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4. Ausgabe: Dezember 2006
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Durch das Kameraauge geschaut

Chemiker Robert Lucas visualisiert mit seiner Firma "tecdocfilm" Naturwissenschaft

Robert Lucas remains loyal to the natural sciences even in self-employment. After working at the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research and the Max Planck Institute of Colloids and Interfaces, he consciously decided against attaining a doctorate and for establishing a company on his own. In doing so, he wanted to combine his enthusiasm for the natural sciences
with his interest in science journalism. His business concept was born when a former employer mentioned that one could show via film how laboratory instruments in the areas of physics and chemistry function. A few months ago, Robert Lucas founded the company tecdocfilm - Technical Documentation through Film. He was supported by the University of Potsdam's career service and senior coaching service.

Robert Lucas bleibt auch in der Selbstständigkeit den naturwissenschaftlichen Themen seines Chemiestudiums treu. Nachdem er am Fraunhofer-Institut für angewandte Polymerforschung und am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung gearbeitet hatte, entschied er sich bewusst gegen eine Promotion und für die Existenzgründung. Darin sollten sich seine Begeisterung für die Naturwissenschaft mit seinem Interesse für den Wissenschaftsjournalismus verbinden. Als ihn sein ehemaliger Chef auf die Idee brachte, die Funktionsweise physikalischer und chemischer Laborgeräte filmisch darzustellen, war die Geschäftsidee geboren. Vor wenigen Monaten gründete Robert Lucas die Firma tecdocfilm - Technische Dokumentation als Film. Unterstützt wurde er bei der Existenzgründung vom Lotsendienst und dem Senior Coaching Service der Universität Potsdam.


Filmische Bedienungsanleitungen:
Komplizierte naturwissenschaftliche Geräte und
Experimente verständlich gemacht.
Foto: Fritze

Nach dem Chemie-Studium an der Universität Potsdam stellte sich mir die Frage, was tun mit dem Diplom? Vielleicht eine Promotion anstreben, als Chemiker im Labor arbeiten oder etwas ganz anderes versuchen? Bei der Doktorarbeit scheute ich die dreijährige Arbeit an einem Thema. Also arbeitete ich erst einmal als Chemiker im Fraunhofer-Institut für angewandte Polymerforschung in der Nachwuchsgruppe "lifescience" auf der Basis eines sechsmonatigen Zeitvertrages. Danach folgte eine Anstellung am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Golm. Es zeichnete sich schnell ab, dass dies nicht der geeignete Weg für mich war. Sollte ich nicht doch lieber den anderen Weg einschlagen, die Naturwissenschaft erklärbar und für den Laien anschaulich machen?
Ich erzählte meinem damaligen Chef, Hubert Motschmann vom Max-Planck-Institut, von der Idee, Wissenschaftsjournalist beim Fernsehen zu werden. Die Wissenschaftssendung "nano" hatte es mir angetan. Aber Journalisten gibt es bekanntlich viele und zudem schreckte mich die nötige Zusatzausbildung ab. Hubert Motschmann hatte dann die eigentliche Idee, die tecdocfilm heute mit Inhalt füllt. Er meinte, filmischen Bedienungsanleitungen könnten komplexe Sachverhalte einfacher abbilden, als es dem gedruckte Äquivalent möglich sei. So fragte er mich, ob ich nicht für sein "Surface Plasmon", ein Gerät zur Oberflächenuntersuchungen von Biomolekülen, eine Bedienungsanleitung auf Videobasis herstellen könne. Gesagt getan. Obwohl ich nur wenig Erfahrung beim Filmen hatte, entstand so mein erster Film, mit dem der Auftraggeber und ich sehr zufrieden waren.


