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4. Ausgabe: Dezember 2006
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Mit sicherem Anker im unruhigen Fahrwasser

Andreas Bertheau vermittelt an seiner Musikschule Freude am Musizieren

Music defined his life from early on. As an eighteen year-old, Andreas Bertheau began as a private tutor for music. Being a private tutor, however, was not his heart's desire, but rather was determined by the political circumstances in the former GDR. After his studies, he worked as a university assistant. Later, he founded a school of music together with a former colleague. Today, Andreas Bertheau is the joint partner of a music school in Potsdam and works as a scientific assistant at the University of Potsdam's Institute for Music and Music Pedagogy. He also gives concerts and has never regretted entering into self-employment.

Musik bestimmte von früh an sein Leben. Selbstständiger Musikerzieher war er schon mit 18. Allerdings war der Weg in die Selbstständigkeit damals nicht sein Herzenswunsch, sondern den politischen Umständen in der ehemaligen DDR geschuldet. Nach dem Studium war er zunächst als Hochschulassistent tätig. Von einer ehemaligen Kollegin kam dann der Anstoß, gemeinsam eine Musikschule zu gründen. Heute ist Andreas Bertheau Teilhaber einer Musikschule in Potsdam, arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Musik und Musikpädagogik der Universität Potsdam und konzertiert selbst. Den Weg der Selbstständigkeit eingeschlagen zu haben, hat Andreas Bertheau nie bereut.


Zwischen Uni-Job und eigener Musikschule:
Andreas Bertheau
Foto: privat

Eigentlich war ich bereits mit 18 Jahren, also nach meinem Abitur, selbstständiger Musikerzieher. Ich absolvierte eine Ausbildung am Konservatorium in Zwickau. Der Abschluss ermöglichte mir diese Berufsbezeichnung. Ich ging zum Finanzamt meiner damaligen Heimatstadt und erhielt eine Steuernummer. Das war 1981. Ich lebte in der DDR. Dieser Weg war kein Herzenswunsch, sondern die Antwort auf die Repressalien, denen ich in der DDR ausgesetzt war.
Durch Fleiß und mehr oder weniger Zufall konnte ich ein Studium an der Musikhochschule Leipzig bekommen. Musik- und Kunststudenten standen zu Zeiten des Honecker-Regimes weniger im Fokus der seelischen Verkrüppelung, deshalb war dieses Studium gut für mich. Das Ende der Ausbildung fiel mit der politischen Wende zusammen, so dass ich 1990 eine Anstellung als Assistent an der damaligen Pädagogischen Hochschule in Potsdam antrat. Mein Hauptaufgabengebiet war und ist die Lehre am jetzigen Institut für Musik und Musikpädagogik. Von 1990 bis 1994 hatte ich einen befristeten Arbeitsvertrag. 1994 begann die erste große Abwicklungsrunde im Mittelbau der damaligen Landeshochschule. Mir ist es gelungen, meine Stelle zu behalten und darüber hinaus 50 Prozent einer Kollegin abzugeben, die von einer Kündigung bedroht wurde. Ich sah darin kein Samaritertum, sondern die Möglichkeit, mich mehr um meine Familie kümmern zu können. Mittlerweile waren drei kleine Kinder zu versorgen, und meine Frau war ebenfalls voll berufstätig.


Ohne Fleiß kein Preis:
Das gilt auch in der Musikschule Bertheau & Morgenstern.
Foto: privat

