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4. Ausgabe: Dezember 2006
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Ideen tragen Früchte

Geografin Steffi Wübbenhorst betreibt ein Bio-Café

After a year as a volunteer in the ecological field, Steffi Wübbenhorst studied and received a degree in geography at the University of Potsdam. However, even during her studies she dreamed with friends about opening her own café. In the end, she realized her dream together with her sister. The career service at the University of Potsdam helped her learn the basics of founding her own business. In the meantime, the organic foods café KieselStein has been open in the Potsdam city for more than a year.

Nach einem freiwilligen ökologischen Jahr studierte Steffi Wübbenhorst zunächst Geographie an der Universität Potsdam und schloss mit einem Diplom ab. Doch schon während des Studiums träumte sie mit Freunden von einem eigenen Café. Schließlich verwirklichte sie ihren Traum gemeinsam mit ihrer Schwester. Lotsendienst und Senior-Coaching-Service halfen ihr, sich grundlegendes Wissen in Sachen Existenzgründung anzueignen. Inzwischen gibt es das Bio-Café KieselStein in der Potsdamer Innenstadt schon mehr als ein Jahr.


Und nachmittags ins Bio-Café:
Zufriedene Gäste im "KieselStein".
Foto: privat

Die Idee, sich mit einem Café selbstständig zu machen, hat eine Vorgeschichte. Es waren einmal vier Freunde, so könnte die Erzählung beginnen, die eine gemeinsame Idee verwirklichen wollten. Die Planung rund um das Kulturcafé waren eigentlich sehr konkret, was fehlte, waren ein Mietvertrag, ein Finanzkonzept sowie letztlich das Durchhaltevermögen. Wir hatten die Vorstellung, durch dieses Projekt auch nach Beendigung des Studiums weiterhin zusammen bleiben zu können. Nach einem Jahr Projektarbeit gaben wir die Idee auf.
Ungefähr vier Jahre später fragte mich meine Schwester, ob ich Lust hätte, gemeinsam mit ihr ein Café zu eröffnen. Nach kurzer Überlegung wurde klar, dass nicht "Kultur", sondern "Bio" Priorität haben würde, wodurch sich der Kreis der Akteure verschob. Dann ging alles sehr schnell. Innerhalb von 14 Tagen beschlossen wir die Gründung des Familienunternehmens und Bio-Cafés. Das war Ende April 2005. Am 18. August eröffneten wir unser Café KieselStein. Dreieinhalb Monate Vorbereitungszeit - das erscheint mir im Rückblick extrem wenig, um alle Probleme und Fragen zu klären. Wir brauchten Geld, mussten uns um einen Kredit kümmern. Was würden wir tun, wenn das Café nicht so gut läuft? Wie wollen wir die Räume gestalten? Wer würde uns die Einrichtung anfertigen? Wie sollen wir unser Café nennen, wie soll die Werbung aussehen? Speisekarte, Angebot, Preise, Regelung der Einkäufe, Personal, Steuerberater, Versicherung, Geschäftskonto waren weitere Themen.
Wir waren gute drei Monate ständig auf Achse, unsere Köpfe rauchten, und wir hatten immer wieder mit unserer Angst zu kämpfen: Was ist, wenn das alles so gar nicht funktioniert? Gibt es wirklich genügend potenzielle Gäste, denen "Bio" und "rauchfrei" wichtig sind? Die Angst vor unserer eigenen Courage war eine Hürde, die wir immer wieder nehmen mussten. Wir haben die volle Verantwortung für unser Café ja zu zweit zu tragen. Eine weitere Hürde stellten die hygienischen, arbeitsschutzrechtlichen und brandschutztechnischen Vorschriften und Anforderungen dar, über die wir uns bis zur Bauabnahme nie richtig sicher waren. Die Zusammenarbeit mit den Ämtern klappte reibungslos. Die Beamten waren offen und kompetent. Schwierigkeiten bereiteten hier die Vorschriften, von denen einige nicht so klar definieren, was in unserem Fall zu tun war und bei denen wir auf die mündlichen Vereinbarungen der Verwaltungsmitarbeiter vertrauen mussten.


Schwesterlich geteilte Verantwortung:
Steffi (l.)und Anke Wübbenhorst.
Foto: privat

Den Kredit hatten wir trotz der späten Beantragung ziemlich schnell bewilligt bekommen. Der relativ hohe Eigenanteil sowie das Konzept, was auf dem Alleinstellungsmerkmal Bio fußt, schienen überzeugt zu haben. Eine Tatsache, die die Banken kritisch beäugten und die uns selbst ab und zu zum Nachteil zu werden schien, war unsere fehlende Erfahrung in der Gastronomie. Unser beider berufliche Ausbildung hat weder mit Gastronomie noch Betriebswirtschaft zu tun. Meine Schwester studierte in Berlin und arbeitete einige Jahre in ihrem Beruf als technische Redakteurin. Nach der Geburt ihres dritten Kindes begann sie in einem Bioladen als Aushilfe zu arbeiten und konnte so ihrem Interesse an biologischer Ernährung, alternativen Ernährungsansichten und Heilmethoden nachgehen. Nach meinem freiwilligen ökologischen Jahr begann ich Geographie an der Universität Potsdam zu studieren. Meine Diplomarbeit schrieb ich "nebenbei" von Januar bis März nach der Eröffnung unseres Cafés. Meine Schwester hatte also jede Menge Bio-Erfahrung und Know-how. Ich hatte den Versuch, ein Café zu eröffnen, als Erfahrungsschatz im Gepäck. Kochen und Arbeiten haben wir in unserem Elternhaus gelernt. Wir können also ganz gut kochen und haben auch schon mal Kaffee serviert. Aber worauf Gäste wirklich Wert legen, welchen Service sie brauchen, was Buchhaltung bedeutet oder welche Mengen Servietten man am besten auf einmal kauft, um nicht ständig unterwegs zu sein - Antworten auf derartige Fragen mussten wir erst suchen.
Unterstützung von außen bekamen wir insbesondere durch einen Freund, der (fast) alles über Finanzen und Banken weiß und der uns bei den Finanzplänen half. Das hätten wir in der kurzen Zeit allein nicht geschafft. Beim Lotsendienst der Uni Potsdam besuchte ich ein einwöchiges Existenzgründerseminar, und wir haben für Einstiegsberatungen beim Rechtsanwalt, beim Steuerberater und unserer Werbefirma finanzielle Unterstützung erhalten. Letztlich haben wir über den Senior-Coaching-Service die Möglichkeit bekommen, einen erfahrenen, pensionierten Betriebswirtschaftler zu allen für uns relevanten Themen zu fragen, was für uns sehr hilfreich ist.
Selbstständig sein ist nicht einfach. Manchmal gibt es soviel Arbeit, dass ich mich über einen stillen Bürojob sehr freuen würde. Die Vorteile liegen in der fast völligen Gestaltungsfreiheit des "Geschäfts". Positive Rückmeldungen bekommen wir täglich und direkt. Unser Erfolg ist gänzlich von uns selbst abhängig. Das macht auch manchmal Angst. Aber wir sind jetzt ein gutes Jahr "da" und können sehen, wie unsere Ideen Früchte tragen. Das ist das Beste!

Steffi Wübbenhorst

Kontakt: Steffi Wübbenhorst, E-Mail: steffi_wuebbenhorst(at)yahoo.de,
Café Kieselstein, Hegelallee 23, 14467 Potsdam

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[Letzte Aktualisierung 1.12.2006, Schroeter]