Nach dem Chemiestudium
in die Selbstständigkeit:
Robert Lucas bleibt
naturwissenschaftlichen
Themen treu.
Foto: privat

Mit der Geschäftsidee im Gepäck, den Zusammenbau naturwissenschaftlicher Geräte, die Bedienung von Software oder verschiedene Messprinzipien im Film darzustellen, ging ich zum Lotsendienst der Universität Potsdam. Dort wurde die Idee im Accessmentcenter überprüft und ich bekam einen Schnellkurs in wirtschaftlichem Denken. Man vermittelte mir ein Coaching mit der professionellen Trainerin Tanja Donkerslooth, die mich durchs Businessplangebirge leitete. Danach konnte ich meine praktischen Fähigkeiten vertiefen und in einem Filmpraktikum bei Uwe Fleischer im Fernsehzentrum Babelsberg anwenden lernen.
Inzwischen existiert meine Firma tecdocfilm seit mehreren Monaten. Da sich mein Kundenkreis erst nach und nach erweitert, bin ich momentan noch auf staatliche Förderung meiner Selbstständigkeit in Form von Einstiegsgeld der Agentur für Arbeit angewiesen und sehr froh darüber, dass es sie gibt. Der Anfang ist ja bekanntlich am schwersten und sehr zeitintensiv. Gegenwärtig kommen mehrere Jobs gleichzeitig auf mich zu: Naturwissenschaftler, Akquisiteur, Mediengestalter, Bürokaufmann und Selbstmotivator. Allein, ohne die Unterstützung von Freundin, Freunden, Familie und tollen Menschen, die ich auf dem Weg der Selbstständigkeit bis jetzt kennerlernte, wäre dieses Pensum kaum zu schaffen. Diese Kontakte können auch helfen, den berühmten Fuss in die Tür zu bekommen, was der entscheidende Schritt zur erfolgreichen Selbstständigkeit ist.
Ich verfilme ein breites Spektrum an Themen, auch jenseits der Naturwissenschaften und baue über diese Umwege meine Kontakte im Bereich der Chemie aus. Die Filme werden zumeist auf Messen, Tagungen oder Schulungen eingesetzt. Zurzeit visualisiere ich eine HPLC-Anlage, die organische Substanzen nach ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften trennt, um davon eine Präsentations-DVD zu erstellen. Dabei half mir auch der Senior Coaching Service, an dessen Existenzgründer-Wettbewerb ich teilgenommen habe. Dort werden über ein Netzwerk von erfahrenen Führungskräften Kontakte hergestellt, die durch die Weitergabe ihrer Erfahrungen den Einstieg junger Unternehmensgründer in die Selbstständigkeit erleichtern sollen - Vitamin B mal anders. Zusätzlich bekomme ich eine Prise von Zielstrebigkeit und visionärem Unternehmertum mit auf den Weg. Wo sehen Sie ihr Unternehmen in fünf Jahren? Haben Sie vor, andere Arbeitnehmer einzustellen? Urlaub sollten Sie sich die nächsten Jahre nicht leisten! Dies sind die häufigsten Fragen und Ratschläge, die man von den Coaches hört. Als ehemalige Führungskräfte haben sie die Erfahrungen, sich auf dem freien Arbeitsmarkt zu behaupten. Ein Satz, der sich mir eingeprägt hatte, war: "Wundern Sie sich nicht, durch ihr Unternehmertum verändert sich ihr Freundeskreis." Zum Glück habe ich davon noch nichts bemerkt.
Vieles von dem, was sich in Zusammenhang mit meiner Selbstständigkeit zugetragen hat, ist neu und mit starken Emotionen verbunden. Aus diesem Grund kann ich bisher noch kein Resümee ziehen. Ich weiß jedoch, dass mir die Selbstständigkeit Spaß macht und es ein sehr abwechslungsreiches Arbeiten ist. Ich kann vieles entscheiden, meinen Tag individuell planen. Aber wie im Studium besteht die Gefahr, sich zu verzetteln. Es ist spannend, immer wieder neue Leute, neue Geschichten zu erleben und naturwissenschaftliche Themen nicht nur auswendig lernen zu müssen, sondern kreativ damit umgehen zu können.

Robert Lucas

Kontakt: Robert Lucas, E-Mail: lucas(at)tecdocfilm.de

tecdocfilm
Robert Lucas
Clara-Zetkin-Str. 9
14471 Potsdam
Tel.: +49 331 5838087
Fax: +49 331 5838113
www.tecdocfilm.de

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[Letzte Aktualisierung 1.12.2006, Schroeter]