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5. Ausgabe: Dezember 2007
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Nicht nur "Gute Nacht" sagen

Bei Historikerin Angela Schickhoff muss die berufliche Karriere noch warten

Die Historikerin Angela Schickhoff hat sich schon in einigen Jobs ausprobiert. Doch ihr berufliches Ziel hat sie noch nicht gefunden. Den Lebensmittelpunkt dafür ganz sicher. Sie widmet sich derzeit vor allem ihren drei Kindern. Ganz nah mitzuerleben, wie diese aufwachsen, ist ihr wichtig. Da sie deshalb momentan nur halbtags arbeiten will, ist eine berufliche Weiterentwicklung für sie schwierig.

The historian Angela Schickhoff has tried out a couple of jobs, but her professional goal continues to elude her. This is definitely not the case regarding her centre of interest. Currently, she devotes her time and energy above all to her three children. To experience very closely their growing up is important to her. Due to the fact that she now only wants to work part-time, her professional development is proving to be difficult.

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Drei plus X:
Historikerin Angela Schickhoff ist als Vollzeit-Mutter glücklich
und könnte sich noch weiteren Familienzuwachs vorstellen.
Foto: privat

Gern würde ich eine Erfolgsgeschichte erzählen, ähnlich denen, die ich in Vorbereitung dieses Artikels in den letzten Ausgaben von "Portal alumni" las: Die Geschichte einer nach dem Studium beruflich erfolgreichen mehrfachen Mutter. Meine Situation aber ist eine andere.
Nachdem ich meinen ersten Berufswünschen - Feuerwehrfrau oder Tierärztin - den Rücken gekehrt hatte, wollte ich lange Zeit Lehrerin und später Forscherin werden. Als Richtung gab ich immer Sprachen und Geschichte an. Ich sah mich in einem Kämmerlein über verstaubten Büchern sitzen und über Fragen unserer Vergangenheit grübeln. Zunächst wurde ich aber mal "Facharbeiterin für Schreibtechnik". Nach der Wende holte ich dann das Abitur nach und begann 1994, an der Uni Potsdam Geschichte zu studieren.
Endlich hatte ich mein Ziel erreicht. Jetzt aber begann das berufliche Lavieren, das bis heute andauert. Die Frage, was nach dem Studium kommen soll, hatte ich mir nämlich nie wirklich gestellt. Langsam wurde mir klar, dass ich wohl eher nicht der Forscher-Typ bin. Man kann mein Studium - meine beiden Töchter wurden in dieser Zeit geboren - aber trotzdem durchaus als erfolgreich bezeichnen. Ich bestand meine Prüfungen gut, sehr gut und auch mal nicht so gut, war studentische Hilfskraft und Tutorin, studierte ein Jahr mit DAAD-Stipendium in Innsbruck. Dennoch fand ich kein Ziel.
Schon lange zuvor hatte ich gewusst, dass ich einmal mehrere Kinder haben wollte. Nachdem ich 1997 in meinem späteren Mann den richtigen Partner gefunden hatte, wollte ich schon während der Hochschulausbildung Nachwuchs. Ich machte mir über die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt keine Gedanken. Diesen gibt es meiner Meinung nach nicht. So kam es, dass 1999 und 2000 unsere Töchter das Licht der Welt erblickten. Ich bin durchaus stolz darauf, in dieser Zeit weiter studiert und meine Prüfungen absolviert zu haben, so dass ich 2001 mein Studium mit dem Magister Artium abschloss.
Warum startete ich nun nicht durch? Nun, ich wusste nach wie vor nicht, in welche Richtung es gehen sollte. Ich fühle mich außerdem überraschenderweise in der Mutterrolle ausgesprochen wohl. Es macht mir Freude, für die Kinder da zu sein, sie zum Beispiel zur Musikschule oder anderen Aktivitäten zu begleiten. Inzwischen ist aus dem Duo übrigens ein Trio geworden. Im letzten Jahr kam unser Sohn zur Welt. Durchaus geplant.
So schön es ist, sich den Kindern intensiv widmen zu können, so klar ist auch, dass wir uns eine Nur-Mutter-Rolle meinerseits eigentlich nicht leisten können. In den letzten Jahren versuchte ich deshalb mehrfach, beruflich Fuß zu fassen. Ich suchte Arbeit in meinem alten Beruf, bildete mich im PC- und Internet-Bereich weiter und war als Teletutorin und bei einer Zeitung tätig. Als Dozentin - ich gab vor allem PC-, Deutsch- und in letzter Zeit auch Tastaturschreib-Kurse - war ich zeitweise sogar recht erfolgreich. Ich eignete mir eine Menge Wissen über das Gestalten von Homepages an, traute mich letztlich aber nicht, mich im Bereich Webdesign selbstständig zu machen. All diese Beschäftigungen habe ich nur stundenweise ausgeführt, wodurch sie finanziell unattraktiv waren. Zudem war durch mein Bestehen auf Teilzeit kein berufliches Fortkommen möglich. Auch nötige Weiterbildungen ließen sich schlecht eintakten und waren nicht bezahlbar.
Zu einer Vollzeittätigkeit war und bin ich auch heute nicht bereit. Das ist sicher mein größtes Handicap. Ich möchte, wie ich es selbst als Kind gekannt habe, morgens mit meinen Kindern frühstücken und erst nach oder mit ihnen das Haus verlassen. Wenn sie von der Kita oder der Grundschule nach Hause kommen, möchte ich da sein. Eine sehr viel versprechende Weiterbildung, die eine gut bezahlte Tätigkeit im öffentlichen Dienst bedeutet hätte, nahm ich nicht an, weil sie eine monatelange Abwesenheit von meiner Familie bedeutet hätte. Ich wollte sowohl meine Kinder nicht so lange meiner Fürsorge berauben als auch - durchaus egoistisch gedacht - nichts von ihrem Leben verpassen. Ich habe diese Kinder bekommen, um sie aufwachsen und sich entwickeln zu sehen, nicht um über sie am Telefon informiert zu werden. Besonders die frühen Jahre wollte und will ich bewusst erleben. Und auch oder vielleicht sogar gerade im "Teeniealter" möchte ich den dreien zur Seite stehen und nicht nur "Guten Morgen" und "Gute Nacht" sagen. Ob die Familienplanung abgeschlossen ist - wer weiß? Mein Gefühl sagt eindeutig: Nein. Klar ist trotzdem, dass die Frage nach meiner beruflichen Zukunft entschieden werden muss. Früher oder später.

Angela Schickhoff


Kontakt: Angela Schickhoff, E-Mail: schickhoff(at)web.de

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[Letzte Aktualisierung 06.12.2007, Schroeter]