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5. Ausgabe: Dezember 2007
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Warum nicht auch mal Südamerika?

Politikwissenschaftlerin Astrid Harnisch kann sich gut vorstellen, mit der Familie für einige Jahre im Ausland zu leben und zu arbeiten

Nach eineinhalb Jahren Babypause stieg Politikwissenschaftlerin Astrid Harnisch auf einer Dreiviertel-Stelle wieder in ihren Beruf ein und arbeitet zusätzlich an einem Forschungsprojekt an der Uni Potsdam. Ein Kitaplatz und eine Babysitterin ermöglichen ihr und ihrem Mann, sich beruflich zu engagieren. Beim nächsten Kind wollen beide, dass ihr Mann einen Teil der Elternzeit nimmt, wenn seine berufliche Situation es zulässt. Sie können sich auch vorstellen, mit der Familie für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Die aktuelle Familienpolitik sieht Astrid Harnisch ambivalent. Ihre Kritikpunkte sind vor allem die Benachteiligung von sozial schwachen Familien und die schwierige Situation des Betreuungspersonals.

After one and a half years of maternity leave, the political scientist Astrid Harnisch returned to her employment, working three-fourths of a full workweek, and she additionally began to work on a research project at the university. A spot in a day care centre and a sitter allow her and her husband to pursue their professional careers. When they have their next child, they both would like for him to take paternity leave for some of the time, provided that his professional career allows it. They also think about spending some time as a family in another country. Astrid Harnisch is ambivalent towards the current politics regarding the family. Her points of critique lie primarily in the disadvantages faced by the socially less fortunate and in the difficult situation concerning day care personnel.

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Astrid Harnisch und ihre Familie:
weiterer Zuwachs eingeplant.
Foto: privat

Familie und Beruf miteinander zu verbinden, ist eine Selbstverständlichkeit für meinen Mann Hendrik und mich. Idealerweise wollten wir beide uns gerne die Elternzeit für unsere Tochter Frederike Lena, die im Mai 2006 geboren wurde, aufteilen. Da Hendrik zurzeit aber einen befristeten Vertrag hat, war klar, dass zunächst ich nach der Geburt von Frederike in Elternzeit gehen würde. Meine Stelle im Bundesumweltministerium bietet dafür optimale Voraussetzungen. Unsere ursprüngliche Planung sah vor, Frederike mit einem Jahr in eine Krippe zu geben. Allerdings findet man in Berlin - wo eine ausgesprochen große Auswahl an Plätzen besteht - fast nur zum Schuljahresbeginn im August freie Kita-Plätze. Bei meinem Arbeitgeber konnte ich glücklicherweise problemlos die ursprünglich beantragte Elternzeit verlängern. Daher haben wir letztendlich erst Ende August 2007 mit der Eingewöhnungsphase in einer so genannten Tagesgroßpflegestelle begonnen, die nur einige Häuser von unserer Kreuzberger Wohnung entfernt ist. In der kleinen Gruppe mit insgesamt acht Kindern im Alter von knapp eins bis drei, die von einer Tagesmutter und einem Tagesvater liebevoll betreut werden, fühlte Frederike sich gleich vom ersten Tag an pudelwohl.
Seit Oktober 2007 gehe ich wieder für 30 Stunden und in einer Vier-Tage-Woche arbeiten und genieße dies nach fast anderthalb Jahren Auszeit sehr. Hauptsächlich beschäftige ich mich mit der Umsetzung der bei der Kabinettsklausur in Meseberg verabschiedeten Eckpunkte für ein integriertes Energie- und Klimaprogramm.

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Gern gesehen: Bruder als Babysitter.
Foto: privat

Seit Anfang 2007 haben wir eine Babysitterin, die Frederike bis zum Kita-Beginn regelmäßig zwei bis drei Vormittage in der Woche betreute und sie zurzeit an zwei Nachmittagen in der Woche von der Kita abholt. An meinem freien Tag beschäftige ich mich mit Klimaschutzprojekten und nachhaltiger Entwicklung in Costa Rica im Rahmen des Sonderforschungsbereiches "Regieren in Räumen begrenzter Staatlichkeit" an der Freien Universität Berlin, an dem auch die Universität Potsdam beteiligt ist. In dem Teilprojekt von Prof. Harald Fuhr von der Uni Potsdam kann ich meine Arbeitsschwerpunkte im BMU - Klimaschutz- und Energiepolitik - mit meinen praktischen Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit optimal verbinden. Nach meinem Studienabschluss in Potsdam war ich als Juniorberaterin für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Ecuador und der Dominikanischen Republik. So lag die Verbindung zu einem lateinamerikanischen Land nahe.
Während eines zweiwöchigen Forschungsaufenthaltes in Costa Rica im Juli 2007 war ich dann zum ersten Mal von Frederike getrennt und Hendrik hat erfahren, wie es ist, rund um die Uhr von unserer Tochter gefordert zu werden. Beide haben diese Zeit sehr genossen und so konnte ich die Zeit in San José ebenso sehr genießen und mich voll auf das Projekt einlassen. Unsere Wunschvorstellung wäre es, dass Hendrik beim nächsten Kind auch einige Monate Elternzeit nimmt. Allerdings hängt dies von unserer beruflichen Situation ab. Die aktuellen Entwicklungen in der Familienpolitik sehe ich ambivalent. Zum einen war es höchste Zeit, dass der gesellschaftliche Diskurs über Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit neuem Leben gefüllt wurde und beispielsweise die Betreuungssituation für Kleinkinder und Kinder verbessert wird. Auf der anderen Seite ist es insbesondere problematisch, dass sozial benachteiligte Familien durch die Einführung des Elterngeldes schlechter gestellt sind als vorher. Außerdem vermisse ich in der aktuellen Debatte die Frage nach der Qualität der Kinderbetreuung. Diese taucht oft eher am Rande auf und ist überschattet von der grundsätzlichen Problematik der Finanzierbarkeit der zusätzlichen Betreuungsplätze. Mit der Qualitätsfrage hängt auch zusammen, dass eine höhere Wertschätzung der Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern, Pädagoginnen und Pädagogen notwenig ist. Viele haben keine feste Anstellung und können als Selbstständige kaum eine private Rentenvorsorge betreiben. Je mehr Nachwuchs aber in Krippen und Kindergärten betreut wird oder zu Tagesmüttern geht, desto wichtiger wird die Aufgabe, die sie in und für unsere Gesellschaft übernehmen.
Für die Zukunft könnten wir uns gut vorstellen, einige Jahre im Ausland zu verbringen, wenn sich beruflich die Möglichkeit dazu ergibt. Ob Brüssel, USA oder vielleicht sogar Südamerika ist derzeit allerdings noch völlig offen. Langfristig sehen wir uns aber definitiv im Berliner Raum und vielleicht sogar irgendwann einmal wieder in meiner Geburtsstadt Potsdam.

Astrid Harnisch

Kontakt: Astrid Harnisch, E-Mail: aharnisch(at)gmx.net

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[Letzte Aktualisierung 06.12.2007, Schroeter]