betreuung optimal; zuweilen waren wir nur fünf Studierende in einem Seminar. Diese Rahmenbedingungen ermöglichten mir ein intensives Studium, von dem ich zweifelsohne bei meinem Berufseinstieg profitiert habe. Da sich Dinge wie Praktikumsvermittlung und Seminare zur Berufsperspektiven damals noch im Aufbau befanden, haben sich viele meiner Kommilitonen den Weg ins Berufsleben noch meist selbst gebahnt. Wenn ich die Uni Potsdam heute - vor allem virtuell - besuche, sehe ich dort eine Vielzahl von Informationen zum Career Center oder zu Mentoring-Programmen, zu Praxisseminaren oder zum Aufbau von (Alumni-)Netzwerken. Ich denke, dies sind wertvolle Beiträge, Studierenden und Absolventen neben der rein akademischen Ausbildung auch Perspektiven nach der Studienzeit aufzuzeigen.

Kay Engelhardt



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[Letzte Aktualisierung 14.12.2009, Räder]