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4. Ausgabe: Dezember 2006
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Auf einem Bein will Mann nicht stehen

Betriebswirtschaftler Rico Hetzschold kombiniert Angestelltenverhältnis mit Unternehmertum

In his profession as a personal assistant, Rico Hetzschold aims to develop his career. However, founding his own company also became a source of inspiration during his studies. Along the way, the economist decided that these options did not have to be mutually exclusive. In the meantime, Rico Hetzschold has founded two internet-based companies together with a computer scientist and friend: a specialized dating agency and a business-to-business personnel service.

In seinem Beruf als Personalreferent möchte Rico Hetzschold Karriere machen. Doch auch eine Unternehmensgründung hat den Betriebswirt schon während des Studiums gereizt. Er entschied für sich, dass diese zwei Optionen sich nicht ausschließen müssen. Inzwischen hat er, neben dem Beruf, mit einem befreundeten Informatiker zwei Firmen im Internet gegründet - eine besondere Partnerbörse und eine Plattform zu Personalvermittlung zwischen Firmen.


Seit Schultagen ein gutes Team:
Betriebswirtschaftler Rico Hetzschold (li.)
und sein Freund und Compagnon.
Foto: privat

Selbstständiger Unternehmer oder Arbeitnehmer? Diese sich scheinbar ausschließenden Möglichkeiten gehörten für mich immer zusammen. Warum die Möglichkeit eines beruflichen Aufstiegs in einem Großunternehmen aufgeben, wenn mit der Selbstständigkeit doch anfänglich eher Ungewissheit, Geldmangel und unerwartete Probleme einhergehen?
Mit dieser "Doppelstrategie" im Hinterkopf begann ich schon während meines Studiums der Betriebswirtschaft, nach Marktlücken für eine mögliche Selbstständigkeit zu suchen. Zahlreiche alltägliche Tätigkeiten untersuchte ich auf ihr Marktpotenzial. Schnell wurde klar, dass sich die Vereinbarkeit von Arbeitnehmer- und Unternehmerdasein nur durch eine Existenzgründung im Internet umsetzen ließ, bei der Automatisierungen möglich waren. Mit dieser Erkenntnis wandte ich mich an meinen langjährigen Schulfreund, der in Cottbus Informatik studierte. Schon während der Schulzeit hatten wir uns vorgenommen, einmal gemeinsam zu arbeiten. Die Kombination aus Betriebswirt und Informatiker war viel versprechend. Allein es fehlte eine sinnvolle und vermarktbare Idee. Bei einem Brainstorming brachte jeder seine bisher ausgemachten "Marktlücken" ein. Durch Kombination und gedanklicher Weiterentwicklung mehrerer Ideen hatten wir schließlich die Geschäftsidee: Eine Partnerbörse bei der sich Partner mit Altersunterschied kennen lernen können.
Nun ging alles ganz schnell. Der Name www.AltersvorSPRUNG.de wurde geboren, die Inhalte der Seite entwickelt und die Markteintrittsstrategie entworfen. Je weiter wir jedoch in der Entwicklung der Internetseite kamen, desto mehr unvorhersehbare Probleme traten auf. Welche Rechtsform wählen wir? Sollen wir einen Businessplan schreiben? Wie schützen wir uns vor Abmahnungen im Internet? Welchen rechtlichen Anforderungen muss eine Internetseite genügen? Sollen wir unseren Markennamen schützen lassen? Schnell wurde klar, dass sich diese Fragen nicht mehr ohne Unterstützung lösen ließen. Daher wandten wir uns an den Lotsendienst der Universität Cottbus und an die IHK in Potsdam. Das Ergebnis waren mehrere Tausend Euro Fördermittel für Investitionen in die Gründung, sowie Tipps rund um die Rechtssicherheit im Internet - das ganz ohne Businessplan. Voraussetzung war allerdings die Teilnahme an mehreren Gründungsseminaren und die Beratung durch erfahrene Experten aus der Wirtschaft. Diese rieten uns zum Schutz des Markennamens und zur Wahl der Rechtsform GbR für die Gründungsphase. Auf den Businessplan verzichteten wir, weil Fremdkapital von Banken oder anderen Institutionen nicht notwendig war. Allerdings gingen wir die Fragen eines Businessplanes trotzdem durch, um ausreichend gerüstet zu sein.


