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5. Ausgabe: Dezember 2007
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"Meine Kinder werden mir ein Zeichen geben…"

Sportwissenschaftlerin Claudia Kirf verschiebt die Suche nach der Berufung auf später

Mit der kaufmännischen Lehre in der Damenoberbekleidung gab sich Claudia Kirf nicht zufrieden. Sie studierte auch noch Sportwissenschaft. Tätigkeiten beim SV Babelsberg 03 und in einem Fünf-Sterne-Hotel folgten. Das erste Kind kündigte sich an, die Hotel-Managerin war nicht mehr gefragt. Sie gab, auch aus finanziellen Gründen, nicht auf und meisterte nicht zuletzt mit familiärer Unterstützung die neue berufliche Herausforderung als Managerin eines Herrenhemden-Stores in Potsdam. Leider war auch diese Tätigkeit nicht von Dauer, die darauf folgende Selbstständigkeit nicht erfolgreich. Inzwischen ist es Claudia Kirf gelungen, eine Tätigkeit in der Unternehmensberatung zu finden, bei der sie ihre Familie mit zwei Kindern und ihre Berufstätigkeit gut in Übereinstimmung bringen kann.

Claudia Kirf was not satisfied with an apprenticeship in merchandising in the women's apparel branch, so she studied sports science as well. Employment at the football club SV Babelsberg 03 and in a five star hotel followed. After the first child came on the scene, the hotel manager was no longer needed. However, also due to financial reasons, she didn't give up. She succeeded in a new professional challenge as a manager of a men's apparel store in Potsdam, not in the least due to support from her family. Unfortunately, this employment did not last, and the following self-employment was also unsuccessful. In the meantime, Claudia Kirf has found work as a management consultant, which allows her to combine well her family life with two children and her professional life.

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Genießt es, die Entwicklung ihrer Kinder zu verfolgen:
Claudia Kirf.
Foto: privat

Als ich 1995 mein Studium der Sportwissenschaft in Potsdam begann, wollte ich dazulernen. Ich war neugierig auf neue Sportarten, wollte mich sportlich ausprobieren und intensiver mit den Wirkungen der sportlichen Betätigung beschäftigen. Zuvor hatte ich eine kaufmännische Lehre in der Damenoberbekleidung absolviert und arbeitete anschließend im Vorstandssekretariat. An eine eigene Familie dachte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Es fehlte auch der passende Partner.
Während meines Studiums festigte sich mein Wunsch, im Sportmanagement beziehungsweise der Sportverwaltung zu arbeiten. Ich erhielt einen Vertrag beim SV Babelsberg 03, der damals in die 2. Bundesliga aufgestiegen war und jede Unterstützung brauchte. Der Verein stieg ab, und ich sah mich nach einer neuen Herausforderung um. Ich fand eine Stelle als Vitality Club Manager in einem Berliner Fünf-Sterne-Hotel. Dort sollte ich den Wellnessbereich, der nach 20 Jahren komplett umgebaut wurde, mit aufbauen. Nach wenigen Monaten musste ich aber meine ungeplante Schwangerschaft bekannt geben. Das Unternehmen hatte in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen mit Müttern in Leitungspositionen gemacht. So wurde mir verkündet, dass eine Mutter als Managerin in diesem Bereich, auch bedingt durch Schichtarbeit, nicht gewollt ist. Ich wusste, dass es für mich eine Babypause geben wird, wusste allerdings nicht, wo es danach weiter gehen würde. Unser Sohn Paul wurde geboren. Ich beantragte ein Jahr Erziehungsurlaub. Danach wollte und musste ich, auch aus finanziellen Gründen, auf jeden Fall wieder arbeiten.
Durch einen Kontakt, den ich durch meine studentische Nebentätigkeit in der Damenoberbekleidung gepflegt hatte, erhielt ich das Angebot, einen neuen Herrenhemden-Store in Potsdam zu managen. Mit Hilfe meines Mannes, der mich bei der Kinderbetreuung unterstützte, bis wir einen Kitaplatz für unseren Sohn bekamen, sagte ich kurzfristig zu. Der Store war eine Herausforderung, ich stürzte mich mit viel Spaß in die neue Tätigkeit und genoss es, wieder neben den familiären Verpflichtungen gebraucht zu werden. Die Familie jedoch brauchte mich noch viel mehr. Mein Sohn wurde mit Eintritt in die Kita häufig krank, so dass ich einige Male der Arbeit fern bleiben musste. Unsere Eltern konnten uns wenig unterstützen, da sie selbst noch arbeiten und außerdem 800 beziehungsweise 200 Kilometer weit entfernt wohnen. Ich reduzierte meine Arbeitsstunden auf 30 pro Woche. Doch auch das verhinderte weitere Krankheiten nicht. Da es dem noch jungen Unternehmen wirtschaftlich nicht so gut ging, wurde der Vertrag nach einem Jahr aufgelöst. Parallel dazu erkrankte ich selbst so schwer, dass weitere Kinder in Frage gestellt waren. Ich meldete mich arbeitslos und versuchte kurz darauf, selbstständig tätig zu sein. Einen Auftrag gab es. Ich arbeitete für ein Fitnessstudio, das, aus der Konkursmasse herausgelöst, wieder Umsatz bringen sollte. Leider war mein Einsatz für dieses Unternehmen, bedingt durch Kürzungen in allen Bereichen, schneller beendet als geplant. Der Versuch der Selbstständigkeit scheiterte mangels weiterer Aufträge.