Bereits während des Studiums baute ich meine Konzerttätigkeit aus. Ich spielte in verschiedenen Besetzungen bis zu 40 Konzerte und so genannte Muggen im Jahr. Als Gitarrist war ich immer wieder auch gefragter Kammermusikpartner. Seit 1995 wurden die Konzertangebote weniger, die Kinder größer, so dass die Idee eines größeren Projektes in mir reifte. Der Anstoß kam von außen. Eine ehemalige Kollegin, Katrin Morgenstern, bis 1994 wie ich Assistentin am Institut, sagte: "Lass uns eine Musikschule gründen". Gesagt getan. Der Standort wurde wohlüberlegt ausgesucht. Die ersten Kontakte über das Existenzgründerforum der Uni Potsdam geknüpft und Bücher über Betriebswirtschaft gelesen. Die Vorbereitungen bis zur Gründung am 1. Januar 1997 dauerten eineinhalb Jahre. Um kreditwürdig bei fehlendem Eigenkapital zu werden, musste eine Umsatz- und Ergebnisplanung für fünf Jahre im Voraus geschrieben werden. Eine umfangreiche Bedarfs- und Standortanalyse unterfütterte diese Planungen. Das Objekt selbst wurde nach allen Regeln des Schallschutzes ausgestattet, weil es sich in einem Wohngebiet befand. Nach Fertigstellung verlangte das Bauaufsichtsamt weitere Maßnahmen, wie beispielsweise verschließbare Fenster, eine Be- und Entlüftungsanlage, so dass sich die Eröffnung auf den Sommer 1997 verschob. Die Akquisition von Schülern war allerdings bereits im vollen Gange. Alle Familienmitglieder wurden eingesetzt, in wochenlanger Fleißarbeit etwa 10.000 selbst gedruckte Flyer in die umliegenden Haushalte zu verteilen. Die ersten 50 Schüler mussten in Wohnungen und Schulen unterrichtet werden.
Es waren viele Hürden aufgebaut, aber keine war unüberwindbar. Selbst die Kredite wurden genehmigt, dank des Eigenkapitalhilfsprogrammes der KfW Mittelstandsbank. Ein Teil des Darlehens wurde zu günstigeren Zinskonditionen gegeben. Das war aber schon die gesamte Förderung, die wir jemals erlebten. Die selbst gesteckten Ziele haben wir jedes Jahr mehr als übertroffen. Mittlerweile hat die Musikschule Bertheau & Morgenstern 1.500 Schülerinnen und Schüler, die an zehn Standorten von etwa 60 freien Mitarbeitern unterrichtet werden. Darüber hinaus sind wir in zehn Kindertagesstätten mit unserem Programm der Musikalischen Früherziehung aktiv. Es wird in den Kindergartenalltag integriert und bereichert dort das Konzept der Kindergärten. Wir ermöglichen den meist berufstätigen Eltern, dass ihre Kinder an der Musikschule teilnehmen können, ohne dass sie zur Musikschule gebracht werden müssen.
Unsere Musikschule bietet das gesamte Programm: Beginnend bei der Musikalischen Früherziehung bis hin zu den Brückenmodellen, in denen mit 5-jährigen Kindern erster Instrumentalunterricht durchgeführt wird. Wir bieten Instrumental- und Gesangsunterricht für fast alle Instrumente, für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren an. Natürlich gibt es kammermusikalische Ergänzungsangebote, Teilnahme an Wettbewerben, Studien vorbereitende Ausbildung und Konzerte.
Es ist erstaunlich, aber ich kann gar nicht sagen, was ich heute im Rückblick anders machen würde. Die halbe Stelle an der Uni war und ist ein Stück sicherer Anker im unruhigen Fahrwasser der Selbstständigkeit.
Als Selbstständiger ist man zum Erfolg verurteilt. Das sehe ich als Vorteil. Leider sind die Vorgaben der Politik, was die steuerlichen Rahmenbedingungen für den Mittelstand betrifft, mehr als schlecht. Aber das sollte niemanden schrecken. Ich kann jedenfalls jedem, der bereit ist, viel zu arbeiten und am Anfang auch wenig zu verdienen, empfehlen, sich selbstständig zu machen. Ich würde es immer wieder tun.

Andreas Bertheau

Kontakt: Andreas Bertheau, E-Mail: andreas-bertheau(at)gmx.de, Internet: www.musikschule-potsdam.de

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[Letzte Aktualisierung 1.12.2006, Schroeter]