Aller Register ziehen:
Werbe-Flyer sollen auf das
Internet-Unternehmen aufmerksam machen.
Foto: privat

Nach sechs Monaten Vorbereitung gründeten wir schließlich unser Unternehmen. Unsere Markteintrittsstrategie setzte auf Pressearbeit, Werbung bei Suchmaschinen und im Internet. Die Pressearbeit wurde ein voller Erfolg. Über unsere Partnerbörse berichteten Sat.1, Radio eins und zahlreiche Zeitungen. Schnell übersprangen wir die 3000-Mitglieder-Marke. In dieser Euphorie entschlossen wir uns nachzulegen und mit dem aus Ersparnissen gebildeten Firmenkapital eine Werbekampagne bei GMX zu finanzieren. Es sollte der bisher größte finanzielle Fehler der noch jungen Firmengeschichte werden. Die Bannerwerbung bei GMX verpuffte fast wirkungslos. Mehrere Tausend Euro waren verloren. Dagegen erwies sich die Werbung bei den Suchmaschinen, allen voran Google, als Erfolg. So ließen sich bei relativ geringen Kosten, Kunden zielgruppenspezifisch ansprechen. Heute prüfen wir jede größere Ausgabe auf deren Erfolgsaussichten. Insbesondere der übertriebene Optimismus war uns eine Lehre.
Auch klar ist uns inzwischen, dass eine Geschäftsidee nicht von heute auf morgen zum großen Erfolg werden kann. Ein Jahr nach der Gründung investieren wir noch immer die gesamten Einnahmen in das Marketing. Wollte ich meinen Lebensunterhalt ausschließlich basierend auf der Selbstständigkeit bestreiten, würde dies das Wachstum der Firma langfristig verlangsamen. Eine Doppelstrategie aus Angestelltenverhältnis und Selbstständigkeit ist deshalb für mich unausweichlich und hat gleichzeitig viele Vorteile. Ich arbeite in einem Klinikum als Personalreferent. Meine Erfahrungen als Unternehmer helfen mir im Beruf enorm weiter. Und auch als Unternehmer habe ich von meiner abhängigen Beschäftigung profitiert. Die hier bereits gesammelten Erfahrungen in Bezug auf Personalführung, Organisation und Arbeitsrecht sind für mich von großem Wert. Zudem ist mir durch meine Arbeit als Personalreferent eine weitere Marktlücke aufgefallen, welche ich inzwischen in einer weiteren Gründung umgesetzt habe.
Die neue Geschäftsidee unter der Internetadresse www.stelta.de besteht darin, dass Unternehmen über das Internetportal Personal direkt an andere Unternehmen verleihen oder von ihnen leihen können. Kurzfristige Personalengpässe lassen sich so genauso vermeiden wie Entlassungen aufgrund von Nachfrageschwankungen. Langfristig möchte ich meine beiden Firmen weiter vorantreiben und gleichzeitig als Arbeitnehmer in einem Unternehmen aufsteigen. Es gibt nichts Schöneres, als die eigenen Ideen umsetzen zu können und dabei durch ein regelmäßiges Einkommen abgesichert zu sein.
Allen, die ihre Existenz allein auf der Selbstständigkeit aufbauen wollen, empfehle ich, schon frühzeitig während des Studiums mit der Existenzgründung zu beginnen. Überlebenswichtig ist Durchhaltevermögen, um die anfänglichen Schwierigkeiten zu überwinden.

Rico Hetzschold

Kontakt: Rico Hetzschold, E-Mail: hetzschold(at)gmx.de, Internet: www.AltersvorSPRUNG.de, www.stelta.de

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[Letzte Aktualisierung 1.12.2006, Schroeter]