Logo alumni
6. Ausgabe: Dezember 2008
Linie links Aktuelle Pressemitteilungen der Universität Potsdam Linie mitte Startseite der Universität Potsdam Linie mitte Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit Linie rechts

Poetischer Rock

Michael Boden ist mit "Subway to Sally" über die Grenzen hinaus erfolgreich

After a number of jobs in the cultural sector and a detour at the University of Potsdam that he ended shortly before receiving a master's degree, Michael Boden transformed his hobby into a profession. As guitarist, singer, and composer, "Bodenski" has been on the road to success for many years with his folk metal and rock band "Subway to Sally". He has also discovered his greatest passion in writing. It consisted at first of song lyrics. In the meantime, he has published his first book of poems.

Nach verschiedenen Jobs im Kulturbereich und einem Abstecher an die Universität Potsdam, den er kurz vor dem Magisterabschluss wieder beendete, hat Michael Boden sein Hobby zum Beruf gemacht. Als Gitarist, Sänger und Songschreiber ist "Bodenski" mit der Folk Metal- und Rockband "Subway to Sally" seit vielen Jahren auf Erfolgskurs. Seine größte Leidenschaft fand er im Schreiben. Zunächst waren es nur Songtexte. Inzwischen hat er seinen ersten Gedichtband herausgegeben.

Bild
Immer auf Achse für die Fans:
Rund 100 Konzerte geben "Subway to Sally" jedes Jahr.
Foto: zg.

Ich habe in der DDR 1984 Abitur gemacht. Meine fehlende Bereitschaft, drei Jahre zur Nationalen Volksarmee zu gehen, und exotische Studienwünsche führten dazu, dass ich erst einmal ohne einen Studienplatz dastand. Ich war also auf der Suche nach einer Perspektive. Zunächst sammelte ich berufliche Erfahrungen als Aufnahmeleiter im DEFA Studio für Spielfilme und als kulturpolitischer Mitarbeiter bei den staatlichen Kulturhäusern der Stadt Potsdam. Mit einer Zulassung an der Fachschule für Klubleiter in Meißen-Siebeneichen für das Frühjahr 1990 dachte ich dann, meine Perspektive gefunden zu haben. Doch die Karten wurden neu gemischt.
Ich hatte mir für mein Leben eine Menge Dinge vorstellen können. Die Wende 1989 gehörte nicht dazu. Die Fachschule in Meißen wurde abgewickelt, der Studiengang gestrichen. Vorübergehend ratlos fand ich mich plötzlich im Öffentlichen Dienst wieder. Eilig herbeigerufene Fachleute aus dem Westen strukturierten etwas um, was dann das Kulturamt Potsdam werden sollte. Mit der 1000-Jahrfeier der Stadt rollten auf unsere kleine Abteilung beängstigender Erwartungsdruck und grässliches Postengerangel zu.
Das war der Moment, in dem ich mein Abiturzeugnis herauskramte und mich an Universitäten in der Umgebung bewarb. Das einzig halbwegs verlockende Angebot eröffnete mir die neu gegründete und noch unterbesetzte Universität Potsdam. Im Wintersemester 1991/92 schrieb ich mich zunächst für das Hauptfach Germanistik und die Nebenfächer Soziologie und Geschichte ein. Nachdem mich zwei Seminare in Geschichte auf den Boden der Tatsachen geholt hatten, ließ ich dieses Fach sausen und erhob Soziologie zum zweiten Hauptfach. Bei der Auswahl der Seminare habe ich mich sehr von meinen persönlichen Interessen und Vorlieben leiten lassen. Die Vorlesungen und Seminare belegte ich zudem möglichst so, dass ich am Freitag frei hatte und möglichst nie zu früh in der Uni sein musste. Trotz dieser Prämissen stellte sich heraus, dass ich einen gewaltigen Vorteil hatte: Lebenserfahrung. Daher konnte ich mit vielen Dozenten auf Augenhöhe sprechen. Ich hatte keine Angst, meine Meinung zu sagen und den Anspruch, auch eine zu besitzen.
Das Studium kam mir wie eine Insel der Glückseligen vor. Ohne vorher geahnt zu haben, worauf ich mich eingelassen hatte, genoss ich es mehr und mehr, über Hölderlin zu diskutieren oder das Nibelungenlied auf Subtexte zu untersuchen. Ich habe - bei allen Freiheiten - das Grundstudium in der Regelstudienzeit mit "gut" in beiden Hauptfächern abgeschlossen.
Viel entscheidender für mein Leben war jedoch der Umstand, dass ich es nie aufgegeben hatte, mit meinen Freunden aus der Schulzeit Musik zu machen. Schon vor der Wende hatten wir es mit unserer Band Bodenski Beat zu lokaler Bekanntheit gebracht. 1990 begannen wir mit dem Projekt "Subway to Sally". Seit 1992 waren wir regelmäßig mit der Band unterwegs. Schon 1993 nahmen wir die erste CD auf. Die Zahl der Auftritte wuchs ständig und unser Hobby wurde nach und nach zum Beruf.

