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4. Ausgabe: Dezember 2006
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Vom Arbeitslosen zum Firmenchef

Gründungen in Deutschland: Einflussfaktoren und Perspektiven

According to the Global Entrepreneurship Monitor Report of 2005, the percentage of new founders of businesses in Germany amounts to 3.1 percent among all adults. In an international comparison of 35 countries, Germany is thus on rank 24. Regarding the general conditions for founders, Germany finds itself on rank 20 out of 33. The introduction of the "Ich-AG" program in 2003 caused a boom in new businesses. In August 2006, however, this program was replaced by a foundation subsidy program that provides for less financial stimuli for founders of new businesses. Thus, a drop in the number of new businesses appears imminent. Around half of all founders of new businesses, i.e. those who aim to support themselves through self-employment, were previously unemployed. New businesses that create additional employment opportunities for others are primarily found in the technology-oriented fields. Important factors for success here are not only the high qualification levels of potential employees, but also knowledge in the areas of organization, financing, patent law and marketing. Next to a lack of financing options, a second negative factor is the fact that students and scientific assistants at universities and research institutions only partially see self-employment as a alternative to dependent employment. Properly informing the members of universities about such options is thus an important goal of the University of Potsdam's Brandenburg Institute for the Foundation of New Businesses and the Support of Small Businesses - Center for Entrepreneurship and Innovation (BIEM-CEIP).

Der Anteil der werdenden Gründer liegt in Deutschland laut "GEM Länderbericht 2005" (GEM steht für "Global Entrepreneurship Monitor") bei 3,1 Prozent aller Erwachsenen. Damit nimmt Deutschland im internationalen Vergleich unter 35 Ländern Rang 24 ein. Auch beim Vergleich der gründungsbezogenen Rahmenbedingungen belegt Deutschland nur den 20. Platz von 33 teilnehmenden Ländern. Innerhalb der Europäischen Union werden lediglich Litauen, Griechenland, Slovenien, Italien und Ungarn schlechter beurteilt. Jedoch entwickelte sich in den letzten Jahren das Gründungsgeschehen in der Bundesrepublik scheinbar positiv. Die Gründungszahlen haben seit 2003 zunächst deutlich zugenommen, während die Insolvenzen auf einem gleich bleibenden Niveau verharrten.


Unterstützt Gründungswillige
an der Universität: Prof. Guido Reger.
Foto: Fritze

Betrug der Gründungssaldo - also Gründungen abzüglich Liquidationen - 2002 lediglich 63.000 Unternehmen beziehungsweise Selbstständige, war schon 2003 mit 71.000 eine signi-fikante Steigerung zu beobachten, die im Zehnjahresrekord 2004 in einem Saldo von 144.000 Gründungen gipfelte. Im Folgejahr war jedoch ein abrupter Rückgang auf 69.000 zu verzeichnen.
Die zwischenzeitlich hochschnellenden Gründerzahlen sind jedoch im Wesentlichen auf einen "Sondereffekt" zurückzuführen - die Einführung der "Ich-AG" im Jahr 2003. Damit wurde eine Förderkonstruktion entworfen, die finanzielle Anreize setzte, um vor allem Arbeitslose in die Selbstständigkeit zu führen. Der Bundesrechnungshof bemängelte auf Grundlage der ersten Erfahrungen mit diesem Fördermodell, dass viele "Ich-AGs" wegen ihrer zweifelhaften Geschäftsideen nicht als Existenzgrundlage, sondern bestenfalls als Nebenerwerb taugen würden. Die Arbeitsagentur reagierte und machte 2005 die Tragfähigkeitsprüfung des Geschäftskonzeptes durch qualifizierte Stellen für den "Ich-AG"-Bewerber obligatorisch.
Mittlerweile sind Gründungen aus der Arbeitslosigkeit zum bestimmenden quantitativen Faktor des Gründungsgeschehens geworden. Die detaillierte Analyse des Gründungsmonitors der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 2005 zeigt, dass zirca 50 Prozent der Personen, die 2004 mit der Selbstständigkeit einen Vollerwerb anstrebten, aus der Arbeitslosigkeit starteten.
Wie sich das Gründungsgeschehen zukünftig weiterentwickeln wird, bleibt abzuwarten. Ein wichtiger Einflussfaktor wird die seit 1. August 2006 geltende Vereinheitlichung der "Ich-AG" und des "Überbrückungsgeldes" im Gründungszuschuss sein. Diese Förderung umfasst zunächst die Zahlung des Arbeitslosengeldes und einer Pauschale von 300 Euro für neun Monate. In einer zweiten, sechsmonatigen Phase wird die Zahlung des Arbeitslosengeldes gestoppt und es besteht die Möglichkeit, die Pauschale weiterhin zu beziehen. Dieses neue Fördermodell besitzt geringere finanzielle Anreize als die "Ich-AG" und wird daher wahrscheinlich weniger Arbeitslose zur Selbstständigkeit animieren können. Es sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass die Geförderten zumindest kurzfristig einen Arbeitsplatz für sich selbst schaffen und die Initiative für ihren beruflichen Erfolg zurückgewinnen.


