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5. Ausgabe: Dezember 2007
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Mit Glück, Organisationsgeschick und einem Netzwerk

Uni-Präsidentin Sabine Kunst über ihre Pläne für die Hochschule und ihr privates Erfolgsrezept

Seit dem 1. Januar 2007 ist Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst Präsidentin der Universität Potsdam. Die Wissenschaftlerin leitet nun ein Unternehmen mit 18.000 Studierenden und 2.000 Mitarbeitern. Zugleich managt sie ein "erfolgreiches Familienunternehmen" mit drei Kindern. Über ihre Arbeit als Präsidentin und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprach Janny Armbruster mit ihr.

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Managt ein erfolreiches "Familienunternehmen"
und nun auch eine Universität:
Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst
Foto: Fritze

Sie sind seit Januar 2007 Präsidentin der Universität Potsdam. Was hat Sie bewogen, von Hannover nach Potsdam an eine zunächst fremde Universität zu kommen?

Kunst: Ich habe mich natürlich beworben, weil für mich das Amt einer Präsidentin attraktiv war und ich es gerne ausüben wollte. Diesen Sprung hat mir Potsdam möglich gemacht, da an der Uni Potsdam ein für Deutschland noch nicht typisches Hochschulleitungsmodell mit der Möglichkeit der Besetzung durch Externe besteht. Normalerweise stammen die Rektoren oder Präsidenten eher aus der eigenen Professorenschaft und können auf eine längere akademische Laufbahn an der Hochschule verweisen. Diese betreiben meist auch weiterhin Lehre und Forschung. Quereinsteiger mit ausschließlich Hochschulmanagementaufgaben sind als Uni-Präsidenten nach wie vor eher untypisch.

Vor welchen Aufgaben standen Sie zunächst?

Kunst: Die Uni Potsdam hatte mit Beginn des Jahres 2007 ihre Aufbauphase eigentlich abgeschlossen. Die Aufgabe, die ich zusammen mit den Vizepräsidenten zunächst anging, war, eine Vision für die Universität Potsdam zu entwickeln. Diese soll anzeigen, wo die Uni mittel- und langfristig stehen will und wie sich der Weg dahin gestaltet. 2007 stand also im Zeichen der konzeptionellen Überlegungen. Ab nächstes Jahr werden wir mit den Fakultäten und den Mitgliedern der Hochschule über unsere Pläne diskutieren und erste, auch strukturelle, Maßnahmen umsetzen.

Was ist der Kern Ihrer Vision?

Kunst: Die Stärke der Uni Potsdam liegt in den gewachsenen Kooperationsbeziehungen zu den außeruniversitären Forschungseinrichtungen. An dem Ausbau der Beziehungen werden wir in nächster Zeit systematisch arbeiten, wobei wir hier wenige, aber besondere Forschungsprofile im Blick haben, solche, die international und national sichtbar sind beziehungsweise werden können.

Wie soll die weitere Zusammenarbeit mit den Forschungseinrichtungen der Region entwickelt werden? Haben Sie dabei Vorbilder wie das Karlsruhe Institut of Technology im Blick?

Kunst: Wir werden Potsdam spezifische Antworten finden. Es gibt ja bereits solche Kristallisationspunkte, wie sie sich beispielsweise am und um den Wissenschaftspark Golm entwickelt haben. Potsdam hat einen großen Reichtum, aber auch eine ausgeprägte Vielfalt an außeruniversitärer Forschung, so dass wir über ein gemeinsames Dach nachdenken. Darunter sollten dann verstärkt Kooperationen zum Beispiel in den Geowissenschaften, der Biotechnologie oder den Geisteswissenschaften zwischen den außeruniversitären Partnern und der Universität Potsdam stattfinden.

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Karikatur: Woessner

Wie sollen sich andere Forschungsfelder weiter entwickeln?

Kunst: Für alle Forschungsschwerpunkte der Hochschule soll künftig gelten, dass sie eine besondere Qualität in der Verknüpfung von Forschung und Lehre herstellen. Dadurch, dass die Universität relativ klein ist, besteht die Möglichkeit, einen leichten Übergang von Ausbildung zu aktueller Forschung zu gewährleisten. Institutionell dient uns hierfür die im letzten Jahr gegründete Potsdam Graduate School, in der in einer neuen Art und Weise Promotionen sehr gut betreut werden können.

Was wird sich im Bereich der Lehre tun?

Kunst: Die Neustrukturierung der Studiengänge. Wir planen, dass fächerspezifisch für alle Bachelor- und Master-Studiengänge eine strukturierte Studieneingangsphase eingeführt wird, in der bereits mit Studienbeginn Schlüsselqualifikationen in den Studienverlauf verpflichtend integriert werden. Damit erwerben sich die Studierenden von Anbeginn an fächerspezifisches Methodenwissen und auch die heute so wichtigen Soft Skills. Wir gehen davon aus, dass damit den Studierenden der Studienstart wesentlich erleichtert wird.

