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6. Ausgabe: Dezember 2008
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Hier stimmt die Chemie

Katherina Reiche findet viele Verbindungen zwischen ihrem naturwissenschaftlichen Studium und der Politik

The "Lindauer Zeitung" was the first newspaper to publish a large photograph of Katherina Reiche, even before she became nationally known after her election to the German parliament in 1998. The paper from the small city with 24,000 inhabitants was faster than the competition from Munich, Berlin, or Frankfurt in featuring Reiche, who later would become a vice-chairperson of the CDU/CSU parliamentary group. The newspaper's editors foresaw perhaps her quick rise to prominence in the political scene when, as a chemistry student at the University of Potsdam, she took part in a Nobel prize laureates' meeting in Lindau. Today, she utilizes her education in the natural sciences in her work as the Christian Democrats' responsible member in parliament for the areas of education and research, environmental and conservation affairs, and reactor security.

Die "Lindauer Zeitung" war das erste Blatt, das Katherina Reiche ein großes Foto widmete, noch bevor sie 1998 mit ihrem Einzug in den Bundestag die erste bundesmediale Aufmerksamkeit auf sich zog. Die Zeitung aus der 24.000-Einwohner-Stadt war schneller als die Konkurrenz aus München, Berlin oder Frankfurt und setzte die spätere stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bereits früh an exponierter Stelle in ihrem Blatt in Szene. Die Redakteure ahnten vielleicht schon, welch rasante Karriere Katherina Reiche aufs politische Parkett legen würde, als sie in Lindau als Chemiestudentin der Universität Potsdam am Nobelpreisträgertreffen teilnahm. Heute bringt sie ihre Kenntnisse aus dem naturwissenschaftlichen Studium als Zuständige für die Bereiche Bildung und Forschung, Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in die Arbeit der christdemokratischen Bundestagsfraktion ein.

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Seite an Seite mit der Kanzlerin: Katherina Reiche
ist in der Führungsspitze der Christdemokraten angekommen.
Foto: CDU

Mit einer promovierten Chemikerin als Mutter und einem Vater, der Ingenieur für Kunststoffwesen und Verfahrenstechnik ist, was sollte ich studieren, wenn nicht Chemie? Gegen diese "erbliche" Vorbelastung war nicht viel zu machen: 1992 habe ich mich im Studiengang Chemie an der Uni Potsdam eingeschrieben. Aber im Ernst, die Chemie hat mich schon immer interessiert und an Potsdam hat mir die Überschaubarkeit und die Nähe zu meinem Heimatort Luckenwalde gefallen. In den Gründerjahren der Uni herrschte eine gewisse Aufbruchstimmung und das fand ich spannend. Es war viel in Bewegung und als Mitbegründerin des Rings Christlich Demokratischer Studenten in Potsdam konnte ich gleich gestaltend an der Hochschullandschaft mitwirken.
Besonders hilfreich war die internationale Vernetzung der Lehre. Vor allem Prof. Erich Kleinpeter vom Institut für Chemie bin ich dankbar dafür, dass er mir immer unterstützend zur Seite stand, wenn es darum ging, Auslandsaufenthalte in die Wege zu leiten. Ich habe mich an der Clarkson University in New York und zweimal an der finnischen Universität Turku mit internationalen Forschungsperspektiven und Arbeitsweisen vertraut machen können.
Dass eigentlich ein Weg in der Wissenschaft vorgezeichnet war, hat mich mit darin bestärkt, 1997 die Kandidatur für den Bundestag zu wagen. Mein Doktorandenstudium hatte ich schon aufgenommen. Wie auch immer die Wahl also ausgehen würde: Alternativ sah ich für mich eine Zukunft in der Chemie. Ich hatte nichts zu verlieren. Doch das "Experiment" glückte. Seit 1998 sitze ich jetzt als Abgeordnete im deutschen Parlament und bin mittlerweile stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Mit der Bildungs- und Umweltpolitik sind mir in zwei zentralen Bereichen die Zuständigkeiten übertragen worden. Der Mehrwert meines Chemiestudiums liegt dabei auf der Hand. Wenn ich in ein Labor gehe, verstehe ich, was dort passiert. Der Kontakt zur Uni ist auch nie abgerissen. Ich kann zum Hörer greifen und in Golm anrufen, wenn mir ein bestimmter Sachverhalt nicht ganz klar ist. Angela Merkel, von Haus aus Physikerin, ist der Ansicht, dass man einen systematischeren Zugang zu komplexen Politikfeldern findet, wenn man durch eine naturwissenschaftliche Ausbildung geprägt ist. Dem kann ich nur zustimmen.
Diese Herangehensweise hilft mir, den zwei Ebenen meiner Tätigkeit adäquat zu begegnen. Ein Teil meines politischen Lebens findet im Bundestag statt - in der Fraktion, in Ausschüssen, beim Erarbeiten von Gesetzen. Den anderen Part bildet die Wahlkreisarbeit. Mich fasziniert die enorme Bandbreite der Aufgaben: Wenn man innerhalb weniger Stunden sowohl mit Prof. Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung als auch mit Bewohnerinnen eines Frauenhauses spricht, ist es eine Herausforderung, einen jeweils eigenen Zugang zu den unterschiedlichen Lebenswelten zu finden.

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Auseinandersetzung mit der politischen Konkurrenz:
Katherina Reiches Themen im Bundestag sind
Bildungs-, Forschungs- und Umweltpolitik.
Foto: CDU

Die eigene Lebenswelt wird als Politikerin von vielen Seiten durchleuchtet. Klar, der Umgang mit den Medien gehört zur Politik dazu. Journalisten müssen Informationen liefern und die Politik will über ihre Arbeit aufklären. Die Menschen haben einen Anspruch darauf. Deswegen ist Öffentlichkeit für mich mittlerweile das täglich' Brot. Wenngleich ich sagen muss, dass ich mich nach wie vor nicht gerne im Fernsehen sehe. Daran gewöhne ich mich nur langsam.
In dem Zusammenhang ist es immer wieder wichtig, sich eine Frage ins Bewusstsein zu rufen, wenn man im Kreuzfeuer der öffentlichen Meinung steht: Wer wird kritisiert? Die Politikerin, die für bestimmte Positionen, eine Strömung oder eine Partei steht oder die Privatperson? Diese Zielrichtungen muss man voneinander trennen. Besonders schwer ist mir das 2002 gefallen, als ich Mitglied des Schattenkabinetts von Edmund Stoiber war. Die halbe Republik interessierte sich plötzlich für meine Schwangerschaft und meinen Familienstand.
So entsteht eine Situation, die man auch innerhalb der Familie besprechen muss - mit meinem Mann, der als Landtagsabgeordneter ebenfalls eine öffentliche Rolle spielt, und unseren drei Kindern. Es muss thematisiert werden, dass nicht der Papi oder die Mami gemeint sind, wenn Angriffe von außen auch mal unter die Gürtellinie gehen. Als Politiker muss man ständig daran arbeiten, die Kinder darauf vorzubereiten, dass ihre Eltern im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, weil man natürlich nie ausschließen kann, dass es mal bittere Situationen gibt. Spannend wird es in Wahlkämpfen, wenn die Kinder die Eltern auf Wahlplakaten entdecken - dann heißt es aufgeregt: Da ist Papa und da ist Mami.

Katherina Reiche

Kontakt: Katherina Reiche, E-Mail: katherina.reiche@bundestag.de; Internet: www.katherina-reiche.de

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[Letzte Aktualisierung 12.12.2008, Schroeter]