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4. Ausgabe: Dezember 2006
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Einmal Ich-AG und zurück

Sportwissenschaftler Tom Schwenk war als Volleyballtrainer selbständig

His initiation into the working world went rather smoothly for the sport scientist Tom Schwenk. Even before the end of his studies, he had already been hired as a volleyball coach. But then new offspring changed everything. After paternity leave, during which he also finished his studies, his old coaching job was no longer available, and a new one was nowhere to be found. Not wanting to live on welfare, he became a self-employed trainer, taking on numerous jobs to support his family. After a number of months, Tom Schwenk jumped on the chance to become the volleyball coach for Berlin's federal state team. As a father of two, he greatly values the security of regular employment.

Zunächst ließ sich der Start in die Arbeitswelt für Sportwissenschaftler Tom Schwenk ganz gut an. Dank seines Engagements als Vollyballtrainer während des Studiums fand er noch vor dem Abschluss eine Stelle als Trainer. Dann kam ihm aber Familienzuwachs dazwischen. Nach der Elternzeit, in der er auch sein Studium abschloss, war seine alte Stelle nicht mehr zu haben und eine neue erstmal nicht in Sicht. Weil er nicht von Harz VI leben wollte, entschloss er sich, eine Ich-AG als Trainer zu gründen. Er nahm viele "Aufträge" gleichzeitig an, um seine Familie ernähren zu können. Nach einigen Monaten ergab sich die Chance auf die Stelle als Berliner Volleyballlandestrainer. Tom Schwenk nutzte sie. Die Sicherheit einer festen Anstellung weiss er - inzwischen Vater von zwei Kindern - sehr zu schätzen.


Tom Schwenk mit seiner ganz privaten Mannschaft:
Kürzlich wurde er zum zweiten Mal Vater..
Foto: privat

Wie jeder Sportstudent versuchte auch ich, schon während des Studiums erste Kontakte mit der Arbeitswelt zu knüpfen und darüber zumindest teilweise das Studium zu finanzieren. Am Ende meines Studiums 1999 arbeitete ich also circa 30 Stunden in der Woche in einem Fitnessstudio als Cheftrainer und später auch noch im "Sales-Bereich", wo ich Verträge verkaufte. Meine "eigentlich" Arbeit fand aber abends in der Sporthalle statt. Schon seit zehn Jahren bin ich in meiner Freizeit Volleyballtrainer. Zu diesem Zeitpunkt trainierte ich eine Herren-Regionalliga, den Polizei Sport Verein (PSV) Berlin, eine leistungsorientierte weibliche B-Jugend bei den Volley Cats Berlin, ebenfalls in der Regionalliga und noch ein einige zehnjährige Talente.
Solcher Einsatz fällt dann meist jemandem auf und im Mai 2000 wurde mir eine feste Stelle als Leiter des Jugendleistungszentrums des Sport Club Charlottenburg (SCC) in Marzahn angeboten. Ich griff zu. Ein paar Protokolle nachreichen und zwei letzte Prüfungen ablegen - das würde ich auch nebenher schaffen, so dachte ich. Ich verschätzte mich gehörig.
Die Arbeit war so umfangreich, dass ich kaum noch Zeit für Privates hatte. Mit den Erfolgen im Job ließ dann auch die Lust nach, das Studium noch zu beenden. Erst mit der Geburt meines ersten Kindes im Jahr 2002 änderte sich das. Ich hatte meiner Frau versprochen, auch für ein Jahr in Elternzeit zu gehen, damit sie ihr Referendariat mit nicht zu langer Pause beenden könne. Da ich nur auf der Basis von Zeitverträgen mit einem Jahr Laufzeit angestellt war, hatte diese Entscheidung für mich Konsequenzen. Ich informierte meinen Verein, wir suchten zusammen meinen Nachfolger aus.
Im Februar 2004 begann ich meine Elternzeit. Mein Sohn war gerade 15 Monate alt und es begann die bisher anstrengendste Phase in meinem Leben. Ich wollte schließlich die Zeit nutzen und gleichzeitig mein Studium beenden. Ein Kind rundum zu versorgen, den Haushalt zu schmeissen und gleichzeitig meine Diplomarbeit zu schreiben, war ein mehr als ehrgeiziges Vorhaben. Mit Hilfe einiger Babysitter hat aber alles geklappt. Im Februar 2005 war ich endlich Diplomsportwissenschaftler und ab April sollte ich meine Familie ernähren. Nur wie?


