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6. Ausgabe: Dezember 2008
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Ein Kopf – Zwei Sprachen

Der Verband für Patholinguistik veranstaltete Herbsttreffen

Mit dem Ziel, eine Interessenvertretung für Studierende und Absolventen des Studiengangs Patholinguistik der Universität Potsdam aufzubauen, wurde 2001 der Verband für Patholinguistik (vpl) e.V. gegründet. Mittlerweile sind über 240 Mitglieder in dem Verein organisiert, der von einem ehrenamtlich arbeitenden Vorstand geführt wird. Kürzlich veranstaltete der vpl sein zweites Herbsttreffen.

Bild
Fortgebildet: Studierende und Ehemalige der Patholinguistik
kamen zum fachlichen Austausch zusammen.
Foto: zg

In der Verbandsarbeit kristallisierten sich schnell zwei Schwerpunkte heraus: Zum einen findet eine intensive berufspolitische Arbeit statt, um die Zulassungsfähigkeit der Patholinguisten als Heilmittelerbringer im Bereich der Sprachtherapie zu erreichen. Inhaltlich setzt sich der vpl e.V. für die Sicherung eines hohen Qualitätsstandards in der klinischen Diagnostik und Therapie von Sprach-, Sprech-, und Schluckstörungen ein und liefert Beiträge zur wissenschaftlichen Konzeption und Evaluation sprachtherapeutischer Behandlungsmethoden.
Vor diesem Hintergrund organisiert der Verein seit zwei Jahren das Herbsttreffen Patholinguistik, das in diesem Jahr am 22. November auf dem Campus Griebnitzsee stattfand und zu dem rund 220 Teilnehmer kamen. Unter dem Motto "Ein Kopf - Zwei Sprachen: Mehrsprachigkeit in Theorie und Praxis" wurde das Thema in drei Hauptvorträgen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Prof. Dr. Rosemarie Tracy (Universität Mannheim) stellte Bedingungen, Risiken und Chancen der Mehrsprachigkeit in der frühen Kindheit dar und räumte mit einigen negativ behafteten Mythen über die individuelle Mehrsprachigkeit auf. In einer Studie konnte sie zeigen, dass ein früher Zweitspracherwerb sämtliche Eigenschaften eines unauffälligen Erstspracherwerbs hat. Bei adäquaten Sprachförderbedingungen sieht Tracy den frühen Erwerb mehrerer Sprachen somit nicht als Risiko, sondern als Chance an. Dr. Michael Wahl (Charité Berlin) gab einen Überblick über die neuronalen Grundlagen von Mehrsprachigkeit. Im Mittelpunkt stand dabei die Fragestellung, ob zwei Sprachen in zwei getrennten Systemen repräsentiert sind oder ob sie sich ein Sprachsystem teilen. Aktuelle experimentelle Befunde liefern Evidenzen für beide Hypothesen. Abschließend referierte Dr. Vassilia Triarchi-Herrmann (Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung in München) über die Förderung und Therapie bei Mehrsprachigkeit. Obwohl die kindliche Sprachentwicklung unter adäquaten Bedingungen durch den Erwerb mehrerer Sprachen positiv geprägt sein kann, haben viele mehrsprachige Kinder Schwierigkeiten in der Schule und Probleme beim Spracherwerb. Sprachfördernde Maßnahmen in Schule oder Kita und sprachtherapeutische Einzelbehandlungen sollen diesen entgegenwirken. Triarchi-Herrmann betont, dass in beiden Fällen nicht nur sprachliche sondern auch kulturelle und familiäre Ressourcen miteinbezogen werden sollten, um so nicht nur die Zweitsprache Deutsch sondern das bilinguale Kind zu fördern beziehungsweise zu therapieren.
Das 3. Herbsttreffen Patholinguistik ist für den 21. November 2009 geplant.

Judith Heide,
2. Vorsitzende des vpl e.V.

Kontakt:
Verband für Patholinguisitk (vpl) e.V.
c/o Institut für Linguistik, Universität Potsdam
Karl-Liebknecht-Str. 24-25
14476 Potsdam/ Golm
www.vpl-online.de

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[Letzte Aktualisierung 12.12.2008, Schroeter]