Könnten Sie sich in dem Prozess der weiteren Ausgestaltung der Universität Potsdam auch die Einbindung ehemaliger Studierender vorstellen?

Kunst: Ja, ich denke, dass wir das hohe Potential unserer Ehemaligen nutzen werden. Beispielsweise wäre es schön, wenn Absolventen in Unternehmen gezielt Praktika für Studierende der Universität Potsdam anbieten würden. Weiterhin könnten wir unsere Absolventen als Botschafter für die Universität Potsdam und für Deutschland im In- und Ausland einsetzen. Sie könnten uns unterstützen bei der Werbung weiterer Studierender, was insbesondere vor dem Hintergrund der rückläufigen Studierendenzahlen eine große Bedeutung für uns haben wird.

Das Magazin "Portal alumni" stellt thematisch die Frage in den Mittelpunkt, inwieweit Familie und Beruf in Einklang zu bringen sind. Sie selbst sind Mutter dreier Kinder, verheiratet und haben zugleich Karriere gemacht. Wie war das möglich?

Kunst: Wie Sie sehen, geht es, es war aber nicht einfach. Es war und ist möglich mit Glück und viel Organisationsgeschick und einem breit gestrickten Netzwerk. Man braucht Tagesmütter, Kitas, Omas und vor allem ein fröhliches Gemüt. Zudem bedarf es innerhalb der Familie einer verlässlichen Partnerschaft, die ihre Basis braucht und auf Gegenseitigkeit setzen muss. Weiterhin ist auch eine Art vertraglicher Vereinbarung darüber notwendig, wer in einer Lebensgemeinschaft wann wie zum Zuge kommt. Wenn diese vielen Punkte zusammentreffen, kann es klappen.

Hatten Sie sich von Anfang an vorgenommen, Beruf und Familie in Einklang zu bringen?

Kunst: Ja, ich habe immer den eisernen Willen gehabt, mich in der Wissenschaft weiter zu entwickeln und bin deswegen auch nach der Geburt meiner Kinder immer relativ rasch wieder in den Wissenschaftsbetrieb eingestiegen.

Ist das ein Rezept?

Kunst: Ja, ich denke, die jungen Mütter sollten versuchen, im Geschäft zu bleiben und sich von den Männern nicht aus dem System drängen zu lassen. Mir persönlich hat sicher auch mein fest verankerter Wille geholfen, mich nicht abhängig machen und dabei bleiben zu wollen. Das vermisse ich manchmal bei den Frauen und erlebe, dass sie nach Auslaufen ihrer befristeten Projektstellen aus den Netzwerken herausfallen. In einer Welt der Netzwerke gehört eben Anwesenheit unbedingt dazu. Die fachliche Qualifikation ist eben leider nicht alleiniges Gütesiegel für eine Karriere in der Wissenschaft. Man muss auch lernen, sich durchzubeißen.

Welche Möglichkeiten sehen Sie, den jungen Frauen zu helfen, im System zu bleiben?

Kunst: Zum einen wünsche ich mir eine höhere Flexibilität seitens der Geldgeber, denn nicht selten bekommen Frauen die Kinder in der Promotionsphase oder kurz danach auf kurzfristigen Projektstellen. Andererseits erhoffe ich mir im Hochschulbetrieb Verständnis bei allen Beteiligten und gutes Teamwork.

Und was werden Sie dazu beitragen?

Kunst: Es wird auch eine wichtige Aufgabe für mich sein, die Universität Potsdam als familiengerechte Hochschule konsequent weiter auszubauen und zugleich Programme zu entwickeln, mit denen junge Mütter und Väter unterstützt werden können.

Danke für das Gespräch!

Die Präsidentin Sabine Kunst

Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. phil. Sabine Kunst nahm am 1. Januar 2007 für sechs Jahre die Geschicke der Universität Potsdam in die Hand. Sabine Kunst, Jahrgang 1954, war zuvor Vizepräsidentin für Lehre, Studium und Weiterbildung der Universität Hannover. Sie studierte von 1972 bis 1979 Biologie/Chemie und Politologie/Philosophie, promovierte 1982 zum Dr.-Ing. und 1990 zum Dr. phil. 1990 habilitierte sie sich am Fachbereich Bauingenieur- und Vermessungswesen der Universität Hannover. Ihre wissenschaftliche Karriere führte sie über Hannover, Darmstadt, Berlin, Südafrika, Bolivien und Hamburg Harburg wieder nach Hannover, wo sie 1991 zur Universitätsprofessorin berufen wurde. Von 2003 bis 2006 war Sabine Kunst an der Universität Hannover Mitglied der Hochschulleitung. Im Juni 2007 wurde die Präsidentin der Universität Potsdam in den Vorstand des Deutschen Akademischen Austauschdienstes gewählt.

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[Letzte Aktualisierung 06.12.2007, Schroeter]