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6. Ausgabe: Dezember 2008
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Zweigleisig musikalisch

Alex Nowitz arbeitet auf dem Gebiet improvisierter und experimenteller Musik

After studying music pedagogy, musicology, and psychology at the Ludwig Maximilian University in Munich and after taking classes in musicology at the Technical University of Berlin, Alex Nowitz studied vocal arts, elementary music pedagogy, and music theory at the University of Potsdam. Today, he works as a singer, vocalist, and whistling virtuoso. Moreover, he is also a composer of vocal, chamber, and electronic music. He composes pieces for dance, spoken word, and musical theatre as well. He has composed pieces for many well-known ensembles, among them the Chamber Academy Potsdam, and for theatres, including the Berlin State Opera. With his "Bestmannoper", Nowitz has earned merits as a composer.

Nach seinem Studium der Musikpädagogik, -wissenschaft und Psychologie an der Ludwig Maximilians Universität in München und nach Besuchen musikwissenschaftlicher Kurse an der Berliner TU studierte Alex Nowitz an der Universität Potsdam zusätzlich in den Hauptfächern Gesang/Elementarmusikpädagogik und im Nebenfach Musiktheorie. Heute arbeitet er als Sänger, Pfeif- und Stimmkünstler. Alex Nowitz ist aber auch und vor allem Komponist von Vokal- und Kammermusik, elektronischer Musik und Werken für Tanz-, Sprech- und Musiktheater. Er erhielt Kompositionsaufträge von Ensembles wie der Kammerakademie Potsdam oder von Theatern wie der Staatsoper unter den Linden Berlin. Mit seiner "Bestmannoper" erwarb er sich kompositorische Meriten.

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Auf der Bühne und als Komponist erfolgreich: Alex Nowitz.
Foto: zg.

Seit ich mit acht Jahren eine Orgel und entsprechenden Unterricht bekam, habe ich mich neben dem Erlernen des Instrumentes autodidaktisch viel mit Improvisation und Komposition beschäftigt. Die Entscheidung darüber, dies auf ein professionelles Fundament zu stellen, habe ich 1994 getroffen, als ich nach Potsdam kam. Das Studium hier habe ich letztlich absolviert, um das handwerkliche Rüstzeug fürs Komponieren zu erhalten und Lücken zu schließen. Man war hier sehr offen für meinen Lebensweg. Mich vokal und kompositorisch zu äußern, dieser Zweigleisigkeit kam das Studium sehr entgegen. Ich erlebte es als insgesamt sehr positiv, da ich mich umfassend und auch auf zeitgenössischem Gebiet weiterbilden konnte. Ich hatte hier alle Möglichkeiten, sofern ich sie gesucht habe, und fand Nischen, in denen ich mich ausprobieren und mein Tun dann in der Realisierung prüfen konnte. Für kreative Ansätze war die Zeit günstig und ohne diese ist Kunst- beziehungsweise Musikpädagogik nicht denkbar. Umso bedauerlicher ist es natürlich, dass es den Studiengang mit seiner allumfassenden Ausbildung zum Diplom-Musikpädagogen in der Weise nicht mehr gibt. Die Limitierung kreativer Ressourcen ist immer von Nachteil.
Nach dem Abschluss des Studiums im Jahre 2000 konnte ich all die gesammelten Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowohl als Sänger als auch als Komponist entsprechend anwenden. Bestimmte Qualifikationen musste ich mir allerdings darüber hinaus noch autodidaktisch aneignen, beispielsweise auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft, im Vertrags- oder GEMA-Recht und fachspezifische Software-Kenntnisse. Natürlich wäre es sinnvoll gewesen, derartiges im Rahmen des Studiums zu erlernen und es sollte deswegen, wenn nicht obligatorisch, so zumindest fakultativ angeboten sein.
Es war für mich geradezu folgerichtig, freischaffender Künstler zu werden. Schon während meiner Münchener Zeit - ich war Anfang 20 - war ich in verschiedene Musikprojekte eingebunden. Insofern stellen für mich die Potsdamer Lehrjahre eine gewisse Auszeit dar, die ich genommen habe, um meinem Beruf eine solide Basis zu verschaffen. Die ersten zwei Jahre nach dem Studium waren sicherlich nicht die leichtesten. In kreativer Hinsicht zwar schon, in ökonomischer jedoch weniger. Ab 2002 bekam ich erste Stipendien. Mit einer längerfristigen Künstlerförderung konnte ich auch meine erste Oper schließlich vollenden. Insgesamt sieben Jahre habe ich daran gearbeitet. Bis dahin entstanden auch etliche Kammermusikwerke. 2006 wurde meine "Bestmannoper" über den SS-Mann Alois Brunner in Osnabrück uraufgeführt. Das Medienecho war groß. Die Oper war gewissermaßen ein Höhe- und auch ein Wendepunkt dieser Schaffensphase. Das Ansehen steigt natürlich mit einem Abend füllenden Werk, das 14 Sänger, 38 Musiker, einen Chor beschäftigt. Eigenartiger Weise interessierte sich dann das Sprechtheater, die Schaubühne in Berlin, für mich. Dort habe ich in Folge zwei Produktionen von Thomas Ostermeier als Komponist und Sängerdarsteller begleitet.