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Managerin im Einzelhandel:
Der Job ließ sich nicht mit krankem Kind vereinbaren.
Foto: privat

Ich war sehr unzufrieden, wusste nicht, welche beruflichen Möglichkeiten ich noch hatte, schrieb viele Bewerbungen. Es sollte eine Tätigkeit am besten in Potsdam sein, die familienfreundlich ist, 30 Stunden nicht überschreitet, mit möglichst kinderfreundlichen Kollegen, einem sicheren Einkommen, die Spaß machen sollte und nicht unterforderte. Eine Tätigkeit im Management schloss ich von vornherein aus. Ein Bewerbungstraining und eine über das Arbeitsamt ausgeschriebene Stelle brachten schließlich den Erfolg. Ich bekam eine Anstellung in einer Unternehmensberatung, die all meine Wünsche berücksichtigte.
Inzwischen stabilisierte sich der Gesundheitszustand unseres Sohnes erheblich. Was ich zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung noch nicht wusste: Meine Tochter kündigte sich an: Schock und Freude zugleich, denn ich wollte nicht gleich wieder den Job verlieren, gleichzeitig erschien mir ein weiteres Kind wie ein Wunder. Ich erarbeitete einen Lösungsvorschlag für meine Ausfallzeit und wollte nach einem halben Jahr wieder zurück sein, denn das neue Elterngeld hätte mir, bei einer 30-Stunden-Tätigkeit, nicht die benötigten finanziellen Mittel eingebracht, um länger pausieren zu können. Mein Lösungsvorschlag wurde angenommen. Meine Tochter kam allerdings zwei Monate zu früh zur Welt. Da aber ihre Entwicklung sehr gut verlief, konnte ich früher als geplant stundenweise wieder arbeiten. Unsere Kita half beim zeitiger benötigten Betreuungsbedarf. Das neue Elterngeld erhielt ich durch die frühe Geburt nicht, dafür das Erziehungsgeld, das mir, bedingt durch die 30-Stunden-Arbeitszeit und dem relativ schnellen Arbeitsbeginn, nur geringfügig weniger einbrachte.
Ich habe gelernt, Beruf und Familie abzustimmen und meine beruflichen Wünsche neu zu orientieren. Meine Berufung habe ich noch nicht gefunden, aber meine Kinder werden mir ein Zeichen geben, wann es soweit ist, eine neue Herausforderung anzugehen. Bis dahin genieße ich eine feste Anstellung und die spannende Entwicklung meiner Kinder.

Claudia Kirf

Kontakt: Claudia Kirf, E-Mail: ClaudiaKirf(at)web.de

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[Letzte Aktualisierung 06.12.2007, Schroeter]