Gerade am Anfang jede Menge Arbeit:
Zu den ersten Mietern im Innovationszentrum
"Go-In" gehört die Firma "AnagnosTec".
Foto: Fritze

Eine signifikante Wirkung auf die Arbeitsplätze ergibt sich jedoch nicht durch "Ich-AGs" sondern einen anderen Typ von Unternehmensgründung. In Deutschland sind für 80 Prozent der aus Gründungen entstehenden Arbeitsplätze nur etwa 17 Prozent der Gründer verantwortlich. Diese wachstumsstarken Unternehmen sind zumeist technologieorientierte Firmen, die durch die Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen auf der Grundlage neuer Technologien wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes beitragen. Sie beschleunigen den ökonomischen Strukturwandel und schaffen im Erfolgsfall Wachstum und Arbeitsplätze. Daher finden sie auch besondere Beachtung durch die Politik.
Auf den Erfolg technologieorientierter Unternehmen haben verschiedene Faktoren einen positiven Einfluss. Wie die aktuelle Studie über "Hightech-Gründungen in Deutschland" des zeigt, sind dies vor allem die frühzeitige Kundenbindung und die punktgenaue Entwicklung hinsichtlich der Kundenbedürfnisse. Eine weitere überragende Bedeutung für den Erfolg besitzt die Qualifikation der Mitarbeiter. Neben der Fachexpertise sind hier auch Management-Kenntnisse vor allem in den Bereichen Organisation, Finanzierung, Patentrecht und Marketing wichtig.
Gleichzeitig gibt es auch unterschiedliche Hemmnisse. Auf diese weist der "GEM Länderbericht Deutschland 2005" (GEM steht für "Global Entrepreneurship Monitor") hin. Neben den mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten für technologieorientierte Unternehmen wirkt vor allem die Geringschätzung der Unternehmertätigkeit als Alternative zur abhängigen Beschäftigung als hemmender Faktor. Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter an Hochschulen und Forschungseinrichtungen sehen nach wie vor in der unternehmerischen Tätigkeit nur in begrenztem Maße eine Alternative zur abhängigen Beschäftigung. Die Sensibilisierung der Hochschulangehörigen ist daher ein wichtiges Ziel, welches sich das Brandenburgische Institut für Existenzgründung und Mittelstandsförderung - Centrum für Entrepreneurship und Innovation der Universität Potsdam (BIEM-CEIP) auf die Fahnen geschrieben hat (siehe dazu hier).

Prof. Dr. Guido Reger

Stiftungsprofessur für Innovative Existenzgründungen und Mittelstandsentwicklung

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[Letzte Aktualisierung 1.12.2006, Schroeter]