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Nowitz hat sich der
zeitgenössischen Musik verschrieben.
Foto: Heather Mac Crimmon

Momentan, so stelle ich mit Bedauern fest, tritt das Komponieren etwas in den Hintergrund. Die Frage, wie Kreativität entsteht und - vor allem - wie man sie am Leben erhält, rückt immer mehr ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Die Organisation und das Management, das die freischaffende Existenz mit sich bringt, nimmt sehr viel Zeit und Raum in Anspruch: die Außendarstellung als Individualkünstler, die gesamte Akquise, Korrespondenzen von hier nach da, all das sind äußerst zehrende Bürotätigkeiten, welche die Schaffenskraft einschränken. Um einen Einblick zu geben, wie sich mein Alltag gegenwärtig gestaltet, seien nur ein paar Aktivitäten ohne Anspruch auf Chronologie erwähnt: Ich digitalisiere und archiviere meine frühen Werke und arbeite zugleich an einem neuen Opernsujet, wofür ich nun bereits Partner zur Realisierung suche. Darüber hinaus gibt es kleinere Projekte, wie zum Beispiel in Amsterdam, wo ich ein neuartiges elektronisches Instrument mit entwickelt habe.
Seit 2007 war ich regelmäßig Gast am STEIM in Amsterdam (Studio for Electro-Intrumental Music). Dabei ist die Auseinandersetzung mit elektronischer Musik im Zusammenspiel mit interaktiven Medien (Video, Licht) und herkömmlicher Musik/Stimme stärker in den Fokus meiner Arbeit getreten. Außerdem werde ich bei einem Stück für acht Schreier von Gerhard Stäbler demnächst in Berlin mitwirken, während ich zu einer anderen Gelegenheit ein äußerst leises Stück von Arvo Pärt als Countertenor interpretieren werde. Außerdem will ich neue Kammermusiken schreiben, eventuell in Verschränkung mit Elektronik: zum Beispiel für Solo-Violine und ein Werk für Klarinettenquintett. Und die PR-Arbeit für jedes einzelne Projekt will dabei auch immer wieder erledigt sein. Summa summarum: Es gibt viele verschiedene Baustellen, auf denen ich gleichzeitig arbeite.
All meine Vorhaben, die ich seit Abschluss des Studiums umzusetzen suchte, fanden am Ende ihre Realisierung. Und das besonders vor dem Hintergrund, dass alles, was ich mache, offenbar immer sehr speziell ist beziehungsweise in dieser Weise wahrgenommen wird. Sicherlich darf man wohl nicht aus den Augen verlieren, dass die ernst zu nehmende, zeitgenössische Musik seit jeher den Stellenwert einer Nischenkultur innehatte. Aber sich daran zu gewöhnen, fällt grundsätzlich schwer. Ich finde, dass sich dieser Umstand mal ändern könnte. Und somit ist die eine große Herausforderung formuliert, der ich mich täglich stelle. Die andere besteht darin zu lernen, dem Trieb des Musikschaffens beziehungsweise des Schaffens an sich nachzugeben und konsequent nachzugehen.

Alex Nowitz

Kontakt: E-Mail: info@nowitz.de; www.nowitz.de

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[Letzte Aktualisierung 12.12.2008, Schroeter]