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6. Ausgabe: Dezember 2008
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Zuschauer: 4,4 Milliarden

Torsten Lachmann startete bei den Olympischen Spielen für Australien

Potsdam, Sydney, Beijing. As an athlete, Torsten Lachmann moves between Brandenburg, where his roots are, Australia, his adopted country, and the venues of large athletic tournaments, this year even the Olympics. The canoeist, in the meantime a citizen of Australia, fell in love with a region there: its land, people, and weather were immediately fascinating to him. Lachmann also works professionally "down under" as a business analyst at an IT company. He learned the know-how for this career as a computer science student at the University of Potsdam. He continues to keep many of his connections to Europe alive.

Potsdam - Sydney - Beijing. Als Leistungssportler pendelt Torsten Lachmann zwischen seinen brandenburgischen Wurzeln, seiner Wahlheimat Australien und Austragungsorten von Großturnieren wie den Olympischen Spielen in diesem Jahr. Der Canadier-Fahrer, der inzwischen die australische Staatsbürgerschaft besitzt, hat sein Herz an eine Region verloren, deren Land, Leute und das Wetter ihn spontan fasziniert hatten. Mittlerweile ist er als Business Analyst bei einem IT-Unternehmen auch fest in das Berufsleben "Down Under" integriert - das Know-how für diesen Job hat er an der Universität Potsdam als Student der Informatik erworben. Aber auch darüber hinaus sind vielfältige Verbindungen nach Europa erhalten geblieben.

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Einsatz für Australien:
Torsten Lachmann fühlt sich wohl "Down Under".
Foto: privat

Ich bin am 29.4.1982 in Schwedt geboren und dort auch aufgewachsen. Die Möglichkeiten, die die sportbetonte Gesamtschule Friedrich-Ludwig-Jahn in Potsdam bot, haben mich 1996 in die Landeshauptstadt gezogen. Im Anschluss an meinen Wehrdienst habe ich mich 2002 im Studiengang Informatik an der Universität Potsdam immatrikuliert. 2006 konnte ich meinen Bachelor-Abschluss feiern.
Seit den ersten Paddelzügen im Alter von neun Jahren, unter den kritischen Blicken meiner Trainer Gerhard Bowitzky und Michael Tümmler beim SSV Schwedt, nimmt der Kanusport eine bedeutende Rolle in meinem Leben ein. Erfolge stellten sich rasch ein: 1992 die ersten Siege bei den Landes- und Ostdeutschen Meisterschaften. 1995 und 1996 wurde ich jeweils zweifacher Deutscher Meister. Nachdem ich 2000 das Finale der Junioren-Europameisterschaften in Frankreich im Canadier Vierer erreicht hatte und mich 2005 durch einen Sieg bei den Deutschen Kanu-Marathon Meisterschaften für die Nationalmannschaft qualifizieren konnte, folgte im selben Jahr mein bis dahin größter Triumph: Der Gewinn des Welt-Cups in Portugal. Wie bedeutsam der Erfolg für meinen Lebenslauf werden würde, daran war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken. Mit dieser Leistung erkämpfte ich mir zunächst das Ticket zu den Weltmeisterschaften in Perth, Australien.
Für die WM war ich im Oktober 2005 für vier Wochen in Australien und während in Deutschland zu dieser Jahreszeit herbstliche Temperaturen herrschen, hat sich "Down Under" von Anfang an von seiner besten Seite gezeigt. Land, Leute und Wetter haben mich auf Anhieb fasziniert. Meine Entscheidung, dort zu bleiben, stand fest. Dabei war es keinesfalls eine Wahl gegen Deutschland. Mir hat es in Australien in diesem Moment einfach besser gefallen. Den Umzug habe ich bisher auch nicht bereut. Klar, es braucht Zeit, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen. Man ist hier als erwachsener Leistungssportler völlig auf sich allein gestellt und muss selbst die Initiative ergreifen, um Unterstützung von verschiedenen Verbänden und Institutionen zu bekommen. Auf der anderen Seite ist es vorteilhaft, mehr Verantwortung für das eigene Training zu haben und die Übungen an den eigenen Bedürfnissen auszurichten.

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Ein Traum geht in Erfüllung:
Mit Freundin und australischem Olympia-Outfit in Beijing.
Foto: privat

Seit März 2008 bin ich australischer Staatsbürger und war somit berechtigt, für meine neue Heimat bei den Olympischen Spielen an den Start zu gehen. Mein Ziel war es, die Finals im Canadier Einer über 500 und 1000 Meter zu erreichen. Leider bin ich zweimal knapp im Halbfinale gescheitert, aber allein die Teilnahme war ein Traum für uns, denn auch meine Freundin Jacqui konnte sich im Kanu Slalom für das australische Olympiateam qualifizieren und am Ende sogar eine Silbermedaille mit nach Hause nehmen.
In beiden Ländern - Deutschland und Australien - hat das Medieninteresse noch ein bisschen zugenommen, seitdem ich für Australien starte und die Teilnahme an den Spielen in Beijing gewiss war. Mich ärgert es dabei etwas, wenn journalistische Artikel unsauber geschrieben werden und falsche Informationen enthalten. Schließlich versuche ich meinen Job so gut zu machen wie möglich und finde es richtig, wenn sich auch andere diesem Anspruch stellen. Aber keine Frage, es ist schon immer ein tolles Gefühl, wenn in der Zeitung über mich berichtet wird.
Seit November 2007 arbeite ich als Business Analyst bei NEED, einem unabhängigen Recruitment Portal in Sydney, wo ich jetzt wohne. Arbeitgeber können offene Stellen bei uns angeben. Wir leiten diese an Recruiter weiter, die in der richtigen Industrie und im richtigen Gehaltsbereich arbeiten, so dass der passende Bewerber mit dem adäquaten Unternehmen zusammengebracht wird. Meine Aufgabe ist die kontinuierliche Anpassung des elektronischen Portals an die sich ändernden Marktanforderungen. Ich hatte das Glück, meine Arbeit in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele sehr flexibel organisieren zu können. In den letzten Monaten vor Olympia habe ich von Europa oder Peking aus mit dem Laptop zirka zehn Stunden in der Woche für meine Firma gearbeitet. So konnte ich weiter beruflich up to date bleiben und meinem Arbeitgeber weiterhelfen. Parallel dazu hat mir diese Lösung eine optimale Vorbereitung auf die Wettkämpfe ermöglicht.
Die Vorbereitungszeit hat noch einmal deutlich gemacht, dass ich jederzeit wieder sehr gerne zurück nach Potsdam komme. Die letzten beiden Monate vor den Spielen habe ich in Potsdam verbracht. Ich wusste, dass ich beim Kanu-Club Potsdam ein starkes Trainingsumfeld vorfinden würde. Den Potsdamer Kanuten, den Trainern und Verantwortlichen bin ich sehr dankbar dafür, dass es problemlos möglich war, mich in den normalen Trainingsbetrieb zu integrieren. Ich kann sagen, dass es zwar Liebe auf den ersten Blick war, die mich an Australien gebunden hat, aber die Kontakte und Verbindungen nach Deutschland sind mir immer noch sehr wichtig.

Torsten Lachmann
CopyrightŠ 2001 Universität Potsdam, Armbruster
[Letzte Aktualisierung 12.12.2008, Schroeter]