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5. Ausgabe: Dezember 2007
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Partnerschaftliches Familien-Management

Bridge Einicke, Mutter von zwei Kindern, arbeitet Vollzeit als Brand Manager im Corporate Marketing

Als Brand Manager im Corporate Marketing bei Procter & Gamble hat Bridge Einicke ihren Traumjob gefunden. Dass sie hier als Mutter von zwei Töchtern trotzdem Vollzeit arbeiten kann, gelingt nur dank straffer Organisation, langfristiger Planung und einem Partner, der wegen der Kinder seine Arbeitszeit auf 80 Prozent reduziert hat. Seit August 2007 besuchen beide Kinder einen Kindergarten. Bei den Betreuungsangeboten, besonders für die unter Dreijährigen, gäbe es noch einiges zu verbessern, findet die Betriebswirtschaftlerin. Gut verzichten kann sie hingegen auf Vorurteile gegenüber berufstätigen Müttern.

As a brand manager in corporate marketing at Procter & Gamble, Bridge Einicke has found her dream job. She attributes the fact that she, as a mother of two daughters, can work full-time to good organizing, long-term planning and a partner, who has reduced his amount of work to 80 percent. Both children have been attending pre-school since August of 2007. According to the business economist, the day care situation leaves a lot to be desired, especially for children less than three years of age. She readily denies any supposed reasons for bias against mothers in the workforce.


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Intensive Familienzeit:
Gemeinsame Ausflüge gehören dazu.
Foto: privat


Früher habe ich mir andere zum Vorbild genommen, um einen Weg zu finden, Familie und Karriere so gut wie möglich unter einen Hut zu bringen. Inzwischen fragen Kolleginnen mich "Wie machst du das?", und so bin ich offenbar selbst zum Vorbild geworden.
Nach meinem Abschluss als Bachelor of Arts in Politik, Kunst und Wirtschaftswissenschaften an der Wittenberg University in Springfield, Ohio, arbeitete ich zunächst als Key Account Manager bei der Aeroquip Corporation in den USA, Frankreich und Deutschland. Da ich ins Marketing wollte, habe ich dann noch Betriebswirtschaftslehre an der Europa Universität Viadrina und an der Universität Potsdam studiert. An der Universität Potsdam lernte ich auch meinen Mann kennen. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter und einer der Ansprechpartner, die mir 1998 bei der Gründung der studentischen Unternehmensberatung "UniClever" zur Seite standen.
Im Jahr 2000 ging ich zu Procter & Gamble, zunächst als Assistant Brand Manager, und fand dort meinen Traumjob. Dass wir Kinder wollten, stand für meinen Mann und mich immer fest. Nur wann? Nach reichlicher Überlegung kamen wir zu dem Schluss, dass es im Hinblick auf Beruf und Karriere einen wirklich günstigen Zeitpunkt für Kinder sowieso nicht gibt. Gut ein Jahr nach meinem Start bei Procter & Gamble war ich schwanger. Da Kindergartenplätze erst für Dreijährige verfügbar waren, brauchten wir eine Tagesmutter. Wir wollten eine, die mehrere Kinder betreut, damit unser Kind schon früh viel Kontakt mit anderen Kindern hat. Bereits als ich im vierten Monat schwanger war, machte ich mich auf die Suche. Das sorgte mitunter für Verwunderung. Auf diese Weise hatte ich aber frühzeitig das Betreuungsproblem gelöst und musste mir keine Sorgen mehr machen, da ich genau die richtige Tagesmutter gefunden hatte, der ich mein kleines Kind bedenkenlos anvertrauen konnte.
Im Mai 2002 kam unsere Tochter Ella zur Welt. Als ich im November wieder in den Job einstieg, ging gerade meine Chefin in den Mutterschutz. Ich übernahm ihren Job und wurde ein Jahr später auch offiziell zum Brand Manager befördert. Für uns war von vornherein klar, dass ich wieder Vollzeit arbeiten würde. Auch bei einer kürzeren Arbeitszeit wäre meine Arbeit nicht weniger geworden, und die Position auf zwei Halbtagsstellen aufzuteilen, wäre auch nicht möglich gewesen. Unsere Tochter haben wir zu Beginn immer abwechselnd bei der Tagesmutter abgeholt, manchmal musste kurzfristig per Telefon abgestimmt werden, bei wem es weniger im Büro "brennt" und wer somit schon um 15.30 Uhr gehen musste. Diese Zeit, in der wir manchmal erst in "letzter Sekunde" entscheiden konnten, wer unser Kind abholt, war für uns beide stressig. Da keine Großeltern vor Ort wohnen und wir unsere Kleine auch nicht von Babysittern abholen lassen wollten, war die Situation alles andere als ideal. Zu allem Überfluss begannen sich einige Kollegen (zu Recht?) zu beschweren, dass wir so oft früh los mussten. Die Situation entspannte sich schlagartig, als mein Mann seine Arbeitszeit auf 80 Prozent reduzieren konnte. Von da an brachte ich morgens Ella ohne Hektik zur Tagesmutter, mein Mann holte sie ab und genoss den Nachmittag mit ihr.

