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5. Ausgabe: Dezember 2007
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Viva la Potsdam

Mit dem Doktortitel der Uni Potsdam zur Führungskraft in Mexiko

Nach dem Studium in meiner Heimat Mexiko suchte ich für meine Promotionsarbeit nach der besten Arbeitsgruppe im Bereich der pflanzlichen Molekularbiologie in Deutschland. Ich fand sie an der Uni Potsdam. Die beruflichen Erfahrungen, die ich dort gewinnen und die Forschung auf hohem Niveau, die ich dort betreiben konnte, haben nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass ich heute eine verantwortungsvolle Position an einer der bedeutendsten Einrichtungen für Landwirtschaftsforschung in Lateinamerika innehabe. Die Verbindung nach Potsdam besteht nach wie vor. In diesem Jahr war ich erneut für einen Forschungsaufenthalt in meiner "alten" Arbeitsgruppe.

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Von Veracruz nach Potsdam und zurück:
Familie Gómez-Merino.
Foto: privat

Ich studierte Landwirtschaft an der Universität von Veracruz, Mexiko, und beendete 1995 mein Studium mit der Approbation zum Agronomen. Anschließend erlangte ich den Magister-Abschluss im Bereich Pflanzenphysiologie am College of Postgraduate for Agricultural Sciences (COLPOS) in Mexiko. Promovieren wolle ich im Ausland.
Im Jahr 2000 erhielt ich vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Stipendium und ging zunächst nach Göttingen, um Deutsch zu lernen. In dieser Zeit suchte ich nach der besten deutschen Forschungsgruppe im Bereich der pflanzlichen Molekularbiologie, in der ich dann meine Promotionsarbeit durchführen wollte. Ich fand sie mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Bernd Müller-Röber im Institut für Biochemie und Biologie der Universität Potsdam.
2001 zog ich nach Potsdam und begann meine Forschungsarbeit in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie. Sechs Monate später kam meine Frau Dr. Libia Trejo-Téllez nach, die an der Freien Universität Berlin promovierte. Unsere Tochter Libia Fernandina verbrachte die Sommer 2001 und 2004 bei uns in Potsdam. In der Zwischenzeit lebte sie bei meinen Schwiegereltern in Mexiko. 2004 schloss ich meine Promotion zum Dr. rer. nat. ab.
Die Zeit in Potsdam habe ich als besonders schön und interessant empfunden. Als Gast im Internationalen Begegnungszentrum der Wissenschaften in Potsdam (IBZ Potsdam) hatte ich die Möglichkeit, viele schöne Orte und Landschaften, wie Jerikow, Krongut Bornstedt und Caputh, kennen zu lernen. Häufig war ich in der Innenstadt und im Park von Sanssouci. Meine Familie und ich haben viele freundliche und interessante Menschen kennen gelernt, und es haben sich Freundschaften entwickelt, die bis heute Bestand haben.
2005 wurde ich als Juniorprofessor an das COLPOS berufen, eine der bedeutendsten landwirtschaftlichen Hochschulen ganz Lateinamerikas. Seit 2006 bin ich zudem Ehrenmitglied im Nationalen Rat der Wissenschaften Mexikos. 2007 wurde ich schließlich zum Direktor für Forschung und Entwicklung am COLPOS ernannt und gestalte in dieser Position die zukünftige landwirtschaftliche Entwicklung Mexikos mit.

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Leitet die Forschung am Landwirtschaftsinstitut:
Dr. Fernando Carlos Gómez-Merino.
Foto: privat

Die Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich an der Uni Potsdam gewonnen habe, sind für mich und meine Arbeit sehr wertvoll und haben sicher mit dazu beigetragen, dass mir diese verantwortungsvolle Aufgabe übertragen wurde. Besonders im Bereich von Planung, Organisation, Verantwortlichkeit, internationale wissenschaftliche Kooperation und auch im Hinblick auf Studienprogramme konnte ich viel Neues kennen lernen, das mir jetzt von großem Nutzen ist.
Die Berufung zum Forschungsdirektor ist eine enorme persönliche Herausforderung, denn momentan entwickelt sich die Landwirtschaft national wie international geradezu revolutionär von der traditionellen Nahrungsmittelerzeugung zur Nahrungsmittel- und Energieproduktion. Diese Entwicklung hat großen Einfluss auf die Forschung und die Forschungsrichtungen. Auch sind damit Konflikte verbunden, denn der Markt bestimmt, ob zum Beispiel Mais vorrangig zur Ethanolproduktion oder als Nahrungsmittel verwendet wird. In Mexiko wird derzeit auch diskutiert, wie beispielsweise das als Treibstoff weltweit wichtige Palmöl ökologisch verträglich produziert werden kann. Neue Arten wie die Energiepflanze Jatropha müssen in den Produktionsablauf integriert und der wissenschaftlich technische Vorlauf muss organisiert werden.
Als Juniorprofessor bin ich für ein nationales Projekt im Bereich pflanzlicher Stress-Mechanismen bei Mais, Reis und Zuckerrohr verantwortlich. Darüber hinaus veranstalte ich regelmäßig Fortbildungen und Kongresse auf dem Gebiet der molekularen Pflanzenphysiologie. Und ich bin Co-Autor des Buches "Nutricion de Cultivos". Somit bleibt wenig Zeit für die Familie und Freunde.
Meine Frau arbeitet inzwischen ebenfalls als Juniorprofessorin am COLPOS. Weil wir beide berufstätig sind, können wir unsere Tochter auf eine private Schule schicken und die doch recht schwierigen Verhältnisse in Mexiko bewältigen. Berufstätigkeit und Familie sind auch in Mexiko schwer zu koordinieren, und so kommt es schon mal vor, dass unsere Tochter einen Tag bei uns am College verbringen muss. Glücklicherweise gibt es aber auch noch sehr liebe Großeltern.
Der Kontakt zu meinem Doktorvater, Bernd Müller-Röber, und zu den Kolleginnen und Kollegen in Potsdam besteht weiterhin. 2007 kehrte ich für ein dreimonatiges Forschungsprojekt nach Potsdam zurück. In diesem Projekt habe ich eine in der Arbeitsgruppe entwickelte Technologie für die Untersuchung bestimmter Mais-Gene angewendet.

Fernando Carlos Gómez-Merino


Kontakt: Dr. Fernando Carlos Gómez-Merino, E-Mail: fernandga(at)colpos.mx, www.colpos.mx

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[Letzte Aktualisierung 06.12.2007, Schroeter]