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6. Ausgabe: Dezember 2008
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"Türöffner" für den russischen Markt

Volkswirt Philipp Rowe gründete Unternehmensberatung in Moskau

Dass er sich nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Russland selbständig machen wollte, stand für Philipp Rowe schon seit seinem ersten Russlandaufenthalt fest. Nur was genau das Geschäft sein würde, das war ihm damals noch nicht klar. Nun ist es bereits ein Jahr her, dass er die Firma "Rufil Consulting" in Moskau gegründet hat. Hier berät und unterstützt Rowe deutsche Unternehmen bei ihrem Markteinstieg in Russland.

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Als Unternehmer viel unterwegs:
Philipp Rowe.
Foto: privat

Es war im Juni 2001, einige Monate vor Beginn meines Studiums, als ich ohne ein einziges Wort Russisch zu sprechen, dafür aber mit allen gängigen Vorurteilen im Kopf, in mein erstes Russlandabenteuer startete. Vom Bahnhof Berlin-Lichtenberg aus ging es per Zug gen Osten. Man hatte mir die Ratschläge mitgegeben, mein Abteil nachts von innen zu verriegeln und ja nicht den Zug an den Haltebahnhöfen zu verlassen. So würde ich dann nach 32 Stunden am Ziel sein. Mein Ziel war eine russische Provinzstadt, deren Namen ich vorher nie gehört hatte. Dort sollte ich an der Universität einen Russisch-Intensivkurs besuchen und bei der Familie eines Professors wohnen. Wegen Visumsformalitäten kam ich jedoch nur bis zur polnisch-weißrussischen Grenze, wo die Grenzsoldaten mich in den nächsten Bummelzug zurück nach Warschau setzten. Meine Russlandreise wollte ich da eigentlich schon aufgeben, doch nach einer Nacht in Warschau kam ich zu dem Entschluss, dass ich mein Abenteuer nicht auf eine so unrühmliche Art beenden könnte. Nach einer mehrtägigen Odyssee mit Flugzeug, Auto und Zug erreichte ich mit ein paar Tagen Verspätung die Stadt Tambov. Zwei wichtige Lektionen für das Leben in Russland hatte ich gelernt: Erstens gibt es immer mehrere Wege zum Ziel und zweitens gibt man niemals auf.
Die Umstände vor Ort waren für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Es war ein regelrechter Kulturschock, über den ich ein ganzes Buch schreiben könnte. Mit der Zeit gewöhnte ich mich jedoch daran und begann, die Schwierigkeiten als Herausforderungen zu sehen. Jeder Tag meines Aufenthaltes war höchst interessant und beeindruckend. Ich lernte Land und Leute kennen und blieb schließlich drei Monate länger als geplant in Tambov. Wieder nach Deutschland zurückgekehrt, hatte sich mein Russlandbild völlig verändert. Fast nichts von dem, was ich vorher über dieses Land gehört hatte, stimmte mit dem überein, was ich jetzt selbst gesehen und erlebt hatte. Dies, und die Tatsache, dass es in diesem Land noch so viel zu tun gab, überzeugten mich davon, dass in Russland meine Zukunft liegt. Ich wollte unbedingt wieder dorthin zurück und mehr über dieses für westliche Augen so fremde Land erfahren.
An der Universität Potsdam begann ich dann mein Studium der Volkswirtschaftslehre. Natürlich interessierte ich mich besonders für die russische Wirtschaft und die deutsch-russischen Handelsbeziehungen. Als Wahlpflichtfach belegte ich Wirtschaftsrussisch. Da außer mir lediglich zwei russische Studenten diesen Kurs gebucht hatten, kam ich in den Genuss eines sehr individuellen und effektiven Russischunterrichts, von dem ich heute sehr profitiere. Während meiner Studienzeit absolvierte ich ein Semester an der Universität für Ökonomie und Finanzen in St. Petersburg und Praktika in Moskau. Meine Diplomarbeit habe ich während meiner Tätigkeit in der Russlandzentrale der deutschen Logistikfirma Kühne+Nagel in Moskau geschrieben. Dort war ich als Assistent des Chefs tätig.

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Gut im Geschäft:
Rufil Consulting hat schon zahlreiche Mitarbeiter und Kunden.
Foto: privat

Nach einem Jahr bei Kühne+Nagel in Moskau entschied ich mich, meine eigene Firma zu gründen. Mein Wissen über Russland und meine Kontakte in Moskau wollte ich nutzen, um deutsche mittelständische Unternehmen bei Markteinstieg und Geschäftsaufbau in Russland zu beraten. Etwa drei Monate brauchte ich, um eine GmbH nach russischem Recht zu gründen und eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Heute beschäftigt die Rufil Consulting vier Buchhalterinnen und einen Qualitätsmanager.
Die Geschäftsaussichten in Russland schätze ich nach wie vor, gerade für deutsche Mittelständler, als sehr gut ein. Deutsche Produkte genießen einen sehr guten Ruf und der Nachholbedarf dieses riesigen Landes ist immer noch enorm. Doch wo Chancen sind, da sind auch Risiken. Dazu gehören beispielsweise unübersichtliche Buchhaltungs- und Steuerrichtlinien, welche bei Nichteinhaltung auch mal zu kurzfristig eingefrorenen Bankkonten oder Hausbesuchen durch die Steuerpolizei führen können. Außerdem unterscheiden sich die russische Geschäftskultur sowie die Einstellung zu Arbeit und Qualität sehr von der deutschen. Meine Firma setzt genau dort an. Wir bieten deutschen Firmen in Russland die Übernahme ihrer kompletten russischen Buchhaltung, die Erledigung der Steuererklärung sowie Beratung in den Bereichen Markteinstieg und Qualitätsmanagement. Dadurch können sich unsere Kunden bei ihrem Engagement in Russland auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren.
Wer sich entschieden hat, sein eigenes Unternehmen aufzubauen, braucht eine starke innere Motivation. Geldverdienen allein reicht meiner Meinung nach als Antrieb nicht aus. Besonders zu Beginn der Unternehmerkarriere muss man sehr viel arbeiten, verdient jedoch weniger als die meisten Angestellten. Meine Motivation war und ist es, mit meiner Firma einen Beitrag zur Verbesserung und Festigung der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen zu leisten. Außerdem fördere ich über die Moskauer Alumni-Gruppe (siehe Beitrag) den Studenten- und Absolventenaustausch zwischen Deutschland und Russland. Deutsche Studenten und Absolventen mit Russisch- oder Englischkenntnissen sind in Moskau sehr gefragt. Interessenten können sich gern an mich wenden.

Philipp Rowe

Kontakt: Philipp Rowe, E-Mail: rowe@rufil-consulting.com;
Internet: www.rufil-consulting.com

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[Letzte Aktualisierung 12.12.2008, Schroeter]