Steckenpferd Jugendarbeit: Vollyballtrainer Tom Schwenk
trainiert am liebsten Nachwuchstalente.
Foto: privat

Mein alter Job war vergeben und alles andere wurde nicht ausreichend bezahlt. Ein befreundeter Trainerkollege erzählte mir, dass er eine Trainer Ich-AG gegründet hatte. Ich fing an, mich näher damit zu beschäftigen und sah sowohl die Möglichkeiten als auch die Risiken. Trotzdem war die Entscheidung schnell gefallen. Mir war es lieber, um jeden Euro zu kämpfen und dafür zu arbeiten, als mich zu informieren, wie Hartz IV für mich und meine Familie sorgen würde. Um Bürokratie kam ich trotzdem nicht herum: Bussinesplan aufstellen, Erfolgsaussichten bewerten, einen Monat arbeitslos melden, Rentenversicherungsbeitrag anhand der geschätzten Einnahmen taxieren und vieles mehr. So ganz einfach, wie ich mir das vorgetellt hatte, war es nicht. Wenigstens kamen die 600 Euro Förderung vom Staat dann sehr schnell und zuverlässig. Davon musste ich allerdings 240 Euro gleich wieder an die Krankenkasse überweisen. Ich nahm alles an, was ich bekommen konnte: Honorardozentenstellen an der Uni Potsdam oder bei der Europäischen Sportakademie Brandenburg (ESAB), Fortbildungen für den Berliner oder Brandenburger Volleyballverband, Sommertraining bei einigen Vereinen und schließlich zwei Verträge bei Vereinen. Auch meinem Steckenpferd, der Jugendarbeit, ging ich weiterhin nach.
Die Abrechnung war sehr einfach und alle Vereine und anderweitige Arbeitgeber waren mit meinem Status der Selbstständigkeit zufrieden. Sie hatten dadurch keine Sozialabgaben für mich zu entrichten und es war trotzdem alles legal. Eine solche Anzahl an Jobs führt aber zwangsläufig zu Qualitätsverlust und ist sehr zeitintensiv und damit familienunfreundlich. Doch dieser Zustand dauerte dann schließlich nur fünf Monate. Die Stelle des Berliner Volleyballlandestrainers wurde ausgeschrieben. Ich konnte mich mit meiner Bewerbung durchsetzen und bin seit 1. Dezember 2005 wieder im Angestelltenverhältnis. Meine Lieblingsstelle als Honorardozent an der Uni Potsdam kann ich aber weiterhin ausfüllen.
So schön und vor allem aufregend die Zeit als Selbstständiger auch war, so bin ich jetzt doch sehr zufrieden, jetzt als Trainer mit einem unbefristeten Vertrag arbeiten zu können. Da meine Familie schon seit August aus vier Personen besteht, ist die Sicherheit jetzt der wichtigere Faktor. Nach fast einem Jahr als Landestrainer kann ich jetzt sagen, dass mich die Zeit in der Selbständigkeit belastungsfähiger und auch dankbarer für meine jetzigen Möglichkeiten gemacht hat. Der Erfolg als Trainer, der sich während meiner Selbstständigkeit nicht einstellte, ist glücklicherweise auch wieder da: Die Berliner Landesauswahlen haben im Jahr 2006 alles gewonnen, was zu gewinnen war.

Tom Schwenk

Kontakt: Tom Schwenk , E-Mail: tom.schwenk(at)gmx.de

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[Letzte Aktualisierung 1.12.2006, Schroeter]