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Davon profitiert auch das Familienleben:
Bridge Einicke ist vollauf zufrieden in ihrem Job.
Foto: privat

Im November 2004 wurde unsere zweite Tochter Lilli geboren. Diesmal nahm ich mir fast ein Jahr Elternzeit, mein Mann blieb zur Sicherheit bei seinem 80-Prozent-Vertrag. Es war ein sehr schönes Familienjahr. In den letzten beiden Wochen meiner Elternzeit begann für Ella der Kindergarten, und Lilli hatte ihre ersten Schnuppertage bei der Tagesmutter, die wir schon von Ella gut kannten. Ich stieg dann zunächst wieder in meine alte Position ein, da meine Nachfolgerin ihrerseits in Elternzeit ging. Für mich war es angenehm, nach der Pause zunächst wieder dort einsteigen zu können, wo ich mich schon auskannte. Im Mai 2006 wechselte ich ins Corporate Marketing, wo ich mit allen Marken von Procter & Gamble zusammenarbeite. Ich bin für das Kundenbindungsprogramm "for me:" mit Kundenmagazin und korrespondierender Internetplattform verantwortlich.
Dass mein Wiedereinstieg in den Job beide Male so problemlos geklappt hat, ist sicherlich auch glücklichen Umständen zu verdanken. Hilfreich war aber auch, den Kontakt zu meiner Abteilung nicht abreißen zu lassen und auch mal mit Baby bei den Kollegen vorbeizuschauen. Außerdem habe ich auch immer klar kommuniziert, wann ich wieder einsteigen möchte und dass ich Vollzeit arbeiten will.
Seit August 2007 gehen beide Töchter in den Kindergarten. Nach wie vor bringe ich sie hin, mein Mann holt sie ab. Wenn mal eine krank ist, kann ich auch einen Tag von zu Hause aus arbeiten. Ist ein Kind länger krank oder macht der Kindergarten Ferien, müssen wir entweder Urlaub nehmen oder meine Mutter reist an. Auch wenn bei mir eine Geschäftsreise ansteht, springt sie ein. Da ich ihr möglichst frühzeitig Bescheid geben will, versuche ich, meine beruflichen Termine so früh wie möglich festzuklopfen. Überhaupt arbeitet man mit Kindern viel effizienter, damit sich Überstunden in einem erträglichen Rahmen halten. Die Zeit, die wir mit unseren Kindern verbringen, nutzen wir intensiv. Wir spielen, basteln und lesen viel gemeinsam und machen am Wochenende Ausflüge.
Neben den organisatorischen Problemen, die wohl alle berufstätigen Eltern kennen, stößt man auch immer wieder auf Vorurteile, insbesondere als Vollzeit berufstätige Mutter. Von Kollegen, Bekannten und sogar auf Ämtern wird man mitunter als Rabenmutter abgestempelt. Als ich mich beispielsweise im Rathaus nach einer Ganztagsbetreuung erkundigte, erklärte mir die zuständige Beamtin: "Bei uns arbeiten die Mütter nur halbtags, damit sie sich um ihre Kinder kümmern können." Anfangs habe ich mir solche Vorwürfe noch zu Herzen genommen, inzwischen nehme ich es mit Humor. Schließlich sehe ich an unseren Kindern, dass sie nichts vermissen und teilweise in ihrem Sozialverhalten und ihrer ganzen Entwicklung weiter sind als Kinder, die nicht oder nur stundenweise in den Kindergarten gehen. Und ich bin mir sicher, dass ich als berufstätige, zufriedene Mutter langfristig eine bessere Mutter bin.
In Hessen ist im letzten Jahr vor der Schule der Besuch des Kindergartens kostenfrei. Aus meiner Sicht reicht das aber noch nicht aus, und Ursula von der Leyen spricht mir mit ihren Vorschlägen meist aus der Seele. Der Kindergartenbesuch sollte gänzlich kostenfrei und wenigstens halbtags Pflicht sein. So hätten auch Kinder, die zu Hause zu oft vor dem Fernseher geparkt werden, eine Chance auf Förderung und Entwicklung ihres Sozialverhaltens. Zudem müssten die Kindergarten-Öffnungszeiten flexibler sein. Insbesondere für Alleinerziehende sind die Betreuungszeiten in öffentlichen Einrichtungen nicht mit einem 40-Stunden-Job vereinbar.
Ich bin in der glücklichen Situation, dass mein Mann bei der Kinderbetreuung voll mitzieht. So sind Kinder und Beruf mit ein wenig Organisation, Planung und Flexibilität sehr gut unter einen Hut zu bringen. Ein Leben ohne die Kinder könnten wir uns absolut nicht mehr vorstellen.

Bridge Einicke

Kontakt: Bridge Einicke, E-Mail: bridge(at)einicke.de

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[Letzte Aktualisierung 06.12.2007, Schroeter]