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6. Ausgabe: Dezember 2008
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Sind Prominente anders?

Überlegungen aus Sicht der Persönlichkeitspsychologie

Prominent people are as different from one-another as all other people are. Nevertheless, whether they are actors, musicians, or politicians, they all have one thing in common. All are in the public eye, receive the attention of many, and would like to-or must-play to the gallery of public opinion. Do people already have the necessary personality traits for dealing with their new status prior to gaining prominence, or must they practice learning-by-doing while becoming prominent? How are the stresses and strains which come with prominence handled? And, why are so many people interested in their private lives?

Prominente sind untereinander so verschieden wie alle anderen Menschen auch. Dennoch ist ihnen - ob Schauspieler, Musiker oder Politiker - gemeinsam, dass sie in der Öffentlichkeit stehen, die Aufmerksamkeit vieler auf sich ziehen und sich in Szene setzen müssen oder wollen. Bringen diese Menschen bereits besondere Persönlichkeitseigenschaften mit, wenn sie prominent werden, oder erwerben sie diese Eigenschaften erst aufgrund ihres besonderen Status? Wie können mit dem Promistatus einhergehende Belastungen bewältigt werden? Und warum interessieren sich so viele Menschen brennend für das Privatleben sogenannter Promis?

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Licht und Schattenseiten: Wer prominent ist,
muss die öffentliche Beobachtung auch aushalten können.
Foto: M. Wunderle

Es ist kein Zufall, dass der Persönlichkeitsbegriff auf das lateinische Wort persona zurückgeht, das auf Deutsch Maske bedeutet. Damit verweist es auf eine wichtige Funktion der Persönlichkeit: Schauspielern gleich spielen wir alle Rollen und möchten uns so darstellen, dass wir einen positiven Eindruck bei anderen hinterlassen und entsprechende Rückmeldungen erhalten. Dabei geht es also keineswegs um eine realitätsgerechte Darstellung der eigenen Person, sondern um Eindrucksmanagement mit dem Ziel, das Selbstwertgefühl zu erhöhen. Gegenstand der Selbstdarstellung sind insbesondere sozial erwünschte Eigenschaften wie Aufgeschlossenheit, emotionale Stabilität und Charisma, während unerwünschte Eigenschaften wie Verschlossenheit, Ängstlichkeit und Selbstbezogenheit ausgeblendet werden.

Selbstüberschätzung droht

Prominente Personen müssen über ein gewisses Maß an Selbstüberwachung verfügen und in der Lage sein, den Eindruck, den sich andere von ihnen machen, genau zu kontrollieren. Unter Umständen können - oder müssen - sie sich dafür so verhalten, als ob sie ein völlig anderer Mensch wären. Ohne Frage profitieren Menschen von diesem Verhalten, denn die öffentliche Aufmerksamkeit kann das Selbstwertgefühl wesentlich steigern. Bei manchen kann es allerdings zu einer Verzerrung der Eigenwahrnehmung führen, die dann und wann in Konflikt mit der Realität gerät. Starke Selbstüberschätzung, von Psychologen als Narzissmus bezeichnet, kann ein tückischer Weg sein, solche Konflikte zu vermeiden. Narzisstische Menschen überschätzen sich besonders stark und haben ein großes Bedürfnis nach Bewunderung bei gleichzeitigem Mangel an sozialer Einfühlsamkeit. Weil ihr grandioses Selbstbild mit großem Aufwand gegenüber der Realität aufrecht erhalten werden muss, sind sie manchmal unangenehm für ihre Umwelt, beispielsweise durch Überempfindlichkeit gegenüber Kritik und starke Stimmungsschwankungen. Dass Prominente (besonders aus Reality-TV-Shows, Schauspieler und Musiker) häufiger überdurchschnittlich narzisstisch sind, ist wissenschaftlich belegt.
Öffentlichkeitswirksame Medien ziehen narzisstische Persönlichkeiten, insbesondere Frauen, an und erhöhen ihren Narzissmus. An diesem Beispiel wird deutlich, dass Prominente eine gewisse Disposition mitbringen, die sich durch die Erfahrungen in ihrer besonderen Rolle noch verstärken kann. Selektion und Sozialisation spielen also zusammen.

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Prof. Dr. Franz J. Neyer
Foto: Fritze

Macht und Einfluss

Eine besondere Gruppe innerhalb der Prominenten sind Führungspersönlichkeiten wie Politiker. Bei diesen Menschen spielt ein weiteres Persönlichkeitsmerkmal eine wichtige Rolle. In Bezug auf andere sind Menschen allgemein motiviert, Vertrautheit und Nähe herzustellen, aber gleichzeitig Macht und Einfluss über sie zu gewinnen. Menschen unterscheiden sich auch hier wiederum stark darin, in welchem Verhältnis beide Motive zueinander stehen. Wissenschaftlich belegt ist, dass bei erfolgreichen Politikern das Machtmotiv im Verhältnis zum Intimitätsmotiv meist relativ stärker ausgeprägt ist. Darüber hinaus zeigt sich, dass erfolgreiche Politiker zwar oft überdurchschnittlich intelligent sind, aber nur leicht. Hochbegabung auf der einen Seite oder mangelnde Intelligenz auf der anderen Seite würde ihre Kommunikationsfähigkeit eher behindern.

Schattenseiten

Nicht jeder Prominente hat freiwillig diesen Status und kann ihn genießen. Prominenz geht immer dann mit Stress einher, wenn die Selbstdarstellung dazu zwingt, ein Bild von sich öffentlich zu präsentieren, das mit dem privaten Selbst wenig zu tun hat. Narzisstische Selbstwertsteigerungen und verzerrte Realitätswahrnehmungen können in der Regel nicht unbegrenzt aufrecht erhalten werden - mit erheblichen Konsequenzen für die körperliche und seelische Gesundheit bis hin zu Vereinsamung, Depressionen und Drogenabhängigkeit. Vermieden werden kann dies beispielsweise durch regelmäßiges Feedback vertrauter Personen oder professioneller Berater.
Das Leben als Prominenter hat oft noch eine andere Schattenseite. Viele Menschen interessieren sich nicht nur für offizielle Auftritte, sondern auch brennend für deren Privatleben. Warum das so ist, dazu gibt es keine empirischen Befunde. Vielleicht sehen sie im Leben der Promis das, was sie selbst in ihrem Leben vermissen: Im Mittelpunkt stehen, Eindruck auf andere machen, Einfluss haben... Indem die Menschen etwas aus dem Leben der Prominenten erfahren, nehmen sie an ihrem Leben teil und können sich der Illusion hingeben, zu sein wie sie. Die Identifikation mit einem Promi könnte also eine Art symbolischer Selbstergänzung sein.

Prof. Dr. Franz J. Neyer,
Institut für Psychologie der Universität Potsdam
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Armbruster
[Letzte Aktualisierung 12.12.2008, Schroeter]