Bild
Musiker mit Berufung zum Schreiben:
Michael „Bodenski“ Boden.
Foto: privat

Das Studium hat in zwei entscheidenden Punkten dazu beigetragen, dass ich meinen Weg im Leben fand: Ich hatte während des Studiums die Zeit, meine Musik intensiv zu leben, so dass ich in den Beruf des Texters und Musikers hineinwachsen konnte. Und das Studium gab mir das Handwerkszeug dazu, ein Wertesystem für Qualität zu entwickeln. Ich kann nun eher beurteilen, wann meine eigene Arbeit Qualität hat und wann nicht, so dass ich weniger auf Feedback von außen angewiesen bin. Das half mir letztlich, einen eigenen Stil als Texter zu entwickeln.
Nach dem Wintersemester 1995/96 lies ich mich exmatrikulieren, obwohl mir nur noch wenige Seminarscheine und die Magisterarbeit fehlten. Meine Band veröffentlichte in diesen Tagen das dritte Studioalbum bei einem Major Label, was für mich die Eintrittskarte in die Welt des Berufsmusikers bedeutete. Inzwischen hat "Subway to Sally" neun Studioalben veröffentlicht und arbeitet dieser Tage am zehnten.
Als Musiker hatte ich auch schon Gelegenheit, Theatermusiken zu komponieren und in zwei Stücken mit auf der Bühne zu stehen. Mein eigentliches Talent scheint jedoch im Schreiben von Songtexten zu liegen. Im Frühjahr 2004 nahm ich als einer von zehn Textern, die aus hunderten von Bewerbern ausgewählt wurden, an einem Förderseminar der GEMA-Stiftung teil. Seitdem bemühe ich mich stärker, auch für andere Künstler und Produzenten zu schreiben. 2005 habe ich zusammen mit meiner Frau Jeanette den Michael Boden Verlag gegründet, um meinen ersten Gedichtband zu veröffentlichen. Er trägt den Titel "inniglich". Fortsetzungen nicht ausgeschlossen. Der Egmont Ehapa Verlag veröffentlichte zur Leipziger Buchmesse 2008 unter dem Titel "Subway to Sally Story Book" eine Antologie, in der 19 deutsche Comic- (besonders Manga-) Zeichner eine Reihe meiner Texte auf außergewöhnliche Art visualisierten.
Meine Arbeit, wie sie sich heute darstellt, verläuft nicht nach festen Regeln. Rund hundert Konzerte im Jahr sind nur die Spitze des Eisberges. Es gibt auch Zeiten, in denen das Gewicht auf kreativer Arbeit liegt. Dann folgen Phasen, in denen man sich auch mit Grafik, Bühnendesign, Kostüm und Foto auseinandersetzen muss. Ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit ist auch der Umgang mit den Medien und dem Internet.
Das Gefühl, im Licht der Öffentlichkeit zu stehen, hat sich für mich in Potsdam nie auf unangenehme Weise eingestellt. Ich bin hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, ich habe hier mit vielen Menschen zusammengearbeitet. Meine Freunde und meine Familie halten mich fest auf dem Boden der Tatsachen und, ehrlich gesagt, ist doch meine Prominenz, verglichen mit den Jauchs und Joops dieser Stadt, eher bescheiden.
In den letzten Jahren hat sich die wirtschaftliche Situation in der Musikindustrie dramatisch verschlechtert. Eine Band wie meine ist in gewisser Hinsicht ein mittelständischer Betrieb mit hohem Risiko. Obwohl ich fasziniert bin von dem Gedanken, noch lange mit diesem Projekt erfolgreich zu sein, bewegt mich deshalb die Frage nach meiner Zukunft sehr.

Michael "Bodenski" Boden
Copyright© 2001 Universität Potsdam, Armbruster
[Letzte Aktualisierung 12.12.2008, Schroeter]