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5. Ausgabe: Dezember 2007
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"Kinder dürfen kein Problem sein"

Die Italienerin Prof. Dr. Maria Mutti erlebte in Deutschland zunächst einen Schock

Kinder zu haben, ist für Maria Mutti selbstverständlich. Gleichermaßen selbstverständlich ist es für die Professorin auf dem Gebiet der Geowissenschaften, engagiert in ihrem Beruf zu arbeiten. Die Italienerin hat einen siebenjährigen Sohn und arbeitet seit 2003 im Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam. Sie hat viele Jahre in den USA und in der Schweiz gelebt und gearbeitet. Über Arbeit, Kinderbetreuung und Förderung von Studentinnen unterhielt sich Dr. Barbara Eckardt mit der Wissenschaftlerin.

Bild
(Fast) kein Problem für
Prof. Dr. Maria Mutti:
Kind und Beruf.
Foto: Roese

Schaut man Ihren Lebenslauf an, so ist deutlich erkennbar, dass Sie zielstrebig daran gearbeitet haben, Geowissenschaftlerin zu werden. Gab es in Ihrer Lebensplanung jemals die Frage der Entscheidung für Familie oder Karriere?

Mutti: Familie und Karriere sind für mich zwei miteinander verbundene Aspekte des Lebens. Beide Seiten zu trennen, ist mir schon immer sehr fremd und unverständlich gewesen. Ich habe mir nie wirklich Gedanken um den Kinderwunsch gemacht. Es hat sich einfach ergeben. In meiner italienischen Heimat habe ich hautnah erlebt, dass Kinder zu haben und arbeiten zu gehen für Männer und Frauen ganz selbstverständlich ist.

Sie haben in verschiedenen Ländern gelebt. Warum ist es nach Ihrer Erfahrung in ihrer italienischen Heimat beispielsweise leichter, vor allem für Frauen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen?

Mutti: Egal wo, mit Kindern, insbesondere kleinen, muss man überall flexibel sein. Aber in Italien sind die Bedingungen für Familien günstiger als beispielsweise in Deutschland. Man geht ganz selbstverständlich damit um, berufstätige Mütter zu haben. Diese Situation ist absolute Normalität. Es gibt eine akzeptable finanzielle Unterstützung vom Staat, man kann eine "Auszeit" nehmen.

Sie mussten sich also umstellen, als Sie im Jahre 2000 aus beruflichen Gründen mit Ihrem kleinen Sohn nach Deutschland kamen. Wie erlebten Sie die neue Situation?

Mutti: Ehrlich gesagt, war es ein Schock für mich, als ich damals nach Stuttgart kam. Ich war auf diese Situation nicht vorbereitet, kannte die deutsche Sprache kaum. Ich erlebte dort keine Frauen in meiner Situation. Es gab eine Kita gegenüber meinem damaligen Institut. Mein Sohn war aber nicht berechtigt, diese Einrichtung zu besuchen, weil sie "nur" für Kinder von Studierenden und nicht von Professoren und Mitarbeitern vorgesehen war. Das war für mich unvorstellbar. Also musste ich mich um eine andere Betreuungsmöglichkeit für mein Kind kümmern. In dieser Zeit habe ich noch mehr gearbeitet als früher, weil ich das Gefühl hatte, als Mutter als Konkurrenz gesehen zu werden. Kinder zu haben, wurde oftmals als Schwäche betrachtet. Die anderen Wissenschaftlerinnen hörten nach der Geburt ihrer Kinder, wenn sie überhaupt welche hatten, auf zu arbeiten und stiegen viele Jahre später wieder in den Beruf ein. Diese Situation war für mich absolut neu. Das kannte und wollte ich nicht.

Wie haben Sie es geschafft, Kind und Beruf gleichermaßen gut in den Griff zu bekommen?

Mutti: Auf jeden Fall ist die Kinderbetreuung dadurch einfacher, dass ich bei meiner wissenschaftlichen Arbeit im Gegensatz zu anderen Müttern flexiblere Arbeitszeiten habe. Mir ist durchaus bewusst, dass das ein Privileg ist. Es ist ein Vorteil, denn Kreativität ist nicht an feste Zeiten gebunden, erfordert andererseits Disziplin. Natürlich ist es nicht einfach, Kinder groß zu ziehen, insbesondere wenn man berufstätig ist. Aber für mich gehören Kinder zum Alltag, also lässt sich alles regeln, wenn man es wirklich will.

Was wünschen Sie sich für die heutigen Studentinnen?

Mutti: Ich wünsche mir von Männern und Frauen mehr Toleranz für alle Familiensituationen, mit Kindern und ohne Kinder. Kinder dürfen kein Problem sein, sondern müssen ganz selbstverständlich dazu gehören. Ich helfe mit, den Studentinnen Mut zu machen und sie zu fördern. Es darf nicht sein, dass gut ausgebildete Studentinnen und Wissenschaftlerinnen nach der Geburt von Kindern nicht in den Beruf einsteigen oder zurückkehren. Deshalb arbeite ich in der Senatskommission für Chancengleichheit an der Universität mit.

Vielen Dank für das Gespräch.

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[Letzte Aktualisierung 06.12.2007, Schroeter]