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5. Ausgabe: Dezember 2007
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Reagenzglas und Nuckelflasche

Chef Florian J. Schweigert unterstützt Familiengründer in seinem Forschungsteam

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Kindern brauchen vor allem auch konkrete betriebliche Bedingungen, die eine gute Balance zwischen Familie und beruflicher Karriere erlauben. Sie herzustellen scheint in der Wirtschaft ungleich schwieriger als in der Wissenschaft. Im Mikrokosmos von Hochschulinstituten funktioniert schon heute manches, was andernorts noch schwer vorstellbar ist. Petra Görlich sprach darüber mit Prof. Dr. Florian J. Schweigert, Professor für Physiologie und Pathophysiologie der Ernährung an der Universität Potsdam und selbst dreifacher Vater.

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Familienfreundlicher Chef:
Prof. Dr. Florian J. Schweigert.
Foto: Roese

Sie leiten ein Team von rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die meisten davon haben Kinder. Inwiefern finden sie ein Umfeld vor, das es ermöglicht, erfolgreiche Forschungsarbeit zu leisten und trotzdem eine Familie zu gründen?

Schweigert: Ich denke, dass in meinem Bereich tatsächlich eine Atmosphäre herrscht, in der dieser "Spagat" gelebt werden kann. Ich achte darauf, dass jeder seinen Platz im Gesamtgefüge findet, schaffe Freiräume, versuche, den Druck zu nehmen. Kind und Karriere ist für mich durchaus etwas Machbares. Natürlich zweifelt manche junge Frau zunächst daran, diese Herausforderung zu bewältigen. Dann spreche ich Mut zu, zeige die Perspektiven auf. Wichtig ist für die Betroffenen vor allem, dass sie wiederkommen können und nicht herausgedrängt werden. Mir ist wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufrieden sind. Sie wissen, wenn es ein den Kindern geschuldetes Problem gibt, ist es zu lösen, solange daraus kein Dauerzustand wird.
Verschweigen will ich aber nicht, dass es trotz günstiger Bedingungen nicht alle schaffen, Kind und Forschung miteinander gut zu vereinbaren. Die individuellen Voraussetzungen und Situationen spielen schließlich auch eine wichtige Rolle und diese sind verschieden.

Auch in der Wissenschaft zählt am Ende nur der Erfolg. Sie haben ihn. Profitiert der Bereich sogar vom "Kinderreichtum" im Team?

Schweigert: Ich würde sagen, ja. Das merke ich schon an mir selbst. Durch Kinder habe ich gelernt, mit Zeit besser umzugehen, Dinge zu koordinieren, auch zu vermitteln und zu integrieren. Man wird effizienter, denn die eigenen Ressourcen werden zum wertvollen Gut. Das beobachte ich auch an meinen Mitarbeitern. Wir sitzen eben nicht zwei Stunden zusammen, wenn das Problem auch schneller zu lösen ist. Jedes Kind ist in gewisser Weise auch leistungsfördernd. Wir messen uns ja an Publikationstätigkeiten. Ich selbst bin etwa seit 20 Jahren in der Wissenschaft tätig und habe über 100 Publikationen geschrieben. Davon entfallen 75 Prozent auf die letzten sieben Jahre. Das ist genau die Zeit, in der meine drei Kinder geboren wurden. Dieses Phänomen beobachte ich auch bei meinem Team. Wir haben trotz der zahlreichen Kinder, die im Laufe der Zeit geboren wurden, einen extrem hohen Output.

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Auch und gerade mit Familienpflichten:
erfolgreich forschen.
Foto: Roese

Es wäre dennoch blauäugig zu behaupten, Chefs müssen nur wollen, dann klappt es auch mit der Vereinbarkeit von Kind und Karriere….

Schweigert: Ich kann nur für ein gutes emotionales Umfeld sorgen. Spezielle Rahmenbedingungen kann ich in meinem Fall nicht schaffen. Dafür ist die Struktur zu klein. Unter anderen Voraussetzungen ist aber natürlich zumindest stückweise mehr möglich, etwa eine Stelle eigens für die Kinderbetreuung einzurichten. Ähnliche Programme gibt es ja. Es mangelt dort jedoch mitunter daran, dass sie nicht wirklich auf die konkreten Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Gibt es Ihrer Erfahrung nach so etwas wie ein Patentrezept dafür, in der Wissenschaft Karriere und Kind erfolgreich zu verbinden?

Schweigert: Wer sich relativ früh für ein Kind entscheidet und dann wieder in die Karriere einsteigt, schafft meist den Sprung. In der mittleren Lebensphase wirft es die Betroffenen oft zurück, das ist dann eine echte Herausforderung. Bleibt noch der spätere Zeitpunkt. Biologisch bedingt kommt diese Variante bei den Frauen ja eher nicht in Betracht. Also verstehe ich, wenn unsere jungen Wissenschaftlerinnen früh den Schritt wagen, eine Familie zu gründen. So haben sie die Chance, auch ihre Karriere noch gut in den Griff zu bekommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Copyright© 2001 Universität Potsdam, Armbruster
[Letzte Aktualisierung 06.12.2007, Schroeter]